Ist ein starke Euro schlecht für die deutsche Wirtschaft?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 21. Januar 2003 18:00 Uhr
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Im Moment werden heiße Diskussionen darüber geführt, ob ein hoher Euro nun schlecht für die deutsche Wirtschaft sei, oder aber nicht.
Die Banken sagen: Sollten sich die Dollar-Schwäche fortsetzen werden die Gewinne deutscher Unternehmen im Durchschnitt sinken. Vor allem Technologie-Aktien haben den Ruf unter einem schwachen Dollar zu leiden. Sie sollten sich verdeutlichen, dass der Kurs des Euros in den letzen 12 Monaten von 0,85 auf 1,06 $ gestiegen ist. Trotzdem zeigen sich viele Analysten gelassen. Warum? Keine Ahnung. Einige berufen sich auf die Absicherung diverser Firmen gegen Währungsschwankungen. Andere hoffen auf eine Entschärfung des Irak-Konfliktes. Wieder andere auf einen Irakkonflikt und rechnen in beiden Fällen mit einem stärkeren Dollar.
Ich hatte Ihnen geraten Anfang November in den Euro einzusteigen. Später hatte ich dann empfohlen den Stopp Loss dicht am Kurs nachzuziehen. Diese Taktik sollte sich bis heute ausgezahlt haben und genauso fortgeführt werden. Aber zurück zu den Unternehmen: Die Dollarschwäche wird sich natürlich, wenn auch erst zeitverzögert, auf die Unternehmensgewinne auswirken. Dass die Eurostärke sich bisher noch nicht stärker auf die Kurse auswirkt, liegt auch daran, dass einige ausländische Investoren aktuell den steigenden Euro nutzen, um in den europäischen Markt zu investieren. Das stützt die Kurse.
In der aktuell sehr volatilen Phase ist es schwierig auszumachen, welche Aktien am meisten durch Währungsschwankungen beeinflusst sind. Insbesondere da die Währungen natürlich auch rückwirkend durch steigende und fallende Aktienkurse beeinflusst werden.
Trotzdem befürchte ich, dass viele Markteilnehmer die Gefahren des steigenden Euro unterschätzen. Viele sehen nicht, wie weit der Euro noch steigen kann. Sollten sich bestimmte Faktoren verstärken, dann ist der aktuelle Anstieg des Euros nur der kleine Beginn eines langen steilen Trends.
Die aktuelle Geldpolitik in Amerika weist insgesamt eine sehr akute inflationäre Gefahr auf. Zumal in der Geldpolitik bekannt ist, dass Währungen eine alte Angewohnheit haben: Bildet sich einmal ein Trend aus, dann wird er zumeist wesentlich länger Bestand haben als viele Marktteilnehmer vermuten. Eine ähnliche Gefahr sehe ich zurzeit auch beim Trend im Euro/Dollarverhältnis. Zumal das Vertauen in den Dollar immer weiter sinkt!
Früher hätte sich natürlich eine solche Währungsverschiebung wesentlich deutlicher auf die Aktienmärkte ausgewirkt. In der aktuellen hochvolatilen Zeit und nach den schweren Kursverlusten der letzten 3 Jahre, werden die Auswirkungen sicherlich nicht so deutlich zu Tage treten.
Bei einem hohen Euro sind besonders die Automobilhersteller als Hauptverlierer zu nennen. Es gibt aber natürlich auch Gewinner: Hierzu zählen die Deutsche Lufthansa, Adidas und die Deutsche Telekom. Die Deutsche Lufthansa muss im Auslandsvergleich weniger für Treibstoff zahlen, da dieser in Dollar abgerechnet wird. Adidas produziert in Asien. Dort werden die Rohstoffe und die Produktionsmaterialien ebenfalls in Dollar gekauft, während die Waren in Europa in Euro verkauft werden. Am Besten steht natürlich die Deutsche Telekom da, die "glücklicherweise" ihre Schulden in Dollar aufgenommen hat.
Insgesamt bin ich mir jetzt schon sicher, was wir in den nächsten Jahren bei den Ergebnissen diverser deutsche Aktien lesen werden: Die Gewinne seien insbesondere durch das schlechte Euro/Dollar Verhältnis nicht so hoch ausgefallen, wie erwartet. Wir kennen doch die diversen Rechtfertigungsversuche der Firmen. Denken Sie nur an den 11. September, was wurde damit nicht alles begründet.
Kurzfristig kann aber die aktuelle Euro Stärke, wie wahrscheinlich auch die aktuelle Goldüberhitzung, mit einem Kriegsbeginn erst einmal ihren vorläufigen Hochpunkt ereichen.