Japan: Regierung verstärkt Druck auf Notenbank; EURJPY über 107
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 27. August 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Während EUR/USD sich vorerst abwartend (auf Bernankes Rede heute Nachmittag) über 1,27 hält, werfen wir heute einen Blick nach Japan. Dort hat die Regierung den Druck auf die Notenbank verstärkt. Doch steigt dadurch wirklich das Risiko einer Intervention?
Japans Regierung heizt Spekulationen auf Intervention an
Japan hat keine Freude am starken Yen, der eine Belastung für die japanische Exportwirtschaft ist. Doch, weder extrem niedrige Zinssätze noch eine lockere Geldpolitik haben es bislang vermocht, die Aufwertung der japanischen Währung abzuschwächen.
Stattdessen spielt die japanische Regierung schon seit längerem immer wieder mit verbalen Interventionen herum, so wie auch jetzt! Premierminister Kan sagte heute, Japan sei willens, mutige Aktionen im Devisenmarkt vorzunehmen. Damit erhöht die Regierung zwar den Druck auf die Notenbank zur Tat zu schreiten, doch die Frage ist, ob die Bank of Japan tatsächlich überhaupt zum Mittel der Intervention greift.
Bislang ist die Rhetorik der Regierung nicht wirklich von Erfolg gekrönt, betrachtet man die stete JPY-Aufwertung. Auswirkungen ergeben sich meist nur kurzfristig, wie auch jetzt! EUR/JPY ist vom Tief am Dienstag bei 105,41 bis auf 107,99 in der Spitze am Donnerstag gestiegen. Aktuell hält sich das Währungspaar zwar noch immer über 107,50, doch die Dynamik scheint schon wieder nachzulassen.
Druck auf Notenbank
Japan würde lieber heute als morgen seine Währung abschwächen. Das Problem ist, dass eine konzertierte Aktion mehrerer Notenbanken sehr unwahrscheinlich ist. Denn weder die Europäer, noch die USA haben ein Problem mit dem starken Yen. Ganz im Gegenteil! Doch selbst, wenn sich die EZB bereit erklären würde, gemeinsam mit den Japanern zu intervenieren...allein es bringt nicht viel. Denn das größere Problem für die Japaner ist der USD/JPY-Wechselkurs. Die Amerikaner allerdings haben ebenfalls ein Interesse an der Abschwächung der eigenen Währung und werden dementsprechend kein Interesse an einer Abwertung des JPY gegenüber dem USD haben, oder anders gesagt an einer Aufwertung des USD gegenüber dem JPY. Somit stünde die Bank of Japan bei einer Intervention ganz alleine da - und solch ein Vorgehen ist (wie schon das Beispiel der SNB zeigt) nur kurz von Erfolg gekrönt. Dementsprechend ist es wohl wahrscheinlicher, dass die japanische Regierung viel eher darauf setzt, dass die Bank of Japan ihre Geldpolitik weiter lockert. Denn an der Zinsschraube lässt sich, angesichts der sowieso schon extrem niedrigen Zinssätze, auch nicht mehr drehen...
EUR/JPY notiert aktuell bei 107,63. Unterstützung ergibt sich kurzfristig bei 107,30. Sollte der Effekt der verbalen Intervention der japanischen Regierung langsam wieder auslaufen, ohne dass konkrete Maßnahmen ergriffen werden, könnte sich erneut weiterer Druck aufbauen. Sollte schließlich die auch die 105 nach unten durchbrochen werden, dann baut sich mittelfristig weiterer Druck auf bis in Richtung des Tiefs vom Juni 2001 bei 99,87. Erst eine Überschreitung der 112 und hernach der 113 kehrt das übergeordnete Bild wieder um.
Quelle: CFX-Trader
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