Italien und die magischen 7%
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Kapitalschutz
vom 9. November 2011, 20:30 Uhr
ENL5454
Heute ist es passiert: die Zinslast auf 10-jährige Italien-Bonds hat die magische 7%-Marke überschritten. Magische Marke deshalb, weil diese Marke in der Vergangenheit auch schon Griechenland, Irland und Portugal zu Fall brachte. Morgen, wenn Italien neue Anleihen begibt, werden wir wissen woran (und zwar wir alle) wir sind!
Schlachtfeld Italien ist eröffnet
Gestern schrieb ich noch, dass es eigentlich ziemlich egal ist, ob Berlusconi geht oder bleibt, denn auch ein Weggang garantiert nicht zwangsläufig rasche Stabilität oder erhöht schlagartig das Vertrauen. Gestern noch schien Berlusconi noch als die größte Belastung, doch heute zeigt sich, dass der Markt sich nicht nur NICHT durch den angekündigten Rücktritt des Cavaliere besänftigen lässt, sondern das Misstrauen und die Skepsis sogar noch gewachsen sind.
Oder, um es anders zu sagen: es kommt nicht mehr auf Einzelpersonen an, sondern darauf, wie die Aussichten sind.
Und die haben sich heute in Bezug auf Italien massivst abgeschwächt!
Die Zinsen auf 10-jährige italienische Staatsanleihen stiegen heute in der Spitze sogar bis auf 7,57%!
Und morgen muss Italien neue Anleihen im Volumen von 5 Milliarden Euro ausgeben! Na Prost Mahlzeit, harmlos ausgedrückt...
Tja, was soll ich sagen, es kommt, wie es kommen musste...der europäische Schuldenkrieg ist weitergezogen und die nächste Schlacht findet in Italien statt.
Italien könnte aber auch DIE entscheidende Schlacht werden
Nach Griechenland, Irland und Portugal könnten wir ja sagen: och na, ja, ist doch immer das Gleiche.
Dumm nur, dass Italien, im Gegensatz zu Griechenland, Irland und Portugal tatsächlich ein systemisches Risiko darstellt. Immerhin ist Italien nicht nur die drittgrößte Volkswirtschaft der Zone, eine der acht größten der Welt, sondern auch der weltweit drittgrößte Bond-Markt.
In somit voll verständlicher Panik, hat unser großzügiger Bundesfinanzhäuptling den Italienern offenbar (wie Bloomberg berichtet) vorsorglich also schon einmal angeboten, im Ernstfall doch Hilfe vom EFSF anzunehmen....
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....und ich frag' mich nur noch: wo lebt der Schäuble eigentlich?! Im Land der Fantasie?
Im Laufe der nächsten 3 Jahre laufen italienische Bonds im Volumen von 475 Milliarden Euro aus. Allein im kommenden Jahr werden 308 Milliarden Euro fällig. Die Analysten von Capital Economics gehen davon aus, dass Italien in den kommenden 3 Jahren mindestens 650 Milliarden Euro an Unterstützung bräuchte, wolle man das Land von den Märkten abschneiden. Und bis zu 700 Milliarden, wenn man auch die italienischen Banken retten will.
Und wer bitteschön, soll das bezahlen?
Der EFSF? Darauf würde ich mich nicht verlassen! Warum?....schauen wir im 2.Teil, warum...
Zum zweiten Teil von: Zahnloses EFSF-Vehikel?