Jetzt auf breiter Front einsteigen?
Axel Retz in DAX Daily
vom 16. Oktober 2006 08:30 Uhr
ENL5454
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
heute vor 19 Jahren nahm das Schicksal seinen Lauf. Und zwar auf jene leise scheinbar leise Weise, die nur wenige mit besonders sensiblen Antennen ausgestattete Anleger ahnen ließ, dass der Tag etwas einleitete, das sie noch niemals miterlebt hatten.
An der Wall Street bröckelten an jenem 16. Oktober die Kurse. Es war Freitag. Einen Tag zuvor hatte der Dow Jones seine Septembertiefs unterschritten, nachdem im August noch ein neues Rekordhoch markiert worden war. Die Folge:
Der Dow Jones verlor 4,07 Prozent und beendete die Freitagssitzung bei 941,70 Punkten. Um es kurz zu machen: Das Kurstief des Dow Jones vom nachfolgenden Dienstag lag bei 656,7 Punkten, und der Crash von 1987 hatte sich entladen.
Was im damaligen Kurschart wie eine veritable Kurskatastrophe aussah (und auch eine war), geht in einem heute erstellten Langfristchart des Dow nahezu völlig unter.
Wer mitten im damaligen Untergangszenario kaufte, konnte sich eine goldene Nase verdienen, wer hingegen am Allzeithoch des Marktes im August eingestiegen war, musste bis April 1989 warten, um seinen Einsatz wiederzusehen. Was aber nur den wenigsten geglückt sein dürfte. Denn die allermeisten Anleger verkauften am oder nahe des Tiefs in Panik.
Vom Allzeithoch des Dow Jones im Januar 2000 ausgehend, zog sich die Wartezeit der Anleger bis zum Wiedersehen mit den Einstiegskursen etwas länger hin, nämlich über sechseinhalb Jahre. Wobei dieses Hoch, ich hatte es bereits in der letzten Woche geschrieben, unter Einberechnung der Inflation immer noch 18 Prozent entfernt liegt. Sie sehen:
Der Spruch von der Anlage Aktie, die „langfristig jede andere Form der Anlage schlägt", relativiert sich bei genauerem Hinsehen. Was ist denn „langfristig"? Und was ist mit jener Überzahl von Anlegern, die Anfang 2000 eben nicht in die als müde und veraltet geltenden Dow-Aktien, sondern in den um ein Vielfaches populäreren Nasdaq 100 investiert hatten? Für viele von ihnen gibt es nichts mehr zu warten, denn zahlreiche Lug- und Trugbuden des damaligen New Economy-Hypes sind für immer von den Kurszetteln verschwunden. Fazit:
Aktienengagements mit langfristiger Ausrichtung baut man „richtig" in einer Abwärtsbewegung, am besten nach einem veritablen Crash aus, nicht an Markthochs. Da empfielt es sich eher, sukzessive Gewinne in trockene Tücher zu nehmen. Aber auch das, ich weiß es, schreibt sich leichter als es umzusetzen ist!