Ist es Zeit Short zu gehen?
Von Dr. Steve Sjuggerud in Investoren Wissen
vom 07. April 2005 16:00 Uhr
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Ja ...
Gestern schrieb das Wall Street Journal: "Short zu gehen bringt jede Menge Ärger, ist schwierig und bringt nicht besonders viel Gewinn ..." Also warum sollte überhaupt irgendjemand überlegen es zu tun?
Es kommt noch schlimmer: "Es bringt jetzt noch weniger", sagte die Zeitung und nennt als Grund Änderungen bei den Regeln der Börse und den Steuergesetzen. Beispielsweise unterliegen die Gewinne aus Leerverkäufen ungünstigeren Steuersätzen als etwa langfristige Kapitalanlagen.
Also Shorten ist nicht einfach, man kann nur schwer Geld damit verdienen und es wird auch noch stark besteuert. Kein Wunder, dass es nur wenige Leute machen.
Aber halt! Es machen nicht viele Leute ... Das interessiert jetzt aber mich ...
Ich rief einen Leerverkäufer an den ich kenne. Er hat in diesem Jahr mit Short-Geschäften schon unglaublich viel Geld gemacht. (Ich kann seinen Namen aber nicht nennen, weil Leerverkäufer nicht wollen, dass sie bekannt sind.)
Zur Zeit denkt er, dass sich der Markt in Kürze noch einmal erholen wird. Aber dann dürfte schon bald die ideale Zeit sein um short zu gehen.
Deshalb schauen wir heute schon vorsorglich einmal an, wie Leerverkaufen funktioniert und wie man damit Geld verdienen kann ...
Mit Leerverkäufen verdienen Sie bei einem allgemeinen Kursrückgang an der Börse oder bei einer einzelnen Aktie. Beim typischen Aktienhandel wollen Sie natürlich billig kaufen und teuer verkaufen. Beim Leerverkauf ist es genau anders herum: Sie verkaufen zuerst teuer und hoffen, dass Sie eine Aktie später billiger zurückkaufen können um die Position zu schließen.
Einige von den erfolgreichsten Leuten in der Geschichte der Wall Street waren Leerverkäufer ... Leute wie Jesse Livermore und Daniel Drew.
Welche berühmten Leerverkäufer gibt es heute? Sie können wahrscheinlich keinen einzigen nennen. Und das ist logisch: Leerverkäufer verdienen Geld, wenn die Aktien fallen. Der breite Aktienmarkt ist aber seit 1982 gestiegen (mit Ausnahme der schlimmen Jahre 2000-2002). Wir betrachten also einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrezehnten in dem Leerverkäufer gegen den Strom geschwommen sind.
Der Bullenmarkt zwischen 1982 und 2000 war der längste und größte Bullenmarkt überhaupt. Sogar die besten Leerverkäufer wurden ziemlich verprügelt. Der heutzutage bekannteste Leerverkäufer, Jim Chanos, sagte gestern im Wall Street Journal: "Man verliert die ganze Zeit ziemlich viel Geld und wenn man etwas verdient, dann ist auch das enorm."
Aber Aktien können nicht immer steigen. Und ob Sie es glauben oder nicht, könnte es jetzt so sein, dass nach dem längsten Bullen Markt aller Zeiten der längste Bären Markt kommen könnte. Und wer kann dann Geld verdienen? Ein guter Leerverkäufer.
Der Profi mit dem ich heute sprach hat eine ziemlich einfache Strategie. Er macht das gleiche, was ich mache, wenn ich nach etwas suche um es zu kaufen ... nur genau das Gegenteil.
Wenn ich nach einem Investment suche, möchte ich etwas kaufen, das
1) einen außergewöhnlichen Wert hat
2) nicht in Mode ist
3) gerade seinen Aufwärtstrend begonnen hat
Wenn man das Gegenteil macht, nämlich leer verkauft, dann heißt das für den Profi mit dem ich gesprochen habe, dass er eine Aktie sucht, die ...
1) ganz besonders überbewertet ist
2) von allen empfohlen wird
3) gerade einen Abwärtstrend begonnen hat
Als ich den Profi nach einem Tipp fragte, sagte er, der gesamte Markt erfüllt zur Zeit diese Kriterien. Die Aktien sind überbewertet und im Abwärtstrend. Er erwartet eine schnelle Erholung, die dazu führt, dass die Leute Aktien wieder lieben ... Und es hört sich fast so an, als ob er schon in einigen Wochen aggressiv short gehen würde.
Sich einzelne Aktien zu suchen um sie zu shorten ist ziemlich kompliziert. Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit um short zu gehen ...
Es gibt einige Fonds, die auf fallende Märkte setzen. Zum Beispiel "inverse" und sogar "doppelt-inverse" Fonds, die entgegen der Kursentwicklung im Index den doppelten Gewinn versprechen.
Aktien sind derzeit ziemlich teuer. Der Abwärtstrend in dem wir sind, könnte sich weiter fortzusetzen. Wir beenden damit einen Bullen Markt der ganze 20 Jahre gedauert hat und die meisten Leerverkäufer aus dem Rennen geworfen hat. Jetzt könnte die Zeit sein einzusteigen, wo wir doch am Anfang eines großen Bären Marktes stehen könnten ... und Leute, die ihre Hausaufgaben machen, können mit Leerverkäufen schönes Geld verdienen
Es gibt nur wenig Konkurrenz auf der Short-Seite. Denn der lange Bullenmarkt hat vielen Tradern, die sich auf Leeverkaufen spezialisiert hatten, das Genick gebrochen ... Wer seine Hausaufgaben macht, könnte möglicherweise auf der Short Seite in den nächsten Jahren schön verdienen. Es ist auf jeden Fall wert, jetzt mehr darüber zu lernen ...