Januar-Indikator nutzlos
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 11. Januar 2012, 08:30 Uhr
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eine vielbeachtete „Börsenweisheit" lautet: Wie die ersten fünf Handelstage im Januar werden, so wird das gesamte Börsenjahr. Im vergangenen Jahr hat das auch leidlich gut zugetroffen. Es ging in den ersten Januartagen 2011 zunächst leicht aufwärts und dann kräftiger abwärts - wie im Gesamtjahr auch. Allerdings war das wohl eher ein Zufallstreffer des „Januar-Indikators". In diesem Jahr ging es in den ersten fünf Handelstagen zunächst kräftig aufwärts und dann leicht abwärts, genau umgekehrt wie in 2011. Hat das nun Aussagekraft für das Gesamtjahr, wie Ihnen derzeit in vielen Kommentaren weisgemacht wird?
Der von mir sehr geschätzte US-Analyst Mark Hulbert hat untersucht, wie sich der Januar-Indikator auf die Kursentwicklung des Dow Jones Index in den letzten über 200 Jahren (seit 1800) entwickelt hat. Das Resultat: Es ist völlig wurscht, ob der Markt im Januar nun steigt oder fällt - der Dow legt in jedem Jahr mit durchschnittlicher Wahrscheinlichkeit von 65 % zu (fällt demzufolge im restlichen Drittel aller Jahre). Einen statistisch bedeutsamen Unterschied zwischen einem steigenden und einem fallenden Januar-Indikator konnte er nicht feststellen. Die vermeintlich große Anstiegswahrscheinlichkeit von zwei Drittel aller Jahre ergibt sich übrigens aus dem Umstand, dass Aktien langfristig auf nominaler Basis ohnehin meist steigen und der Indikator nichts über die Höhe des Anstieges (oder Kursverfalls) aussagt.
Aber es kommt noch dicker: In den letzten vier Jahrzehnten hat sich sogar eher das Gegenteil des ursprünglichen Januarindikators ergeben. Dann hätten Sie nämlich öfter richtig gelegen, wenn Sie die gegenteilige Meinung des Januar-Indikators vertreten hätten. Also auf einen fallenden Dow Jones gesetzt hätten, wenn die ersten fünf Handelstage positiv verliefen (wie in diesem Jahr etwa).
Außerdem fand Hulbert heraus, dass die ersten fünf Handelstage der Monate April und Mai eine deutlich höhere Prognosekraft für das Gesamtjahr haben als die des Januars. Und hier tatsächlich mit statistischer Relevanz und nicht nur zufällig. In 2011 begann der April leicht steigend und der Mai stark fallend - so wurde letztlich das Gesamtjahr.
Mein Fazit: Wenn der Markt das Jahr im Plus beschließen sollte (wovon ich aus vielen Gründen derzeit nicht ausgehe), dann bestimmt nicht wegen des positiven Jahresauftaktes. Aber lassen Sie uns mal schauen, was der April- oder der Mai-Indikator noch bringen.