Ist die Schweiz ein sicherer Hafen?
Thomas Kallwaß in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 7. Oktober 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
Die Schweiz und vor allem ihre Währung, der Franken, gelten als sicherer Hafen in stürmischen Zeiten. Seit Beginn der Eurokrise, wohlgemerkt nicht seit Beginn der Finanzkrise 2008, schichten die Anleger enorme Summen in den Schweizer Franken um. Dabei verfolgen die Anleger nicht etwa das Ziel, Rendite zu erwirtschaften. Vielmehr geht es um Sicherheit. Implizit wird unterstellt, dass es in der Schweiz zu keiner Krise kommen kann und das Geld somit in den Alpen sicherer sei als irgendwo anders. Doch stimmt das überhaupt?
Eine überbewertete Währung kann nicht sicher sein
Diese Sicherheit lassen sich die Anleger sogar etwas kosten. Schon im gestrigen Beitrag haben Sie erfahren, dass Sie teilweise sogar Zinsen bezahlen müssen, wenn Sie in der Schweiz ein Sparkonto eröffnen. Dabei kann sich die Sicherheit des Franken als trügerisch erweisen.
Denn selbst, wenn es in der Schweiz zu keiner Krise käme, ist Geld dort mitnichten sicher. Der Franken ist derzeit gegenüber dem Euro 50% überbewertet. Die Empirie zeigt, dass solche Fehlbewertungen nicht ewig Bestand haben - es kann also jederzeit zu einer Abwertung kommen.
Und die kann schnell gehen. Wer im Juli Geld in den Franken transferierte, sitzt jetzt auf 20% Kursverlust. Sicher ist anders.
Ist die Schweiz überhaupt vor einer Krise gefeit?
Doch ist die Schweiz überhaupt vor einer Krise sicher? Wenn wir auf 2008 zurückblicken, dann muss die Antwort „Nein" lauten. 2008 wurden die Schweizer Banken genauso hart von der Finanzkrise getroffen wie alle anderen Banken auch. Staat wie Notenbank mussten mit Milliarden einspringen.
Franken wertete erst nach der Finanzkrise 2008 auf
So wertete denn der Franken auch erst nach der Krise auf, nicht etwa in der Finanzkrise. Auf dem Höhepunkt der Krise war es nicht unwahrscheinlich, dass die Schweiz das Schicksal Islands oder Irlands erleiden wird. Die beiden Schweizer Großbanken Credit Suisse und UBS waren und sind viel zu groß, um von der vergleichsweise kleinen Schweiz auf jeden Fall vor der Pleite gerettet zu werden.
Und es war die UBS, die während der letzten Krise zu den gefährdetsten Instituten weltweit zählte - die nötigen Hilfsmaßnahmen machten rund 15% des jährlichen BIPs aus, 60 Milliarden US-Dollar.
Irland und Island sind warnende Beispiele
Die Schweiz ist durchaus mit Irland oder Island vergleichbar. Irland und Island zählten bis 2008 zu den Boomländern. Schnell wachsende Wirtschaft, sehr solide Staatsfinanzen - leider aber auch ein relativ zur Gesamtwirtschaft zu großer Bankensektor. Weder Irland noch Island gingen Pleite, weil sie wie Griechenland unsolide wirtschafteten. Sie gingen Pleite, weil sie für die heimischen Banken einstehen mussten.
Es dauerte nur wenige Monate, bis aus zwei der solventesten Staaten der Welt Pleiteländer wurden.
Der Franken ist ein Risikoinvestment, ein Wolf im Schafspelz
Ein Schicksal, das genauso auch die Schweiz ereilen kann. Die jüngste Geschichte Irlands und Islands sollte sich jeder Anleger vor Augen halten, der Schutz suchend Geld in die Schweiz transferiert. Und auch ohne dieses Horrorszenario machen Devisenkursrisiken, drohende Sondersteuern für Ausländer sowie durch die Wechselkursanbindung an den Euro importierte Inflation den Franken zu einem riskanten Investment.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von HoppSchwiiz (07.10. 2011 11:56 Uhr):
Die Schweiz ist wirtschaftlich mit Irland oder Island vergleichbar? Also bitte. Irland hatte ein EU-subventioniertes Wirtschaftswunder, nichts weiter. Und Islands Wirtschaft bestand zu einem gewissen Zeitpunkt ja nur aus Banken und ein paar Fischtrawlern. Sie vergleichen da Äpfel mit Birnen, da diese beiden Länder nie in den letzten 200 Jahren eine tatsächlich konkurrenz- und überlebensfähige Wirtschaft aufbauen konnten. Die Schweiz hingegen gehört zu den am frühesten industrialisierten Ländern und verfügt auch heute noch über eine starke Industrie, sowie einen äusserst innovativen und flexiblen Dienstleistungsmarkt. Da wäre ein Vergleich mit UK und Schweiz angebrachter, vergleicht man den Anteil des Finanzsektors an der Gesamtwirtschaft. Noch genauer hingesehen erkennt man, dass die Schweiz momentan Vorbildfunktion für UK hat, was die erhöhten Eigenmittelanforderungen an die Banken verdeutlichen, wo UK nun nachzieht. Über kurz oder lang wird in der Schweiz auch die integrierte Bank abgeschafft, bzw. verboten werden, UK wird auch da nachziehen.
Antworten- Antwort von Herbert Bellschan von Mildenburg (07.10. 2011 14:49 Uhr):
Dem Kommentar von Hr.Hopp SCH.ist nur zuzustimmen.-Ausserdem ist gegen staatliche Massnahmen" kein Kraut gewachsen..."Diese sind nun im so sicheren Hafen akut und erst im Entwicklungsstadium.. Was tun also..sprach Zeus!!
- Antwort von Herbert Bellschan von Mildenburg (07.10. 2011 14:49 Uhr):
- Kommentar von Thomas Kallwass (10.10. 2011 21:17 Uhr):
Es geht mir weniger darum, die Schweiz mit Irland oder Island gleichzusetzen, sondern darum zu zeigen, wie schnell aus einem AAA-Land ein Problemland wird. Abgesehen davon reflektiert der derzeitige Frankenkurs schlicht und ergreifend nicht die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes. Andernfalls hätte in der Schweiz Niemand ein Problem mit dem Kurs. Ich bin daher nach wie vor davon überzeugt, dass der Franken auf Dreijahressicht eher ab- als aufwerten wird und er damit für Euro-Besitzer eben kein sicherer Hafen mehr ist.
Antworten- Antwort von HoppSchwiiz (11.10. 2011 21:22 Uhr):
Auf 3-Jahressicht haben Sie natürlich recht, allerdings ist die Anlage in CHF derzeit vielmehr aufgrund der Zinsen nahe Null uninteressant, und nicht weil die Anlagen in der Schweiz nicht sicher wären. Dass für Schweizer Staatsanleihen momentan Negativzinsen bezahlt werden, spricht eine eindeutige Sprache: lieber verliert man (einen vorab kalkulierbaren Teil seines) Vermögen in CHF, als dass man in unsichere Anlagen geht und einen möglichen Totalausfall riskiert. Nebenbei sind die Schweizer Banken aufgrund der wesentlich höheren Eigenkapitalvorschriften als Basel III und wegen der massiven Geldzuflüsse momentan als die sichersten europäischen Banken einzustufen. Aufgrund der Unsicherheiten in der EU-Politik wird zur Zeit nur Sicherheit gesucht, Anlageüberlegungen sind sekundär.
- Antwort von HoppSchwiiz (11.10. 2011 21:22 Uhr):