Ist die Bankenkrise jetzt vorbei?
Andrew Gordon (aus dem Amerikanischen übersetzt Silke Roth) in Investoren Wissen
vom 19. August 2008, 16:00 Uhr
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Liebe Leser,
Vor dreißig Jahren wollte niemand ein Banker sein, warum? Nehmen Sie einen schneidigen Zahnarzt im Vergleich zu einem langweiligen Banker, wer macht da mehr her?
Die Banker wachten auf, zogen ihre schwarzen Anzüge an und fuhren mit ihrem Oldsmobile Kombi zur Arbeit. Sie liehen für drei Prozent und verliehen für 6 Prozent. Und alle zwei Wochen erhielten sie eine Gehaltszahlung, die ihnen einen komfortablen, aber keinen extravaganten Lebensstil erlaubte. Banken wuchsen langsam aber sicher.
Dahingegen wurde Zahnärzte gut bezahlt für das Kitten von Löchern, das Richten der Zähne und das Anpassen von Gebissen. Als Amerikaner in die Mittelklasse aufstiegen und in Massen in die Vororte zogen, hatten die Zahnärzte die Chance aus ihren Geschäft eine Goldgrube zu machen. Viele taten es und wurden reich dabei.
Wie konnte ein Banker damit konkurrieren?
Sie verstehen, was ich damit sagen will, oder? Ich mache die Zahnärzte für die heutige Bankenkrise verantwortlich. (Hey, mein Zahnarzt in meiner Kindheit glaubte nicht an das Verwenden von Novocain.)
Wie die Banken - schlecht beraten - das Risiko suchten und nach Gewinnen griffen, ist eine wohl eine bekannte Geschichte, die ich hier nicht wiederholen muss. Die Frage ist - mit fast $500 Milliarden schlechten Schulden so weit abgeschrieben, ist das Schlimmste schon vorüber?
Der KBW Bankensektor Index zeigt, dass die Bankaktien abprallen. Haben die Banken den Boden erreicht? Sehen wir einen nachhaltigen Aufschwung?
Die Banken verloren die Hälfte ihres Wertes, als sie Mitte Juli den Boden erreichten. Und den ganzen Weg nach unten prallten sie von ihrem 20-Wochen gleitenden Durchschnitt ab und gingen noch etwas weiter nach unten.
Sind die Banken dabei, dies noch einmal zu tun? Oder können sie durch ihre 20-Wochen Linie nach oben gehen?
Gut ein Jahr nach dem Beginn der Kreditkrise, zeigt der Banking-Index eine hohe Volatilität. Letzten Donnerstag war der KBW um 3.5 Prozent gestiegen. Am Tag zuvor war er um über 5 Prozent gefallen und letzten Dienstag war er um 5.5 Prozent gestiegen.
Solch eine Volatilität zeigt an, dass die Investoren nicht so recht wissen, was sie zur Zeit mit den Banken machen sollen. Das kann ich nicht verstehen. Das ist kein "Glas halb voll oder halb leer" -Dilemma. Die Banken schwimmen in Verzweiflung. Bedenken Sie::
- Die Banken geben an, dass die Abschreibungstage ein Ende haben. Solch einen "Klopper" haben wir schon vorher gehört. Warum sollten wir ihnen jetzt Glauben schenken?
John Thain, CEO von Merrill Lynch, ist das Musterbeispiel eines lügenden CEO. Aber er teilt sich die Bühne mit Alan Schwartz (Bear Stearns), Vikram Pandit (Citigroup), Ken Thompson (Wachovia) und vielen anderen.
Des öfteren wurde die Banken dazu gezwungen, zuzugeben, dass es in ihren Büchern schlimmer aussieht, als sie vorgaben.
- Ich glaube an ihre Taten - wenn sie Abschreibungen vornehmen und nicht ihren Worten. Die Banken schreiben immer noch ab; damit ist genug gesagt.
- Hypothekenkündigungen nehmen eher zu als ab und anhängige Hausverkäufe sind über 12 Prozent seit dem letzten Jahr gesunken. Etwas 30-40 Prozent dieser Verkäufe sind Verzweiflungsverkäufe aufgrund von Hypothekenkündigungen - nicht gerade die Art der Verkäufe, die den "Boden" im Immobilienmarkt anzeigen.
- Wie viel sind diese Verzweiflungskäufe einbringen wert sind, können Sie gut erkennen: Merrill Lynch verkaufte gerade einen Batzen für 22 Cent pro Dollar, also 22% des Nominalwertes, und noch dazu finanzierten sie den Verkauf. Solche Verkäufe tragen dazu bei, die Bankbücher zu bereinigen. Aber es führt schließlich zu dem Punkt, dass diese Banken immer noch Milliarden von Dollar fast wertlosen Papieren sitzen.
- Wie ich letzte Woche schrieb, wird erwartet, dass hunderte Banken dieses Jahr an Ihren Gewinnzielen scheitern werden. Dies kam 2005 und 2006 gar nicht vor und 2007 waren es gerade einmal drei Fälle.
Mir ist absolut klar, dass die Banken den Boden noch nicht erreicht haben. Dies ist nicht der Zeitpunkt, um Bankaktien zu kaufen.
Um dem ganzen noch die Spitze aufzusetzen, wie wollen diese Banken ihr Geld verdienen, selbst wenn sie den Rest ihrer Schulden abgeschrieben haben? Die Wirtschaft sieht furchtbar aus und ihr ehemals so lukrativer Derivate-Markt ist vollkommen ausgetrocknet.
O richtig, das habe ich fast vergessen. Sie können immer für 3 Prozent leihen und für sechs verleihen - wie langweilig.
Investieren Sie gut,
Andrew Gordon