Japan: Ethik und Börse
Tom Firley in Investors Daily
vom 14. März 2011, 18:00 Uhr
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über die Fakten in Japan muss ich nicht berichten. Dies können andere Nachrichten-Agenturen im Internet, Radio und in den Fernsehsendern schneller und dank Film-Beiträgen anschaulicher (dafür sind sie ja auch da).
Angesichts dieser Katastrophe fällt es mir schwer, einfach so über Charttechnik und die Auswirkungen zu berichten. Dank meines Jobs halte ich natürlich Augen und Ohren im Internet offen. Und manchmal - zum Glück sehr selten - löst die Zunft, der ich als schreibender Mensch nun mal angehöre, bei mir sich sträubende Nackenhaare aus. Und auch Werbetexter gehören nun mal zu den schreibenden Menschen.
Muss man denn aus allem Kapital schlagen? Was meinen Sie, wie viele Marketing-Menschen gerade fieberhaft daran arbeiten, sich die knackigsten und effizientesten Überschriften einfallen lassen, um in google möglichst schnell gefunden zu werden? Oder wie viele neue Internetseiten es auf einmal gibt, die das Wort Japan in der Internetadresse haben? Aus Gründen der Pietät verzichte ich auf Beispiele.
Aber so ist da nun mal. Gerade an der Börse, wo schlussendlich nur nach dem eigenen Vorteil Ausschau gehalten wird. So ist eben der Weg des Geldes und vor allem der Weg des schnellen Geldes. Schauen wir kurz auf das schnelle Geld:
Der japanische Leitindex, der Nikkei, ist um 6,18 Prozent gefallen. Doch die Ergebnisse der Einzelwerte weisen eine doch recht hohe Bandbreite auf:
Kajima Corp-Aktien (japanischer Bau-Riese mit einer Marktkapitalisierung von 2,4 Milliarden Euro) zum Beispiel sind seit Freitag an der Frankfurter Börse um über 47 Prozent gestiegen (zwischenzeitlich sogar noch wesentlich höher, da wird eben fleißig gezockt).
Chart Kajima Corp.
...dagegen sind zum Beispiel die Aktien der Eisenbahngesellschaft East Japan Railway um 39% gefallen...
Und dann gibt es noch die Politik... Denn jetzt, URPLÖTZLICH, wird die Sicherheit der Atomkraftwerke in Deutschland hinterfragt... und wird sicherlich nun auch URPLÖTZLICH ein Wahlkampf-Thema werden. Auch wenn ALLE Parteien von sich behaupten, der Auslöser (die Katastrophe in Japan) dürfe hierfür nicht der Anlass sein und solle nicht für die eigene Partei-Werbung genutzt werden.
Man könnte sich die Frage stellen, wie solch eine Katastrophe ein Vierteljahrhundert Jahre nach Tschernobyl passieren kann. Und man könnte sich die Frage stellen, wie lange die Welt noch auf einem Atom-Pulverfass existieren soll. Falls die Menschheit so schlau ist, Alternativen zu finden, werden sich in 100 oder 200 Jahren die Zukunftsmenschen fragen, ob die Menschen um das Jahr 2000 tatsächlich wussten, was sie taten... gelinde gesagt.
Mit gemischten Grüßen
Ihr
Tom Firley
PS: Auch deutsche Werte hat es nach unten geprügelt, allen voran RWE, E.ON... aber auch die Versicherer Allianz und Münchener Rück. Warten Sie hier bitte neue, klare und konkrete Kaufsignale ab, bevor Sie sich auf „Schnäppchen"-Jagd begeben.
PPS: Noch viel wichtiger: In solchen Momenten wird mir bewusst, wie gut es mir persönlich und uns allen in Deutschland eigentlich geht. Dafür sollten wir dankbar sein und der Opfer in Japan gedenken.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Rudi Fehren (14.03. 2011 23:03 Uhr):
Hallo Herr Firley, mir geht es ähnlich wie Ihnen, auch wenn ich eher der Techniker bin. Eine Antwort auf die Zukunft der Energieversorgung von Deutschland geben jetzt schon Städte die vollkommen autark ihre Energie Strom Wärme herstellen und vollkommen weg vom Netz sind! Allerdings wenn der Trend sich verstärken würde kann man halt darauf keine Wetten abgeben. Dezentralisierung geht dann bei dieser Gelegenheit meine nächste Investition ist ein Elektro Auto Strom kommt bei mir vom Dach..... Nachmachen erwünscht!
Antworten - Kommentar von C Mills (15.03. 2011 10:19 Uhr):
Vielen Dank für Ihren Beitrag. Es ist wie immer: Den kleinen Anleger auf der Straße plagt das schlechte Gewissen. Wer jedoch den empfehlenswerten Film "The Corporation" gesehen hat, weiß, dass große Konzerne und Firmen alle Eigenschaften eines gewissenlosen Psychopathen aufweisen - gleiches gilt wohl auch pauschal für Aktien- und Kapitalmärkte. Leider scheint das aber systemimanent zu sein, und wer ist schon für das System verantwortlich?!?
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