Japan, Yen, Stuttgart
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 21. März 2011, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Thema Japan....
...da vermeldete doch tatsächlich bei einem Nachrichten-Sender ein Moderator sinngemäß, dass es „auch Gutes" aus Japan zu vermelden gebe.
Was war dieses „Gute"?
Die Tatsache, dass der „Höhenflug" des japanischen Yen gestoppt wurde.
Wow. Da war man baff. Tsunami, Erdbeben, Drohende Kernschmelze, zig Tausende Tote.
Aber dann dieses „Gute". Wie erleichtert wir da doch alle waren, dass der Yen nicht steigt.
Ganz abgesehen davon, dass ich rein monetäre Ereignisse keineswegs annähernd hoch bewerte wie „reale" - mit Auswirkungen auf Leib und Leben...
...ist eine steigende eigene Währung wirklich so schlimm?
Die Bundesrepublik Deutschland fuhr damit jahrzehntelang sehr gut. Die Deutsche Mark war bekanntlich im Vergleich zu den anderen eine starke Währung. Auch da gab es also „Höhenflüge". Und auch da hieß es dann des Öfteren, eine starke Währung ist schädlich, da besonders die Exportindustrie darunter leidet.
Doch warum lese/höre ich so selten etwas von den Vorzügen einer starken Währung? Auch jetzt im Fall Japans wird ein steigender Yen fast durchweg als negativ für die japanische Wirtschaft bezeichnet.
Ich bin mir da nicht so sicher.
Denn was bedeutet ein steigender Yen? Einerseits in der Tat ein gewisses Hemmnis für die japanischen Exporte. Doch andererseits ist er ein großer Vorteil bei den Importen!
Und nach einer Katastrophe importiert eine Volkswirtschaft doch verstärkt Güter für den Wiederaufbau. Und denken wir an die Energiekosten: Atomkraftwerke, welche einst Strom lieferten, ziehen nun selber Strom. Japan ist verstärkt auf Energie-Alternativen angewiesen. Kurzfristige erhöhte Importe...zahlbar meist in US-Dollar. Und diese Rechnung wird kleiner, wenn der japanische Yen höher notiert.
Das gilt es doch auch zu berücksichtigen....und abzuwägen, bevor vorschnell eine „gute Nachricht aus Japan" verkündet wird...(gute Nachricht, die Währung fällt, tsts...).
*** Da liegt sie also hinter uns, die „INVEST 2011" in Stuttgart.
Keine besonderen Vorkommnisse, so meine Einschätzung. Allgemeine Stimmungslage weder besonders bullish noch besonders bearish. Auch „Hostessen-Indikator" und „vergoldete-Schuhe-Indikator" lieferten keine subjektiven Extremwerte.
Ein, zwei Unternehmen fielen mir positiv auf, werde nun noch etwas zu denen recherchieren.
Wahre Freude hingegen Gespräche mit Mitgliedern der Trader´s Daily-Gemeinde. Es waren einige von Ihnen vor Ort und sprachen mich freundlich an - Recht so! Es entwickelten sich interessante Gespräche (fand Ihr Autor)...mit einer in Wales lebenden Devisen-Traderin, einem an Rohstoffen interessierten Basler, einem Jatropha-Interessierten...
Danke für die guten Gespräche!
Ihnen eine erfolgreiche Woche. Und, bevor ich es vergesse: Noch der Hinweis auf die heutige Tag-und-Nacht-Gleiche. Zur nächsten sind es damit 6 Monate...und heute beginnt somit der Frühling. Unsere persischen Freunde feiern heute konsequent den Nouruz-Tag. In der Antike begann in der persischen Hochkultur an diesem Tag das neue Jahr. „Frohes neues", wünsche ich da unseren persischen Vettern konsequent!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily