Jenseits von Nietzsche
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 27. August 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Nietzsche spezifizierte zwei verschiedene Arten von Kenntnis. Da gibt es die Dinge, die man durch persönliche Erfahrungen und Beobachtung kennt. Diese nannte er Erfahrung". Daneben gib es noch das abstrahierte Wissen, von dem man denkt, dass man darüber Kenntnis hat, in Wirklichkeit jedoch übernimmt man nur die Kenntnis desjenigen, der seine Erfahrung über Zeitungen oder Diskussionsforen verbreitet. Das nannte Nietzsche Wissen".
Was Nietzsche übersah, war, dass es nicht nur zwei verschiedene Arten der Kenntnis gibt, sondern auch zwei vollkommen unterschiedliche Formen des logischen Denkens bzw. der Schlussfolgerung.
Die erste Art logischer Schlussfolgerung bezieht sich auf Sachverhalte, die sich von Begebenheiten des täglichen Lebens ableiten lassen. Wenn Sie jemanden beobachten, der sehr hoch in eine Baumkrone klettert und diese dann mitsamt dem Kletterer abbricht, dann können Sie daraus ableiten, dass Ihnen bei gleichem Tun dasselbe passieren könnte. Der Tradition Nietzsches folgend nenne ich diese Art der Schlussfolgerung schwer überlegen", da sie die logische Folgerung anhand der unmittelbaren Erfahrung bzw. Beobachtung mit einschließt.
Wenn man aber seine Gedanken auf den Krieg gegen den Terror oder die nächsten Wahlen richtet, dann durchläuft man einen völlig anderen Denkprozess. Anstatt über Sachen nachzudenken, die man kennt, denkt man über Dinge nach, die man gar nicht kennen und deshalb auch nicht erklären kann. Ich nenne diese Art des Denkens das Lumpendenken".
Schlägt man z.B. eine beliebige Zeitung auf, dann wird man höchst wahrscheinlich einen ähnlichen Artikel finden wie einen in der International Herald Tribune mit dem Titel Zeit, für Amerika einzuschreiten." Schon befinden wir uns in einer anderen Welt.
Ich widerspreche so einem Artikel. Denn Amerika kann nicht einschreiten, da eine Nation nur als abstrakte Entität existiert. Ein amerikanischer Soldat kann jemanden erschießen, ein amerikanisches Flugzeug kann eine Bombe abwerfen, doch Amerika an sich ist für ein Einschreiten viel zu groß.
Was auch immer Amerika tut, es wird nur von einer verschwindenden Prozentzahl getan werden...die meisten Amerikaner werden keine Rolle spielen, manche werden sich den Maßnahmen widersetzen, und an mehr als nur einigen werden die Ereignisse völlig unbemerkt vorübergehen.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Rue (27.08. 2010 16:38 Uhr):
Hi Bill, wenn jemand auf eine des Besteigens ungeeigneten Baum steigt und mit dem zusammenbricht, dann hat das definitiv nicht im Betrachter die Folge, wenn ich einen Baum besteige, passiert mir das gleiche. Ich denke, dass man da schon die unterschiedlichen Beurteilungsweisen zu einer Situation hinzuziehen muss, um aus Erfahrung bestandnehmendes Wissen zu gewinnen. Wenn man Ursache und Wirkung nicht durchschauen kann, kommt man zu "Lumpenwissen". Schönes Wort für durch Unfähigkeit erworbenes Wissen.
Antworten - Kommentar von Hartmut Fischer (27.08. 2010 16:45 Uhr):
Wie ist es nun, wenn eine führende "Elite" einem kollektiven Wahn erliegt, z. B. die Mainstream-Ökonomen (und ihre Adepten aus der Politik) dem zwanghaften Mantra von der Rettung aus der Schuldenkrise durch das Eingehen von noch mehr und größeren Schulden? Hier hat eine "Elite" den Karren in den Dreck gefahren und ist nun Sklave ihrer eigenen Ideologie, um mit aller Gewalt "Recht zu behalten" und das unvermeidliche katastrophale Ende noch etwas hinauszuzögern. Erinnert fatal an die deutsche Führung in den beiden Weltkriegen. Aber brauchen nicht alle Gesellschaften für ihren Zusammenhalt wahnhafte Ideologien und "Oberpriester", die nicht fehlbar sein dürfen? Dies ist das "Denken", dass nicht sein kann, was nicht sein "darf" !
Antworten - Kommentar von Schafranek (28.08. 2010 08:01 Uhr):
Dieser Artikel ist (geistiges)Brot für "Zeiten wie diese". Schafranek
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