Jetzt gilt es: Startet der Ölpreis durch - oder nicht?
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 10. November 2006 07:30 Uhr
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Tja, was ist nun mit dem Ölpreis? Wenn die Vermutungen stimmen, dass die US-Regierung in den vergangenen Wochen auf vielschichtige Art und Weise den Finger darauf gelegt und so verhindert hatte, dass das Rohöl eine eigentlich längst zu erwartende Gegenreaktion nach oben startet ... jetzt müsste dieser „Finger“ ja verschwunden sein.
Die Wahl wurde trotz „billigem“ Benzin klar verloren. Und jetzt müsste das Interesse sogar langsam aber sicher in die Gegenrichtung laufen. Sicher, bis zur nächsten Presidential Election sind es noch zwei Jahre. Aber in eben diesen Jahren werden die Demokraten so gut es geht mitmischen. Wenn die Republikaner sich einer wieder wachsenden Unterstützung versichern wollen wäre es nicht unpassend, in zwei Jahren mit dem Finger auf die Demokraten zeigen und sagen zu können:
Kein politisches Interesse mehr an billigem Öl?
„Seht nur, seitdem diese Dilettanten mitgemischt haben, wurde alles nur schlechter“.
Das ist zynisch, ich weiß. Es setzt voraus, dass sich die Politiker nur um ihr eigenes Fortkommen sorgen würden und sich einen Kehricht um das Land und die Bevölkerung scheren, die sie zuvor auf ihren Thron gehoben hat. Aber wäre es das erste Mal, dass das vorkäme?
Ich spinne einfach nur Gedanken, die mir aus der aktuellen Situation aufkommen. Und einer, der unmittelbar nahe liegt, ist: Es gibt seit Mittwoch keinen rein egoistischen Grund mehr, auf einen niedrigen Ölpreis einzuwirken. Die kommenden Tage und Wochen werden zeigen, ob sich nun tatsächlich die befürchtete Aufwärtsbewegung einstellt ... aber die Ansätze sind zumindest bereits da:
Bodenbildung verfestigt
Die Bodenbildung oberhalb der markanten Unterstützungszone zwischen 55 und 58 US-Dollar hat sich verfestigt. Die Tendenz der letzten beiden Tage war aufwärts gerichtet, wobei die jüngsten Lagerbestands-Daten aus den USA ohne besondere Impulse blieben. Der Kurs steigt also aktuell „von alleine“. Bleibt die Frage – nicht zuletzt mit sorgenvollem Blick zu der aktuell unverwundbar erscheinenden Aktienmarkt-Rallye – wie weit?
Neben dem kurzfristigen Tageschart zeigt auch die untenstehende, längerfristige Wochenperspektive, dass sich der Ölpreis momentan inmitten einer „neutralen Zone“ befindet. Die Begrenzungen liegen bei 66-68 US-Dollar nach oben und 55-58 Dollar nach unten. Dabei weist die kurzfristige Markttechnik aktuell klar aufwärts, während die naturgemäß trägeren Wochenindikatoren wohl erst dann Kaufsignale generieren würden, wenn der Kurs die Charthürden im Bereich 66-68 Dollar überwinden sollte.
Ein denkbares Szenario wäre also eine jetzt relativ zeitnah anstehende Aufwärtsbewegung in die Widerstandszone 66-68 Dollar und dann erst die mittelfristig bedeutsame Trendentscheidung: Erneuter Rücksetzer an die bisherigen Tiefs oder aber Ausbruch nach oben mit einem erneuten Test der Zone um 78-80 US-Dollar?
Vorerst wenig Chancen für fallende Preise
Gut, Sie wissen es: Prognosen darüber, was sich im Bereich 66-68 Dollar dann abspielen wird, sind müßig. Davon abgesehen, dass das Öl erst einmal dorthin gelangen müsste, ist heute nicht absehbar, welche externen Einflüsse dann die Kurse bewegen könnten. Was bedeutet: Ich würde mich für Rohöl-Prognosen nicht über eine Woche hinaus in die Zukunft wagen wollen. Doch die kurzfristige Kernaussage sollte hinreichend zu denken geben:
Für einen erneuten, schnellen Rücksetzer in den Bereich 57-58 Dollar oder sogar darunter sprechend aktuell weder die fundamentalen Rahmenbedingungen noch die Chart- und Markttechnik!
Eine positive Einflussnahme auf den Aktienmarkt erwarte ich daher von dieser Seite aus nicht, bestenfalls ein neutrales Signal. Und ich würde denen, die noch auf leeren Heizöltanks sitzen, zuraten, an eine Heizölbestellung zu denken. Denn wenngleich sich der Ölpreis selbst aktuell schon von seinen Tiefs abgesetzt hat, kommt Ihnen hierzulande jetzt der wieder schwächere US-Dollar zum Euro entgegen, so dass dessen Abschläge die erhöhten Ölpreise fast ganz ausgleicht.

