Januarindikatoren: Setzen Sie nicht zu viel hierauf
D.R.Barton (US-Korrespondent) in Investoren Wissen
vom 29. Januar 2010, 16:00 Uhr
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heute zeige ich Ihnen einen weiteren Indikator, der nicht funktioniert. Doch ausgerechnet um diesen Indikator gibt es immer wieder in den USA den meisten Presserummel: Gemeint ist der "5-Tage Indikator" für Januar. Keine Angst, auch wenn die Medien viel darüber berichten, der Indikator taugt immer noch nichts!
Viele Indikatoren haben einen einfachen Hintergrund: Die Menschheit wollte nämlich immer schon für komplizierte Zusammenhänge eine simple Erklärung. Selbst bei äußerst komplizierten Sachverhalten sollen Ursache-Wirkungs Modelle einfache Antworten liefern.
Denken Sie beispielsweise an den Indikator der "Washington Redskins". Danach gab es bei den Präsidentenwahlen in den USA seit 1936 immer einen Wahlsieg für den amtierenden Präsidenten, wenn vorher die Redskins in ihrem letzten Heimspiel einer Saison beim Baseball gewinnen konnten. Eine Niederlage der Redskins brachte dann eine Wahlschlappe für den Präsidenten. Die Serie wurde allerdings 2004 durchbrochen. Obwohl die Redskins zu Hause gegen Green Bay verloren, blieben die Republikaner im Weißen Haus.
Ähnlich ist es mit verschiedenen Wetterregeln. Wie das Wetter an einem bestimmten Tag ist, soll es noch Wochen oder gar Monate bleiben.
Bei vielen Indikatoren fehlt einfach die Logik
Weil wir nach einfachen Erklärungen suchen, glauben wir auch oft an Ursache-Wirkungs Zusammenhänge, die logisch betrachtet keinen Sinn ergeben.
Vielleicht gibt es deshalb auch so viele Aktienindikatoren und Statistiken, die auf ziemlich wackligen Beinen stehen.
Sehen wir uns also jetzt einen der oftmals am häufigsten genannten Januar-Indikatoren an ...
"5 Tage Indikator" – er ist zwar beliebt, bringt aber wenig
Viele Marktbeobachter und Analysten sehen sich diesen Indikator an. Er wurde im "Stock Trader's Almanac" von Yale Hirsch zum ersten Mal beschrieben.
Der Indikator sagt aus, dass sich der Aktienmarkt in einem Jahr in die Richtung entwickeln wird, die er auch in den ersten 5 Tagen hatte. Geht es also an den ersten 5 Tagen hoch, so soll danach das ganze Jahr mit einem Plus schließen.
Statistisch wird das ganze durch einen Zeitraum der letzten 55 Jahre untermauert. Danach gab es in 35 Jahren davon in den ersten 5 Tagen des Jahres steigende Kurse und 30 mal lief dann tatsächlich das ganze Jahr über gut. Eine Trefferquote von 85 %.
Auf diesen Indikator berufen sich angesehene Medien wie U.S. News & World Report, CNN und das Money Magazine. Das Problem dabei ist folgendes: Es ist ein nutzloser Indikator, oder noch schlimmer, er ist möglicherweise sehr gefährlich für Ihr Vermögen.
Verschwenden Sie keine Zeit mit diesem Mythos
Ich möchte es anders ausdrücken: Dieser Indikator ist wirklich die einfachste Form der Analyse. Er ist das Gegenteil von Ursache und Wirkung. Hier wird das Pferd von der anderen Seite aufgezäumt. Für ein bestimmtes Ergebnis wird eine Ursache ohne Logik konstruiert.
Die Börse mit diesem Indikator vorherzusagen ist ungefähr genau so, wie eine Vorhersage der Wahlergebnisse aufgrund von Baseballspielen. Und zwar aus 3 Gründen ...
- Die Vorgehensweise ist willkürlich. Die Zahlen für diesen Indikator zeigen, dass der Markt in den letzten 55 Jahren in den ersten 5 Tagen im Januar 20 mal fiel. In diesen 20 Fällen ging es dann 10 mal weiter bergab. 10 mal kletterten die Aktien. Die Entdecker des Indikators folgern daraus, dass der Indikator bei einem Kursverlust in den ersten 5 Tagen keine Gültigkeit hat. Für mich ist das einfach reine Willkür! Wenn die Daten die Annahme nicht unterstützen, dann ändert man einfach die Annahme. Das ganze wird einfach zurecht gebogen. Wollen Sie wirklich auch nur einen Cent auf so eine Logik setzen?
- Der Zusammenhang ist statistisch gesehen nicht signifikant. Bei dem Indikator reicht für eine Prognose eine Aufwärtsbewegung von 5 Tagen. Dabei determinieren auch völlig unbedeutende Bewegungen am Markt den Ausblick für das ganze Jahr. Nehmen wir an, der Markt war nach 5 Tagen nur einen viertel Punkt im Plus. Trotzdem würde das nach dem Indikator bedeuten: Es kommt in diesem Jahr ein Börsenaufschwung.
Viel Zufall beim "5-Tage Indikator"
Eine minimale Bewegung sagt uns tatsächlich aber überhaupt nichts darüber, wie der Markt laufen wird. Eine kleine Bewegung – ob nach oben oder unten – ist reiner Zufall.
Aber wie können wir entscheiden, was wirklich bedeutend und was marginal ist? Ein Maß dafür, dass auch Analysten verwenden, ist die Höhe der durchschnittlichen Kursausschläge, also die Volatilität. Das ist also das Kurshoch minus das Kurstief.
Wenn wir diese durchschnittlichen Kursausschläge auf den "5-Tage Indikator" anwenden, sollte er mindestens die Hälfte des Durchschnitts nach oben oder unten gehen. Alles andere wäre Zufall.
Ich habe mir einmal diese durchschnittlichen Kursausschläge im S&P 500 in den letzten 20 Jahren angesehen und dann noch, wie viele der "5-Tage Indikatoren" kein Zufall waren. Es gab nur 4!
3.) Die zugrundeliegende Zahl für den Indikator ist zu niedrig. Wenn wir die zufälligen Fehlsignale aussortieren, bleiben von den 55 Jahren nur noch 12 bis 15 übrig, mit denen wir eine Folgerung treffen können. Das ist keine signifikant hohe Zahl, nach der wir Prognosen abgeben können. Hier wird einfach etwas zurecht gebogen. Das ist aber nichts für Börsianer!
Es gibt wirklich genug andere gute Analysemöglichkeiten, die uns zeigen, was an der Börse zu tun ist. Der "5-Tage Indikator" zählt nicht dazu.
Er liefert höchstens Gesprächsstoff auf Partys oder in der Kneipe. Aber setzen Sie kein Geld darauf.
Erfolgreiches Trading,
D.R. Barton