Sven Weisenhaus handelt seit mehr als 10 Jahren Aktien, Zertifikate und inzwischen hauptsächlich CFDs. Im Wave Daily dreht es sich meist um Elliot Wellen.
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom
Freitag erhielt ich folgenden Leser-Kommentar, der sich hervorragend eignet, den heutigen Beitrag einzuleiten:
Ist Optimismus überhaupt noch gerechtfertigt?
"Sehr geehrter Herr Weisenhaus,
wieder einmal vielen Dank für die treffende Analysen.
Mittlerweile sind die Arbeitsmarktdaten da, wie erwartet, wurden aber von den Märkten schlecht aufgenommen. Scheinbar ist die Luft schon wieder raus. Die Frage ist nur, inwieweit die rückläufige Konjunktur in der EU und die Stagnation in den USA schon eingepreist sind.
Die Berichtssaison verspricht auch nicht gerade prickelnd zu werden. Das sinkende Preisniveau deutet momentan m. E. auf eine Deflationierung hin.
Und m. E. ist die Eurokrise auch nicht gelöst. Zwar wird das BVerfG Fr. Merkel nicht in die Politik hineinreden, aber es ist möglich, dass zusätzliche Finanzmittel, die aufgrund der laxen Vergabe an bedürftige Staaten, bald erforderlich werden, besser politisch legitimiert werden müssen. Dann steht die nächste Zerreißprobe bevor und die Bundestagswahlen kommen auch noch in den Focus.
H. Roubini sieht die Eurozone schon kollabieren, die USA an der Fiskalklippe und über China habe ich auch einen sehr negativen Artikel gelesen...
Insoweit frage ich mich, ob der in ihrem Artikel nachklingende Optimismus gerechtfertigt ist? Wir könnten auch am Beginn der japanischen Krankheit stehen. Stagnation, Deflation, negative Realzinsen, steigende Staatshaushaltsdefizite.
Ein schönes Wochenende wünsche ich Ihnen auch noch."
Viele Themen, die eng zusammen hängen
Die Frage nach dem Optimismus und der Vergleich mit Japan sind durchaus berechtigt. Tatsächlich könnten wir japanische Verhältnisse bekommen. Doch ich möchte auf die vielen verschiedenen Themen, die der Leser anspricht, die alle sehr eng zusammenhängen, im Einzelnen eingehen.
Arbeitsmarktdaten enttäuschten
Für den am Freitag veröffentlichten offiziellen Arbeitsmarktbericht lautete die Prognose der Analysten im Vorfeld auf 102.000 neu geschaffene Stellen. Doch die tatsächliche Zahl war niedriger als erwartet. Die US-Wirtschaft hat im Juni lediglich 80.000 neue Jobs geschaffen, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Davon kamen 84.000 Arbeitsplätze im privaten Sektor hinzu, was der schwächste Wert seit zehn Monaten ist, im öffentlichen Dienst fielen rund 4.000 Jobs weg.
Zwar lagen die offiziellen Schätzungen mit knapp über 100.000 nur leicht höher als die tatsächliche Zahl, doch durch den sehr ordentlichen ADP-Bericht am Donnerstag lagen die Flüsterschätzungen deutlich höher. Der Arbeitsmarkt hat daher am Freitag sehr enttäuscht und wurde mit entsprechenden Kursverlusten quittiert.
Zumindest die Erwerbslosenquote lag wie erwartet unverändert bei 8,2%. Normalerweise müsste die Wirtschaft monatlich rund 150.000 neue Arbeitsplätze schaffen, um lediglich die wachsende Zahl der Erwerbsfähigen auszugleichen. Nur weil viele Erwerbslose in der Statistik nicht mehr erfasst werden, blieb die Arbeitslosenquote stabil.