John Chambers, ein Ehrenmann
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
vom 03. Februar 2003 18:00 Uhr
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Die Tage, in denen man mit 25 % Plus pro Jahr mit Aktien rechnen konnte, sind weit weg und deshalb nur eine schmerzvolle Erinnerung für die Investoren. Aber für viele amerikanische Vorstandsvorsitzende haben die guten alten Zeiten niemals aufgehört. Der Grund sind die immer weiter steigenden Vergütungen für Vorstandsvorsitzende – das ist ein Gesetz des Universums. So zuverlässig, wie die Sonne jeden Morgen aufgeht, steigen die Bezüge der Vorstandsvorsitzenden Jahr für Jahr.
In den Jahren, in denen alles gut lief, bekamen die Vorstandsvorsitzenden einen großen Teil der Beute. Und in den weniger guten Jahren, die wir jetzt sehen, erhalten die Vorstandsvorsitzenden immer noch das, was sie in den guten Jahren erhalten haben – und noch ungefähr 10 % mehr. Das wenige, was übrig bleibt, überlassen sie den "kleinen Leuten".
"Angesichts der enttäuschenden Unternehmensergebnisse im letzten Jahr und angesichts des faulen Geruchs, den die steigende Bezahlung der Vorstandsvorsitzenden bei den Aktionären bereits 2001 hinterlassen hat, hätte man eigentlich denken können, dass die Vorstandsvorsitzenden mit ihren Bezügen im Jahr 2002 etwas bescheidener geworden wären", schreibt Graef Crystal von Bloomberg verächtlich. "Eine Berechnung von mir über die Veränderung der Bezüge von 2001 auf 2002 zeigt jedoch etwas ganz anderes. Die 31 börsennotierten Gesellschaften, die 2002 einen Umsatz von mindestens 3 Milliarden Dollar erzielten, mussten in diesem Zeitraum einen durchschnittlichen Kursrückgang ihrer Aktien von 10,7 % hinnehmen. Aber die Vorstandsvorsitzenden dieser Unternehmen konnten sich über ein Wachstum ihrer Bezüge von durchschnittlich 9,3 % freuen."
Diese Analyse von Crystal mag ekelerregend sein – aber sie ist nicht wirklich überraschend. (Und nebenbei, würden wir nicht alle die Chance ergreifen, einen obszönen, unmoralischen und unglaublichen großen Scheck zu nehmen ... nur einmal?)
"Jetzt beginnen wir zu merken, warum die Bezahlung der Vorstandsvorsitzenden aus dem Ruder gelaufen ist", so Crystal. "Weil die Bezahlung in schlechten Jahren nicht fällt und in guten Jahren nach oben schießt." Crystal nennt ein paar Vorstandsvorsitzende, die er die "Schwarz-Hüte" nennt. Das sind die Vorstandsvorsitzenden, die "ein schlechtes Firmenergebnis mit steigenden Bezügen für sich selbst kombinierten"
Nehmen wir Robert Walter von Cardinal Health, dessen Bezüge letztes Jahr um 147 % explodierten ... obwohl der Aktienkurs seiner Gesellschaft um 10,9 % fiel. Der Aktienkurs von Navistar fiel um 25 %, während der Vorstandsvorsitzende John Horne einen vergleichbaren Anstieg seiner Bezüge sah (+146 %).
Aber Crystal nennt auch die "Weiß-Hüte". Sein Favorit: John Chambers von Cisco Systems. Die Cisco-Aktie fiel letztes Jahr um mehr als 30 %. Aber Chambers war so anständig, sein Gehalt auf 1 Dollar pro Jahr zu senken und auf alle Bonuszahlungen zu verzichten.
Tja, man sollte nicht vergessen, dass Chambers in seiner Funktion bereits Hunderte von Millionen Dollar verdiente, während die Marktkapitalisierung von Cisco um Milliarden Dollar abnahm.
Dennoch applaudiere ich der Geste von Chambers. Er erhält von Cisco dieses Jahr nur einen Dollar, was der Gesellschaft ungefähr 323.318 Dollar Ausgaben ersparen wird. Und jedes bisschen zählt. Man muss Chambers auch zugute halten, dass er seine Cisco-Aktien nicht verkauft, obwohl der Kurs auf ein 3-Jahres-Tief gefallen ist. Und er hat sogar alle 126.699 Aktien, die er im letzten Jahr gekauft hat, wohltätigen Zwecken zugute kommen lassen.
Wenn mehr Vorstandsvorsitzende so wie Chambers wären, dann würde es auch den Kleinanlegern etwas besser gehen. Aber der Markt könnte sie so oder so bestrafen.