Ist Geld wirklich das Wichtigste im Leben?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 08. November 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Gestern war ich wieder Mal auf Reisen – und hatte deshalb nichts von der Börse mitbekommen. Aber, ich bin mir nicht sicher, ob ich das bedauern soll. Aktien steigen und Aktien fallen. Ich denke, dass sie derzeit auf dem Weg zu einer Bodenbildung sind – aber das könnte im schlimmsten Fall noch 20 Jahre dauern ... so wie nach dem Crash von 1929.
Die Funktion der Wertpapiermärkte ist es nicht, uns reicher zu machen – sondern weiser. Der große Bullenmarkt von 1975 bis 1999, der größte und längste Bullenmarkt der Geschichte, hat die Amerikaner in Genies verwandelt, die – um mit Oscar Wilde zu sprechen – den Preis von allem und den Wert von nichts wussten.
Der Bärenmarkt wird sie ärmer und weiser machen, davon bin ich überzeugt. Mit der Zeit werden wir wieder mehr über den Wert und weniger über den Preis nachdenken. Wenn das nicht der Fall ist ... nun, dann sollte es zumindest so sein.
Das ist das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Vorbei sind die Zeiten, in denen Aktien um 18 % pro Jahr stiegen. Und vorbei sind auch die Illusionen des großen Bullenmarkts.
Aber Geld ist nicht alles – vielleicht entdecken das einige Leute wieder.
Warum ich auf solche Gedanken komme? Nun, ich habe ein paar Tage in der Natur verbracht, im wilden, wunderbaren West Virginia. Dort gibt es nicht nur eine herrliche Landschaft, sondern auch wahrscheinlich die meisten natürlichen Ressourcen pro Quadratkilometer in den ganzen USA – Kohle, Erdgas, Holz, Steine, und frisches Wasser überall. Und die Konsummärkte sind nicht weit entfernt ...
... aber trotz dieser ganzen Vorteile, schaffen es die Leute dort, wie Schweine zu leben.
In langen, großen Boomphasen werden manche Sachen "überkauft". Aktien zum Beispiel, klar. Aber in Amerika wurde auch Geld an sich zu hoch bewertet. Die Leute begannen zu denken, dass Geld die Lösung von allen Problemen des Lebens sei. Männer und Frauen leisteten Überstunden. Jeden Monat rissen sie ihre Depotauszüge von der Bank hastig auf, um zu sehen, wie viel sie hatten. Sie gründeten neue Unternehmen in Rekordzahl. Sie liehen sich Geld wie nie zuvor, und sie gaben es auch schnell wieder aus – als ob Geld ausgeben ihre Leben reicher und besser machen würde. Geld war so wichtig, dass für viele Leute fast nichts anderes mehr zählte.
Mein Kollege Eric Fry spricht heute übrigens auf einer Konferenz, deshalb müssen wir heute auf seinen Beitrag aus New York verzichten. Doch es gibt Ersatz: