Japan wird langsam interessant!
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 06. Dezember 2004 12:00 Uhr
ENL5462
Wie üblich sehe ich mir jeden Morgen zunächst einmal an, was die asiatischen Märkte gemacht haben. Heute Morgen ist mir Tokio aufgefallen: Denn der Nikkei lag gegen 7:30 Uhr mit rund 100 Punkten im Minus, bei 10.970 Punkten. Damit rückt hier meine Kaufzielzone von 10.600/10.675 Punkten näher.
Im Gegensatz zu meinem Kollegen Christoph Amberger finde ich Japan durchaus interessant.
Ok, Japan hat eine 13 Jahre lange Stagnation hinter sich (die Anfang 1990 begann). Dennoch würde ich lieber auf den japanischen als auf den amerikanischen Aktienmarkt setzen (alleine schon wegen der Tatsache, dass ich dem Yen bessere Chancen als dem Dollar gebe). Im Gegensatz zu den USA hatte Japan nämlich auch in diesen letzten 13 Jahren handfeste Vorteile:
- Japan erzielte immer einen Handelsbilanzüberschuss.
- Der japanische Staat türmte zwar riesige Schulden auf, aber diese konnten komplett durch die heimische Ersparnis finanziert werden.
- Die japanischen Konsumenten machten das "Schuldenmachen und Konsumieren"-Spiel nicht mit. Im Gegenteil: Sie stellten Käufe zurück, in der Hoffnung, dank sinkender Preise später günstiger kaufen zu können.
Seit einigen Monaten ist es zu einer sehr günstigen Entwicklung gekommen: Die persönlichen verfügbaren Einkommen der Japaner sind etwas gestiegen, und diese Erhöhung wurde jetzt fast vollständig in den Konsum gesteckt. Das führte bei den Unternehmen zu einer besseren Kapazitätsauslastung, es wurden neue Arbeiter eingestellt – und damit steigt bei noch mehr Japanern das persönliche Einkommen. Dadurch erhöhen sich die Konsumausgaben weiter, die Unternehmen investieren wieder ... und so weiter.
Sie sehen: Hier könnte es zu einem selbst tragenden Aufschwung kommen! Das ist es, was ich eine gesunde Entwicklung nenne, denn ein solcher Aufschwung kommt auch ohne künstliche Stimulierung durch massive staatliche Ausgaben und niedrige Zinsen zustande.
Nehmen wir zum Vergleich die USA: Da sind die Konsumenten schon jetzt hoch verschuldet, und sie sollen sich laut herrschender Analystenmeinung noch weiter verschulden. Auf diese Weise sollen sie ihren Konsum steigern – das wird als Allheilmittel für die gesamte Weltwirtschaft gesehen. Ich habe da so meine Zweifel!
Viel gesünder ist es, wenn die Konsumausgaben wieder steigen – und mit steigenden Einkommen (und nicht Schulden) finanziert werden können! Solche Entwicklungen sieht man oft nach einer längeren Stagnation bzw. leichtem Abschwung, wenn die Konsumnachfrage zurückgestellt wurde und dafür mehr gespart wurde. Wie eben in Japan.
Mein Fazit: Wenn der Nikkei in den Bereich 10.600/10.675 Punkte fallen sollte, dann würde ich das zum Kauf eines Nikkei Bonus-Zertifikats nutzen. Am besten eines Scheins mit schönem Risikopuffer und Bonuschance von 30-50 %. Wie üblich empfehle ich, lieber den Gesamtmarkt als Einzeltitel zu kaufen.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Michael Vaupel
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