Jatropha – reloaded!
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom 23. August 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Trader´s Daily-Leser Daniel W. schrieb mir:
"Ich lese seit einigen Jahren Ihren Trader´s Daily. (Anmerkung M.V: So sei es und möge es bleiben.) Trotzdem ich als Sparkässler quasi vom Fach bin, finde ich Ihre Beiträge stets interessant und informativ. So auch den (...) zum Thema Biodiesel aus Jatropha. Ich
würde mich freuen, darüber etwas in einem der nächsten LOHAS zu lesen, bin Testleser und finde das Ganze schon ziemlich gut. (...) Bei einigen Recherchen zu Jatropha im Internet habe ich allerdings so ziemlich alle Meinungen von wächst überall fast ohne Wasser bis zu bringt nur lohnende Erträge bei ausreichender Bewässerung gefunden. Da ich Ihre Meinung sehr schätze, ist es Ihnen als nunmehr Insider möglich, eine halbwegs verlässliche Aussage zu treffen ob für die Menschen vor Ort tatsächlich der Anbau auch in größem Maßstab lohnt oder wieder nur Anbau zu Lasten anderer Produkte erfolgt? Kann ein Unternehmen wirtschaftlichen Erfolg mit Jatropha erzielen, ohne kostbaren Boden zu vereinnahmen?"
Meine Antwort:
Wage zu behaupten, dass ich mich nach intensiver Recherche (theoretisch und praktisch) nun mit der Jatropha-Nuss etwas auskenne.
Die Sache ist diese: Natürlich wächst die Jatropha Pflanze auf fruchtbarem Boden besser als auf Wüstensand! Natürlich gibt es da höhere Erträge. Natürlich kann es auch dann zum Verdrängen von Nahrungsmittelpflanzen und dem Anlegen von Jatropha-Monokulturen kommen. Keine Frage.
Es ist aber so, dass Jatropha in erster Linie von der Sonne abhängig ist. Feuchter Boden ist sogar kontraproduktiv. Viel Sonnenschein, das ist es, was die Pflanze braucht. Fruchtbarer Boden fördert den Etrag, klar.
Der besondere Reiz kommt aber daher, dass die Pflanze eben in Gebieten wachsen kann, in denen sie NICHT in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht.
Und genau deshalb prüfe ich gerade den Ansatz, Anbau in trockenen Gebieten Namibias und Malawis. Da, wo sonst noch nichts angebaut wird.
Ist das wirtschaftlich möglich?
Dabei spielen natürlich mehrere Faktoren eine Rolle. Zum Beispiel der Verkaufspreis für den gewonnenen Diesel. Dieser Faktor ist nicht beeinflussbar.
Was aber beeinflussbar ist: Die Lohnkosten.
Und hier heißt es „kommt darauf an". Fakt ist: Die Jatropha-Nüsse reifen nicht alle gleichzeitig. Die Pflanzen tragen zwar ordentlich, aber eben nicht zur gleichen Zeit. Deshalb sind Pflücker notwendig, die alle paar Tage die Plantagen durchgehen und die reifen Nüsse (höchster Ölgehalt!) per Hand abpflücken.
Das ist natürlich arbeitsintensiv. Doch wenn Sie mich fragen: Gerade das gefällt mir, wenn es um Anbau in Namibia oder Malawi geht!
Denn es geht mir um Gebiete mit schlechten Böden. Gebiete, in denen ohnehin Armut herrscht. Da ist es doch umso besser, wenn Arbeitsplätze geschaffen werden, mit ehrlicher Arbeit. Und die Lohnkosten sind immer noch verdammt niedrig. Auf den Philippinen habe ich mitbekommen, dass es für einen Tag Nüsse ernten 3 Dollar gibt. In Malawi könnte es noch weniger sein.
Und die Leute sind froh. Sie haben Arbeit, sie bauen Pflanzen an auf Böden, wo sonst nichts wirtschaftlich angebaut würde. Sie produzieren ein Produkt, welches Erdölprodukte ersetzen kann. Und es wird auch nur soviel CO2 emittiert, wie die Pflanze vorher gebunden hat. Mein Eindruck in Südostasien war, dass die örtlichen Bauern die Jatropha-Pflanze sehr willkommen heißen.
Dies meine Gedanken zu der Thematik. Ich bleibe am Thema dran.
Wenn Sie mir schreiben möchten, dann am besten via Email an info@investor-verlag.de
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von KGBull (23.08. 2010 14:04 Uhr):
Neben dem Aspekt der wachsenden Perspektive für die Landbevölkerung durch Pflückarbeit ist auch die Tatsache hervorzuheben, dass Ölpressen für Jatropha sehr einfach zu bauen sind und auch ggf. manuell betätigt werden können, also für kleine Agrarbetriebe (Familien-) einen guten Erlös erwirtschaften lassen. Der beim Pressen übrig bleibende Ölkuchen ist hervorragender Dünger, der wieder in die Plantage eingearbeitet werden kann und damit Sekundär-Bewirtschaftung mit anspruchsvolleren Nutzpflanzen erlaubt. Jatropha hat also Pionierfunktion (auch weil die tiefwurzelnden Pflanzen die Bodenstruktur verbessert. Wenn das dann alles in der Form einer - auch bei uns üblichen - Genossenschaft aufgezogen wird, können auch andere soziale Strukturen mit aufgebaut werden. darum halte ich Jatropha für einen Segen für bislanf benachteiligte semi-aride Landstriche.
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