Japankatastrophe
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 17. März 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
die Ereignisse überschlagen sich in diesen Tagen. Die Lage im japanischen Atomkraftwerk Fukushima dürfte trotz aller Beteuerungen der dortigen Behörden endgültig außer Kontrolle geraten sein. Wenn selbst im entfernten Tokio deutlich erhöhte Strahlenwerte gemessen werden und im Trinkwasser Zäsium nachweisbar ist, dann haben wir es nicht mehr mit einer örtlich begrenzten Havarie zu tun. Über die Evakuierung ganzer Landstriche oder Millionenstädte braucht man gar nicht erst nachzudenken - es ist schlichtweg unmöglich.
Taucht bei mir nur noch die Frage auf, warum ein Land, das seit Jahrtausenden mit Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüchen gelernt hat zu leben, bei seiner Energieversorgung fast ausschließlich auf Atomenergie setzt. Das Land verfügt über 50 Atomkraftwerke - viele davon in Meeresnähe. Mag sein, dass die Technikgläubigkeit der Japaner dazu geführt hat, dass sie geglaubt haben, auch Naturkatastrophen beherrschen zu können. Kein Gebäude lässt sich vollständig naturkatastrophensicher bauen. Das rächt sich nun. Aber es trifft wie immer meist die Falschen.
Die Auswirkungen sind größer, als ich noch vor wenigen Tagen angenommen habe. Der Vergleich der jetzigen Ereignisse mit dem Erdbeben, dass 1995 die japanische Millionenstadt Kobe verwüstete, hinkt inzwischen gewaltig. Damals hatten wir keinen Supergau. Allein die Reaktion der japanischen Börsen ist um ein Vielfaches schärfer. Aber das Erstaunliche ist die heftige Reaktion der anderen wichtigen Weltbörsen auf dieses Ereignis, die zeigt, dass wir es wohl mit keinem vorübergehend beherrschbaren und überwiegend japanischen Problem zu tun haben. Der Markt hat immer Recht, auch wenn er möglicherweise kurzfristig manchmal übertreibt. Ich vermag nicht zu sagen, ob er jetzt übertreibt. Das kann zur Stunde Niemand, da Prognosen über die Folgen der japanischen Katastrophe schlichtweg unmöglich sind.
Ich weiß nur eines: die charttechnischen Schäden, die wir derzeit in den meisten Indizes sehen, werden den Bullenmarkt bei Aktien und Rohstoffen zumindest für eine geraume Zeit beenden, wenn die Verkäufe auf diesem Niveau weitergehen. Ich werde Ihnen dazu einige Charts in den nächsten Ausgaben zeigen. Mich bringt diese Veränderung der Situation als Trader glücklicherweise nicht ins Schwitzen, da wir unsere Schäfchen im Musterdepot in meinem Börsendienst DAX Profits rechtzeitig ins Trockene gebracht haben, als sich charttechnisches Unheil ankündigte. Aber als arbeitender und denkender Mensch bin ich sehr beunruhigt über die aktuelle Entwicklung, die in ihrer Tragweite für die gesamte Welt noch immer nicht absehbar ist.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Manfred Tischler (17.03. 2011 10:54 Uhr):
Sg.Hr. Voigt, das Setzen auf Atomkraft ist mir nicht nur bei den Japanern unverständlich. Sie beginnen jetzt erst - und das noch zaghaft - mit Solar (-energie). Dass die Windenergie dort nicht zum Zug kommt, ist in den Taifunregionen nur verständlich. Was ich aber wirklich nicht verstehe: Die brauchen doch gar nicht tief zu bohren, um auf heisse Zonen zu stoßen. Japan sitzt nun einmal sprichwörtlich "auf dem Vulkan"!!! Neben Island, der Halbinsel Kamtschatka (...) bietet Japan die besten Voraussetzungen für die Nutzung der Geothermie! Oder liege ich falsch? Wenn ja, warum? Beste Grüße und Danke für Ihre immer lesenswerten Beiträge! M.T.
Antworten - Kommentar von g S (17.03. 2011 11:52 Uhr):
Warum Japan so auf Atom setzt? Ganz einfach: weil es in Japan kaum eine andere Möglichkeit gibt genügend Strom zu erzeugen. Fossile Energieträger sind meines Wissens gar nicht oder kaum vorhanden und müssten importiert werden. Erneuerbare Energien bis auf Solarenergie (Windkraft, Gezeitenkraftwerk) sind zur Zeit sehr kostenaufwändig und zum Teil nur schwer zu realisieren. Bliebe nur noch Solarenergie. Und aus Solarenergie den Energiebedarf einer großen Volkswirtschaft zu decken ist zum jetzigen Zeitpunkt so gut wie unmöglich.
Antworten - Kommentar von Heinz Stiller (17.03. 2011 13:43 Uhr):
Crash voraus...?? Jetzt braucht man wirklich keine prallgefüllten Depots. Zwei kleine, von der Summe her verschmerzbare Positionen in Warrants - Calls UND Puts (am besten Capped Warrants) - tun es jetzt auch. Wenn der Richtungsentscheid im Dax kommt, überkompensiert die "richtige" Position die falsche.
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