Ist der Irakkrieg zu Ende?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 02. Juli 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Wie Sie sicher aus den Medien bereits wissen, kommt es zu immer häufigeren Angriffen auf US-Soldaten im Irak. Zudem häufen sich die Sabotageakte. Umfragen zufolge reagieren die Amerikaner auf die Berichte aus dem Irak mit zunehmender Skepsis. So stieg der Anteil derjenigen, die im Irak eine Verschlechterung der Lage erkennen, um das dreifache auf 42 %. Selbst Vergleiche mit Vietnam wurden schon gezogen. Seit dem Ende des Krieges sind über 60 US Soldaten getötet worden.
Nun hat Präsident Bush in einer Rede auf den zunehmenden Unmut in Amerika reagiert. Im Prinzip erzählte er nichts Neues, er blieb bei seiner bekannten Haltung: Unnachgiebig, patriotisch und unter Einsatz aller militärischen Mitteln.
So sollen diejenigen Kräfte, die Ordnung und Stabilität des Landes bedrohen wollen, genau wie das frühere Regime dem sicheren Untergang nicht entgehen, sagte Bush. Es werde keine Rückkehr zur Tyrannei im Irak geben.
Damit sind die alten Vorstellungen von einem kurzen Engagement im Irak natürlich vergessen. So stellt nun auch Bush fest, dass die Umwandlung des Iraks ein "enormes und langfristiges" Unterfangen sein wird. Einen Aspekt hat er geflissentlich bei seiner Rede ausgelassen: Es könnte auch ein enorm kostenintensives Unterfangen werden. Ein Major der 1. US Panzerdivision drückte es so aus: Diese Leute wollen, dass wir scheitern, lieber sehen Sie ihr eigenes Land brennen, als uns Erfolg haben.
Die USA scheinen sich im Irak bei einigen Aspekten deutlich verschätzt zu haben. Selbst die Öl-Förderanlagen sind in einem miserablen Zustand, so dass auch hier mit hohem Kosten- und Zeitaufwand zu rechnen ist.
Sollten die Übergriffe und Anschläge weiter anhalten, könnte Bush den Rückhalt in der eigenen Bevölkerung verlieren. Bush wird natürlich alles versuchen, genau das zu verhindern. Man darf gespannt sein. Aber eins zeichnet sich ab: Der eigentliche, wirkliche, dreckige und lange Irak-Krieg könnte gerade erst begonnen haben.