Japans Intervention im Devisenmarkt

in Rohstoff Daily zum Thema Devisen
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Die japanische Notenbank hat im Moment wohl alle Hände voll zu tun - stemmt sie sich doch gegen eine weitere Aufwertung ihrer Landeswährung. Die Frage ist, wie nachhaltig die Auswirkungen dieses Eingreifens sein werden...

Japan interveniert im Devisenmarkt

Zum ersten Mal seit März 2004 hat die Bank of Japan wieder im Devisenmarkt interveniert, nachdem USD/JPY zuvor ein 15-Jahres-Tief bei 82,87 erreicht hatte. Das bedeutet, dass die Notenbank auf Geheiß des japanischen Finanzministeriums massiv ihre eigene Währung gegen Fremdwährungen verkauft hat. Man munkelt momentan von Volumen in Höhe von 200 bis 300 Milliarden Yen, welche die Zentralbank bislang aufgeboten hat. Und die Intervention scheint noch nicht vorüber zu sein. Offenbar hat die Bank of Japan auch bis in die US-Handelsstunden hinein den Kurs verteidigt und könnte ihr Vorgehen auch bis kommenden Handel mit Eröffnung der Börsen in Tokio fortsetzen.


So sieht im Übrigen solch eine Intervention aus:

USD/JPY (30 Minuten)

Quelle: CFX-Trader

EUR/JPY (30 Minuten)

Quelle: CFX-Trader

Tja ja, die Bank of Japan hat den USD/JPY-Kurs glattweg mal über 85 auf 85,76 in der Spitze und den EUR/JPY-Kurs auf über 111 mit 111,58 in der Spitze gejagt.

Wie nachhaltig ist solch ein Vorgehen?

Tja, Japans letzte Erfahrungen mit Devisenmarkt-Interventionen liegen nun schon 6 Jahre zurück. Zwischen 2003 und 2004 gab die Notenbank rund 35 Billionen JPY für dieses Vorgehen aus. Trotzdem sank USD/JPY während dieser gesamten Interventionsphase um rund 10%.

Doch wir müssen ja noch nicht einmal so weit zurück gehen, wo doch die Schweizer Nationalbank in diesem Jahr schon eine ähnliche Vorstellung geliefert hat. Auch die SNB intervenierte einen ganzen Monat lang und hielt den EUR/CHF-Kurs in einer Seitwärtsbewegung gefangen. Schließlich gab sie es auf, der Schweizer Franken stieg weiter (oder den Euro rauschte in den Keller - wie man das auch immer sehen will) und die SNB musste Verluste einstecken. Allerdings war es der SNB wohl nicht so sehr daran gelegen eine bestimmte Kursmarke zu verteidigen, sondern der Schweizer Exportwirtschaft etwas Stabilität zu geben. Mittlerweile hat die SNB ihr Interesse am Intervenieren verloren, denn die Schweizer Wirtschaft entwickelt sich dynamisch. (obwohl EUR/CHF erst kürzlich ein neues Rekordtief erreicht hat)

Der Kampf gegen den Markt...

Nun sollte man meinen die Bank of Japan (oder besser gesagt das bestimmende Finanzministerium) müsste doch aus der eigenen und der jüngsten Schweizer Geschichte gelernt haben, dass eine einzelne Notenbank auf lange Sicht den Kampf gegen den Markt nicht gewinnen kann. Die Frage ist aber, was die BoJ tatsächlich bezweckt?! Glaubt man Regierungssprecher Sengoku, dann ist dem japanischen Finanzministerium daran gelegen im USD/JPY die Marke bei 82 auf Brechen und Biegen zu verteidigen. Was bedeutet, dass um diese Marke herum mittelfristig interessante Bewegungen zu beobachten sein werden. Aber geht es der BoJ tatsächlich um ein einzelnes Kurslevel?! Oder vielmehr darum, ein wenig die Volatilität aus dem Markt zu nehmen?! Man wird sehen...

Der springende Punkt jedoch ist, dass sobald sich die Notenbank zurückzieht, der Markt das Spiel über kurz oder lang wieder aufnehmen und die Schmerzgrenze der Notenbank austesten wird. Auf lange Sicht kann die Notenbank also nicht gewinnen.

Auf ganz kurze Sicht aber eigentlich auch nicht, denn (obschon sich die japanische Exportwirtschaft heute freut) so schnell ergibt sich keine unterstützende Auswirkung auf die Wirtschaft. Es sei denn, die Notenbank plant, ähnlich wie die SNB, das Kurslevel bei über 85 im USD/JPY und über 110 im EUR/JPY über einen gewissen Zeitraum hinweg aufrecht zu erhalten. Das allerdings kostet, denn im Yen-Handel fließen sehr hohe Volumina.

Allerdings hat die BoJ einen entscheidenden Vorteil gegenüber den SNB: sie muss sich so schnell keine Sorgen bezüglich einer steigenden Inflation machen. Im Gegenteil: seit 2 Jahrzehnten schon steckt das Land in einer anhaltenden Deflation fest. Was könnte den Japanern also besser gelegen kommen, als Yen zu drucken und dafür US-Dollars und Euros einzukaufen?! Allein....wenn es so einfach ist, warum dann nicht schon früher?!

...kann alleine nicht gewonnen werden

An sich wird es nicht so gern gesehen, wenn ein Land seine eigene Währung schwächt. Schließlich verteuert sich damit die Fremdwährung und damit auch die Exporte aus dem Fremdwährungsland. Auch wenn sich die USA aktuell mit giftigen Kommentaren zurückhalten (schließlich kann niemand behaupten die Japaner würden ihre Währung künstlich niedrig halten oder der JPY sei gar unterbewertet), an einer konzertierten Aktion gemeinsam mit den Japanern hat wohl keine andere Notenbank ein Interesse. Diese wäre aber notwendig um nachhaltig Einfluss auf den Markt auszuüben. Doch, wie gesagt, an einer konzertierten Aktion sind andere Notenbanken meist nur interessiert, wenn es darum geht eine Währung aufzuwerten, wie anno dazumal beim Euro. Nichts desto trotz, (auch wenn das im Moment in wirklich, ja wirklich sehr weiter Ferne liegt) sollten die Japaner ihr Spiel zu weit treiben, dürften die anderen gar nicht so amused sein.

von
Miriam Kraus
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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