Jahres-Rendite
Tom Firley in Investors Daily
vom 3. März 2010, 18:00 Uhr
ENL5462
heute betrachten wir einmal eine sehr wichtige Maßzahl für Börsen-Transaktionen, die Jahres-Rendite. Diese „Zahl" ist vergleichbar mit den Zinsen auf dem Sparbuch, die Sie jährlich erhalten. Nur ist es eben manchmal sehr sinnvoll, sich diese Zahl zu vergegenwärtigen und entsprechend für andere Zeiträume umzurechnen.
Jahres-Rendite in verschiedenen Zeiträumen
Wenn Ihnen zum Beispiel jemand erzählt, er habe aktuell sagenhafte 35 Prozent Gewinn mit einer Aktie gemacht, dann sollten Sie ihm gleich die Gegenfrage stellen: „In welchem Zeitraum?"
Falls es 10 Jahre gewesen sein sollte, sieht der sagenhafte Gewinn nicht mehr ganz so sagenhaft aus. Denn die Jahresrendite läge in diesem Falle bei 3,05 Prozent.
Waren es nur zwei Jahre, liegt die Jahresrendite immerhin bei 16,19 Prozent. Und gelang dieser Gewinn von 35 Prozent innerhalb von nur einem halben Jahr, dann läge die durchschnittliche Jahresrendite bei immerhin 82,25 Prozent (und das wäre dann ja wirklich nicht schlecht).
Schauen Sie sich in diesem Zusammenhang den Dax-Chart an
Dax Chart mit Hilfslinien
Der deutsche Index bewegt sich seit Juli letzten Jahres in dem breiten, blauen Aufwärtstrendkanal, von dem er kürzlich abprallen konnte.
Essentiell ist aus meiner Sicht nach wie vor die 5.500er Marke.... Aber heute geht es einmal nicht um mögliche Chart-Gefahren (die finden Sie im gestrigen Beitrag abc-Korrektur), sondern um ein trockenes, aber nicht weniger interessantes Thema:
Jahresrendite Dax
Die untere, blaue gestrichelte Aufwärtstrendlinie im oberen Chart hat eine jährliche "Steigung" (= Jahresrendite) von etwa 32 Prozent. Das bedeutet: Wenn Sie genau auf dieser Linie eingekauft haben und später wieder verkaufen, wenn der Dax-Kurs auf dieser Linie liegt, dann haben Sie aus Jahressicht eine Rendite von 32 Prozent erzielt.
Ich sage es Ihnen gleich: Die folgenden Zahlen wirken etwas trocken, sind aber meines Erachtens eine der wichtigsten Überlegungen in der Charttechnik, zumindest was Trendkanäle angeht Bleiben Sie also "dran".
Sie sehen im Chart weitere parallele Hilfslinien eingezeichnet, die ebenfalls eine Steigung von 32 Prozent aufweisen.
Relevant in diesem Chart sind die beiden Kreise, der grüne und der rote, die genau auf der unterenm schwarz gestrichelten Aufwärtstrendlinie liegen.
Grüner Kreis: 13. Juli 2009; Schlusskurs Dax 4.722 Punkte
Roter Kreis: 18. Februar 2010; Schlusskurs Dax 5.680 Punkte
So, jetzt müssen wir uns für die Überprüfung meiner o.g. Behauptung (etwa 35 % Jahresrendite) notgedrungen an die alte Zinsformel aus der Schule erinnern (zumindest für mich ist das schon eine Weile her). Also:
Zinsertrag = Anfangskapital mal (Zinssatz in Prozent / 100) mal (Anzahl Tage / 365)
Kurzform übrigens: Zt = K0 * (p / 100) * (t / tJahr)
Da wir alle relevanten Daten haben, müssen wir nur noch nachprüfen, ob die Rechnung stimmt.
Zinsertrag = letzter Kurs minus erster Kurs (also wie viele Punkte nominal der Dow Jones gestiegen ist), also
5.680 Punkte minus 4.722 Punkte = 958 Punkte
Anfangskapital = Einstiegskurs, also 4.971
Anzahl Tage = Enddatum minus Anfangsdatum, also 18.02.2010 minus 13.07.2009
= 221 Tage
(Anmerkung für die Leser , die das nachrechnen und auf 220 Tage kommen: Sie müssen bei dieser Betrachtung den ersten Tag dazurechnen)
Ergebnis: Wenn Sie die Formel etwas umstellen, können Die den Zinssatz in Prozent berechnen und dieser ist in diesem Beispiel dann:
Zinssatz = 31,83 % (wie behauptet etwa 32%)
Glücklicherweise muss ich das nicht jedesmal für jede Aktie neu ausrechnen. Mein Chartprogramm übernimmt das automatisch für mich. Warum ist mir diese Rendite-Berechnung so wichtig?
Jahres-Rendite ist das Maß aller Dinge
Der oben angesprochene breite Dax-Trendkanal hat eine Bandbreite (Abstand von oberer zur unteren Linie) von 21,87 Prozent. Je nachdem, wann (und ob) Sie ein Dax-Engagement eingehen, zum Beispiel über ein 1:1-Zertifikat, wissen Sie immer, wo Sie stehen, mit welcher durchschnittlichen jährlichen Rendite Sie aktuell rechnen können.
Steigen Sie an der schwarz gestrichelten Linie ein und hält sich der Kurs an dieser Linie, dann erwirtschaften Sie logischerweise eine (jährliche) Rendite von 31,83%.
Fällt der Kurs unter die entsprechende Linie, dann ist Ihr Ergebnis - je nach Risikoneigung - zunächst einmal in Gefahr. Anhand der zweiten Auffanglinie können sie dann weitere Überlegungen anstellen. Zum Beispiel, wie weit Sie Ihrer Investition (in einen Index, eine Aktie oder einem Rohstoff) Platz nach unten lassen wollen.
Neben der einfachen Trailing-Stopp-Methode ist für mich die Berechnung der laufenden durchschnittlichen Jahresrendite eine der wichtigsten Bewertungskriterien für die langfristige Betrachtung.
Viel Erfolg an der Börse
Tom Firley
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