Japan, Hongkong, Singapur...

in Traders Daily
vom


Trader´s Daily-Leser Gerhard S. schrieb mir:

"Als langjähriger Leser Ihres Trader´s Daily (M.V.: Recht so!) habe ich kürzlich bei Freunden, mit denen ich gemeinsam investiere, Ihr Motto ´Märkte statt Einzeltitel´ vorgestellt. Da ging es aber los: die Vorschläge überschlugen sich. Nach einiger Diskussion blieben drei Börsen, bzw. ihre Leitindices übrig: Japan, Hongkong und Singapur. Welchem Markt trauen Sie am meisten zu? Auch wenn Singapur selbst boomt, sind mir persönlich zu viele financials im Straits Times Index. Der Nikkei wohl mit Potential, aber mir zur Zeit noch zu wackelig. Einzig der Hangseng scheint sich wacker zu schlagen. So dass ich davon ein Zertifikat bevorzugen würde. Wie sehen Sie die Sache?"



Meine Antwort:

Genau, Märkte statt Einzeltitel. Kurze Erinnerung - das bedeutet: Wenn ich einen Markt interessant finde - zum Beispiel Singapur -, dann setze ich nach Möglichkeit auf den gesamten Markt, und nicht auf einen Einzeltitel. Rate ich auch Ihnen. Beispiel Rohstoffe wie Silber. Wenn ich nach ausführlicher Analyse davon überzeugt bin, dass der Silberpreis steigen wird - dann höre ich da auf und kaufe eben Silber. Wenn ich es gehebelt mag, dann eben einen Silber-Turbo. Warum sollte ich mich dann noch auf die Suche nach z.B. einer Explorer-Aktie machen und mir damit ein zusätzliches Einzeltitel-Risiko ins Depot nehmen? Kriminelles Management, gefälschte Bilanzen, alles schon da gewesen.

Nun also Japan, Hongkong oder Singapur.

Die Börse Singapur gefällt mir! Leitindex dort ist der "Strait Times Index", welcher sich wie der DAX aus 30 Unternehmen zusammensetzt. Der Leser hat insofern Recht, als im Index mit der United Overseas Bank, der DBS Bank und mit Oversea-Chinese Banking drei Banken im Index enthalten sind, mit knapp 27% Gewichtung. Das ist nicht wenig. So schlecht kann es denen aber offensichtlich gar nicht gehen - denn sie schütten ordentliche Dividenden zwischen 3,3% und 4% aus.

Das gefällt mir ohnehin beim Strait Times Index recht gut. Von 30 enthaltenen Aktien schütten 28 Dividenden aus. Der Index wird nicht um Dividendenzahlungen bereinigt - die hohe Zahl der Dividenden ausschüttenden Aktien ist meiner Ansicht nach durchaus ein Zeichen für "Value", sprich Werthaltigkeit.

Seit Monaten bewegt sich der Index in einer relativ engen Trading-Range, von rund 2.900 bis 3.050 Punkten. Wäre im ersten Quartal sinnvoll gewesen, immer bei der unteren Begrenzung zu kaufen, und oben zu verkaufen. Aufpassen musste man nur, dass es weder oben noch unten einen "Break" gab. Und aktuell?

Steht der Index bei knapp 2.900 Punkten, genauer gesagt (schnell mal nachschauen) 2.884.

Aktuelle Einschätzung: Das ist so ziemlich genau die untere Begrenzung der Trading-Range. Risiko: Die ist gerade leicht nach unten durchbrochen worden. Dann höllisch aufpassen, denn ein Fall in den Bereich 2.800/2.700 ist dann wahrscheinlich! Chance: Ist noch kein signifikanter Bruch der Trading-Range. Dann einsteigen und bis 3.050 laufen lassen, dann Gewinne mitnehmen.

Letzteres ist eine schöne Möglichkeit, wenn Sie mit einem engen Stopp arbeiten (für den Fall, dass die Trading-Range jetzt nicht hält und nach unten verlassen wird). Oder noch den morgigen Handelstag abwarten. Bestätigt sich da der Fall unter die 2.900 Punkte, sprich es geht weiter bergab - dann Finger weg (oder einen kurzen Short-Trade). Klettert der Index zurück über die 2.900 und ist damit wieder eindeutig in der Trading-Range, dann long gehen.

Was noch? Achja, der Nikkei. Finde ich nicht besonders interessant. Alternde Gesellschaft, schrumpfende Bevölkerung, hohe Staatsverschuldung....

...nein, ich meine nicht Deutschland, sondern Japan. Und seit gut zwei Jahrzehnten nach wie vor mehr oder weniger wirtschaftliche Stagnation. Auf sehr hohem Niveau, nicht zu vergessen! Wachstums-Geschichten sehen aber anders aus.

Hongkong hingegen ist ein Thema für sich. Da denkt natürlich jeder sofort an den Hangseng Index, doch mir gefallen die H-Aktien viel besser, gemessen am HSCEI-Index (Hang Seng China Enterprises Index). Wenn Sie solche Märkte abdecken möchten, dann rate ich zu Instrumenten wie Bonus-Zertifikaten. Da sind sie grundsätzlich 1:1 bei den Gewinnen mit dabei, nach unten greift ein gewisser Risikopuffer und es gibt in Seitwärtsbewegungen sogar eine bestimmte Seitwärtsrendite.

Versandtermin naht! Bis Freitag dann (wegen Feiertags morgen).

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur Trader´s Daily


von
Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.

Information zu alt? Chance verpasst? Geld verschenkt?
Der Börsenbrief von Michael Vaupel: "Der Rohstoff Performer"


Artikel bewerten
Durschnittliche Wertung:
0 Sterne
Wertungen:
0 insgesamt
Artikel weiterempfehlen
Kommentar abgeben

* = Pflichtfeld, bitte unbedingt ausfüllen

Kommentare Kommentar abgeben

Kommentar von Zingelmann

Sehr geehrter Herr Vaupel, verstehe Ihren Kommentar zum STI nicht so ganz. Seit Monaten zwischen 2900 und 3050 und immer unten einsteigen und oben raus. Also bei Comdirekt sieht die Grafik des STI so aus, daß 1x Anfang Feb die 2900 durchbrochen wurden und einmal 1.Märzwoche es bei 2913 war. Wie kommen Sie dann drauf , daß man da dauernd hin und herswitcht. Wenn überhaupt dann höchstens 2x. Jetzt bricht er grad nach unten durch. Freundliche Grüße Zingelmann

Antworten