J.P. Morgan gibt den Startschuss für den Bankencrash?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 18. September 2002 18:00 Uhr
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Die US Großbank hat ihre Gewinnprognose für das dritte Quartal gesenkt. Grund hierfür sind die vielen gefährdeten Kredite in der Telekommunikations- und Handelsbranche. Besonders die Kredite aus dem Konkurs von Enron, aber natürlich auch die vielen Kredite, die in Argentinien stecken, belasten den Konzern. Die Risikovorsorge für Firmenkredite muss deshalb im dritten Quartal voraussichtlich auf 1,4 Mrd $ nach 302 Mrd $ im Vorquartal erhöht werden. Auch das J.P. Morgan ankündigte Stellen streichen zu müssen, unterstreicht das negative Bild.
Da operative Ergebnis bei J.P Morgan wird unter den für das zweite Quartal ausgewiesenen 58 Cent je Aktie liegen. Direkt wurde dann auch die Kreditwürdigkeit seitens der Ratingangenturen S&P und Fitsch gesenkt.
Der Bankencrash beginnt. Wie Sie vielleicht wissen, jede große Baisse endet im Banken- (und Versicherungs-)crash. Anscheinend sind wir nun so weit. Denn im Versicherungscrash befinden wir uns bereits, nun müssen noch die Banken fallen. Ich erwarte ähnliche Schieflagen auch bei anderen Banken. So bin ich gespannt auf weitere Zahlen von der deutschen Bank (WKN 514000). Die deutsche Bank hatte zwar den Gewinn im zweiten Quartal deutlich gesteigert, die 35 prozentige Steigerung sei aber erneut wesentlich durch Anteilsverkäufen generiert worden. Es verwundert nicht, dass die Deutsche Bank ankündigte sich weiter auf die Kengeschäftsfelder fokussieren zu wollen und andere Teile veräußern möchte.
In diesen Zusammenhang passt auch die Meldung, die gerade über den Ticker kommt, dass die DZ Bank ihre Risikovorsorge auf rund 1 Mrd. € aufstockt, um die Rückstellung für Darlehen die auszufallen drohen, zu decken. Ein wichtiger Grund für die Aufstockung ist unter anderen das Engagement bei dem gescheiterten Medienunternehmer Leo Kirch.
Tipp: Meiden Sie zur Zeit vorsichtshalber Bankwerte!
Kurz noch eine Bemerkung. Nehmen Sie Allianz auf die Watchliste, sollte sich nun ein Boden bei nun 90 € bilden, könnte sich ein Invest lohnen. Noch ist es zu ungewiss. Aber die ersten Analysten stufen Allianz bereits hoch. Die WestLB hat Allianz auf "Buy" hochgestuft. Zugleich nannte die Bank ein Kursziel von 244 €. Die Aktie sei "extrem unterbewertet", dadurch könnte die Allianz Ziel einer feindlichen Übernahme werden. Das im Raum stehende Gerücht, Allianz wolle eine Kapitalerhöhung vornehmen, halten die Analysten der West LB für wenig glaubhaft.