"Japanisches Szenario" für die USA?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 16. Mai 2003 18:00 Uhr
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Vor 4 Jahren schien es in Amerika so, als ob das Internet jeden reich machen würde ... und man lächelte mitleidig über die armen Japaner, die sich noch immer in ihrer Wirtschaftskrise befanden und es einfach nicht schafften, da herauszukommen.
Jetzt weiß in den USA jeder, dass man Rezession und Deflation durch das Inflationieren der Währung vermeiden kann ... und die Japaner haben auch das nicht erkannt, sie scheinen einfach den "ON"-Schalter auf der Geldschein-Druckerpresse nicht zu finden!
Die Japaner hatten zuerst eine riesige Spekulationsblase am Aktienmarkt ... die auch im Rest der Volkswirtschaft zu ein paar Fehlallokationen führte. Das galt auch für die USA ...
Die Japaner hatten dann einen Bärenmarkt am Aktienmarkt ... und es folgte eine lange Phase von mehreren kleinen Rezessionen. Bis jetzt scheinen die Amerikaner dasselbe Skript gelesen zu haben.
Trotz großer Anstrengungen der japanischen Zentralbank und der japanischen Regierung begannen die Japaner Schritt für Schritt zu denken, dass sich die Dinge nicht mehr schnell verbessern würden, weshalb sie begannen, noch mehr zu sparen, nur für alle Fälle. Diese Leute bemerkten auch, dass die Preise nicht mehr stiegen ... im Gegenteil, sie fielen häufig sogar leicht. Also, wenn sie sich etwas kaufen wollten, dann warteten sie einfach ab; sie würden das gleiche Gut später auch billiger bekommen.
Wird das auch in den USA passieren?
Auf keinen Fall, sagen die Investoren, wir haben Alan Greenspan.
Das kann nicht passieren, sagen die Volkswirte, wir haben Milton Friedman.
Es wird nicht passieren, sagen die amerikanischen Zentralbanker, wir haben die Druckerpresse.
Eisuke Sakakibara sagt: "Ach wirklich?"
Gegen alle Wahrscheinlichkeit und gegen die Vernunft sind die Anleihenkurse in den USA weiter gestiegen. Die Investoren kauften die Anleihen, obwohl deren Rendite so niedrig wie nie seit den 1950ern ist. Wenige Ökonomen können das erklären. Denn sie rechnen damit, dass die Fed die Druckerpresse anwerfen wird, um die Inflation anzukurbeln, damit das "japanische Szenario" abgewendet werden kann. Diese Ökonomen sagen, dass das der richtige Weg ist ... und Fed-Gouverneur Ben Bernanke sagt, dass die Fed das tun kann ... und die Ausländer haben Dollar verkauft, in der Erwartung, dass dies auch getan werden wird ... deshalb sollten die US-Anleihenkurse eigentlich fallen, nicht steigen. Wer will eine langfristige Anleihe besitzen, wenn die Währung, in der diese Anleihe notiert, von den Leuten, die sie eigentlich beschützen sollten, zerstört werden soll?
Nur Eisuke Sakakibara scheint eine Ahnung zu haben, von dem, was gerade passiert. Er erklärte Anfang der Woche in der Financial Times, dass die Anleihenkurse in den USA natürlich steigen würden; denn die Fed tue genau das, was die japanische Zentralbank getan habe – sie drückte das Zinsniveau nach unten. Da die US-Fed das gleiche wie die japanische Zentralbank 10 Jahre früher getan hat – ist es da ein Wunder, dass sie dasselbe Ergebnis erhalten wird?
Nichts ist immer exakt dasselbe was es war. Niedrigere Zinsen haben in den US eine Spekulationsblase am Anleihenmarkt hervorgerufen ... und eine Spekulationsblase am Hypothekenmarkt. Die Hypothekenzinsen stehen in den USA auf einem Rekordtief von 5,27 %, und die Refinanzierungs-Aktivität ist um 20 % gestiegen, von bereits hohem Niveau. Die Immobilienpreisen steigen laut MSNBC weiter ... und der Median der Hauspreise im Bezirk Los Angeles ist über 300.000 Dollar gestiegen.
Die chinesische Volkswirtschaft wächst angeblich mit phänomenalen 8,9 % pro Jahr. Das ist laut Sakakibara ein großer struktureller Grund, warum die Preise fallen. China kann fast alles billiger herstellen als die USA, Europa oder Japan. Und da die Chinesen ihre Währung an den Dollar gebunden haben ... beeinträchtigt ein fallender Dollar auch nicht ihre Verkäufe in die USA. Und der fallende Dollar hilft ihnen sogar, ihre Exporte in andere Teile der Welt auszubauen.
Während China durch den fallenden Dollar einen Wettbewerbsvorteil erhält, hat Amerika den Nachteil einer fallenden Währung zu einem Zeitpunkt, wo es dringend Kapitalimporte braucht. Japan hatte diese Probleme nie. Japan konnte eine Periode moderater Deflation mit begrenztem Schaden überleben. Japan musste nie den Yen zerstören, obwohl es zeitweise versucht wurde.
Wie das alles ausgehen wird – ich weiß es nicht. Aber vielleicht wird sich herausstellen, dass die Japaner doch keine Dummköpfe sind.