Jahresausblick 2009
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 2. Januar 2009, 11:00 Uhr
ENL5454
Was bringt uns das Börsenjahr 2009?
Liebe Leser,
im Grunde eine heikle Frage, welche ich dem nachfolgenden Kommentar zur Überschrift gestellt habe. Doch das alte Jahr ist zu Ende und es ist die Zeit für Rück - und Ausblicke. Da wir uns alle vorstellen können inwiefern das Börsenjahr 2008 in die Geschichte der Finanzmärkte eingehen wird, erspare ich mir einen Rückblick.
Blicken wir lieber vorwärts! Doch das scheint, betrachtet man die gegenwärtige Medienlandschaft, gar nicht so einfach zu sein. Die klügsten und angesehensten Köpfe sind sich nicht einig darüber was die Zukunft bringt. Politiker - die zwar bekannt dafür sind ihre Meinung wie ihre Unterhosen zu wechseln - haben vor Monaten noch behauptet, dass alles in bester Ordnung sei. Gordon Brown bescheinigte vor seinem Amtsantritt im letzten Jahr dem Finanzplatz London noch eine goldene Zukunft. Unvergessen auch die Bundesregierung, die nach der Lehman Brothers -Pleite noch der Meinung war, das ginge sie alles nichts an. Selbst die USA, die zwar rasch aus dem Fehler, die Lehman Brüder in die Insolvenz gezogen haben zu lassen, gelernt haben, waren sich zu Anfang ganz und gar nicht der Auswirkungen der Krise an den Finanzmärkten bewusst. Doch ich wollte nicht über die Vergangenheit sprechen.
Sprechen wir also über die Zukunft welche von den Medien düster gezeichnet wird. Und wir erkennen, dass es wenig Sinn macht sich auf die Vordenker der aktuellen Berichterstattung zu verlassen. Lassen Sie uns stattdessen die tatsächlichen Vorgänge an den Märkten beobachten und selbst eine Analyse vornehmen.
Worin besteht gegenwärtig tatsächlich das größte Problem?
Die westlichen Industrienationen befinden sich in einer Rezession. So viel ist klar! Die USA und Großbritannien fürchten allerdings noch viel Gravierenderes, wie eine Ausweitung zu einer Depression.
Um dies zu verhindern werden weltweit Konjunkturprogramme für das kommende Jahr aufgelegt. Beispielhaft geht seit Beginn der Krise ausgerechnet China mit starkem Handlungsbewusstsein an die Sache heran. Als erstes Land hat China durch eine effektive Ausweitung des Interbankenmarkts für die Kreditgarantie der Großbetriebe Sorge getragen. Auflagen an die Banken die Kreditkonditionen für mittelständische Betriebe zu verbessern folgten ebenso wie die Bekanntgabe eines massiven Konjunkturpakets in Höhe von 586 Milliarden USD. Chinas Investitionen zielen dabei vor allem auf das Wachstum des Binnenmarkts und der Infrastruktur ab. Chinas Aktienmarkt hat dementsprechend bereits mit einem ersten Erholungstrend begonnen.
Es folgen die USA, die bereits mit Rettungspaketen, TARP, massiven Leitzinssenkungen und einer Ausweitung des FED-Balance-Sheets nicht nur ihre Staatsschulden massiv erhöht haben, sondern auch den Wert der US-Währung aufs Spiel setzen. Zudem kündigte der künftige US-Präsident Obama ein massives Konjunkturprogramm in Höhe von bis zu 1 Billion USD an. Auch in den USA setzt man nun vornehmlich auf das Infrastrukturwachstum.
All das gibt Anlass zur Hoffnung, doch noch zeigen weder der US-amerikanische noch die europäischen Aktienmärkte Anzeichen von Stabilität.
Was also ist das Problem?
Das größte Problem im Moment ist der Liquiditätsknoten
Ich nenne es den Knoten in den Kreditmärkten. Obwohl Unmengen an billigem Geld von den Zentralbanken zur Verfügung gestellt werden, fließt der Liquiditätsstrom noch immer nicht. Der Interbankenmarkt wird noch immer faktisch durch die Zentralbanken garantiert. Noch immer sitzt das Misstrauen tief.
Eine hohe Risikoaversion hat sich breit gemacht. Die Märkte sind wie ausgetrocknet und über die anstehenden Feiertage werden wir wohl die illiquideste Periode des ganzen Jahres sehen.
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