Ist der Euro krisenfest?
Alexander Hahn (Gastbeitrag) in Kapital & Steuern Global zum Thema Kapitalschutz
vom 8. Januar 2009, 16:00 Uhr
Am 1. Januar 1999 war es soweit: Die Währungsunion in Europa war perfekt und der Euro geboren. Was damals aus einem politischen Kuhhandel als französischer Preis für die deutsche Wiedervereinigung (1) entstand und heute im Volksmund auch als "Teuro" bekannt ist, ist nun 10 Jahre alt.
Von der Politik wird der Euro gerne als Erfolgsgeschichte verkauft und ich denke, angesichts der Entstehungsgeschichte des Euros (siehe u.a. Fußnote 1 dieses Artikels) lässt sich bei dieser Währung durchaus von einem politischen Konstrukt sprechen, das sich aufgrund seiner kurzen Lebenszeit bisher noch nicht ernsthaft in Krisen bewähren konnte.
Wie ist der Euro eigentlich "konstruiert"?
Der Euro ist eine sog. "Fiat-Währung". In anderen Worten bedeutet dies, dass er durch keinen materiellen Gegenwert, wie etwa Edelmetalle, gedeckt ist und beliebig aus "dünner Luft" geschaffen werden kann (der Name "Fiat" leitet sich hier aus dem lateinischen Satz "Fiat Lux." aus der Bibel ab, was so viel bedeutet wie "Es werde Licht."). Herausgegeben wird der Euro von der Europäischen Zentralbank (EZB). Deutschland hat hierbei sein Recht, Banknoten herauszugeben, abgegeben und darf nur noch im Münzbereich aktiv werden.
Unter anderem durch die gemeinsame Währung entstand ein großer Binnenmarkt in Europa, welcher sicher nicht nur der Industrie den ein oder anderen Vorteil verschafft hat. Gleichzeitig stößt aber der Euro bei Privatleuten besonders in der Bundesrepublik aus einer Reihe von Gründen mehrheitlich nicht auf Zuspruch und viele Bürger wünschen sich die Deutsche Mark wieder.
Doch woran bemisst sich der Wert des Euros gegen andere Währungen?
Wie andere "Fiat-Währungen" auch, ist der Wert des Euros am Devisenmarkt von einer Reihe von Faktoren abhängig. Ein Punkt z.B. ist die Zinsdifferenz zu anderen Währungen. Ist der Zinssatz in der Euro-Zone hoch im Vergleich zu anderen Ländern, kann davon ausgegangen werden, dass die europäische Gemeinschaftswährung tendentiell am Welt-Devisenmarkt an Attraktivität gewinnt. Gleiches gilt, wenn z.B. die Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone zunimmt. Eine wichtige Bedeutung spielen hierbei natürlich auch Überschüsse in der Handelsbilanz der Eurozone. Weitere Faktoren für die Stabilität einer Währung sind z.B. Wachstum bzw. Verknappung der Geldmengen einer Währung, d.h. Zentralbankpolitik, politische Stabilität der jeweiligen Währungszonen und vieles mehr.
Spezielle Probleme des Euros
Kritiker des Euros, wie z.B. der renommierte Ökonom Prof. Wilhelm Hankel (2), führen immer wieder an, dass dieser mit großer Wahrscheinlichkeit nicht krisenfest sein wird. Hierfür gebe es mehrere Gründe:
Die Gemeinschaftswährung sei für Europa und Deutschland der falsche Weg, um zur erstrebten politischen Union zu gelangen. Sie belaste Deutschland einseitig als Wachstumslokomotive und mache sie zum Schlusslicht im innereuropäischen Expansionsprozess. Mit dem Verzicht auf die DM habe Europa seinen Stabilitätsanker verloren, während die deutsche Volkswirtschaft ihre Chance verspielt, ihr hohes Lohnniveau und ihren für die übrigen EU-Staaten beispielhaften Sozialstandard über niedrige Realzinsen und hohe Aufwertungsgewinne auszugleichen. Aus Hankels Sicht verliert Deutschland den Doppelvorteil seiner hohen Sparquote sowie seiner Export- und Leistungsbilanzüberschüsse, der zweithöchsten der Welt. (Quelle: Wikipedia)
Laut Hankel ist der Euro also, bildlich gesprochen, ein dicker Bremsstein, der Deutschland an den Fuß gehängt wurde (als Preis für die Wiedervereinigung, wie Sie im vorherigen Abschnitt lesen konnten). Hankel gehört hierbei zu den Euro-Kritikern der ersten Stunde (Natürlich hat auch Hankel seine Kritiker, aber ich finde einige seiner faktischen Argumente wirklich sehr überzeugend.).
Gleichzeitig bedeutet der Euro für alle teilnehmenden Staaten, dass für die einzelnen Wirtschaftsräume keine eigene Leitzinspolitik mehr gefahren wird, sondern diese von der EZB zentral geregelt wird.
Wie spielt hier die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise hinein?
Wenn wir einmal die einzelnen Länder in der Eurozone vergleichen, so sehen wir recht schnell, dass diese von der weltweiten Krise bisher sehr unterschiedlich getroffen wurden. Dies führt natürlich auch dazu, dass die unterschiedlichsten Vorstellungen der einzelnen Länder vorliegen werden, welcher Leitzins nun der "richtige" sei. In anderen Worten heißt dies, dass es in der EZB in Krisenzeiten ein hohes Potential an Streit geben wird. Einerseits gibt es hier eine Partei um Deutschland, welche eher dazu neigt, Inflation zu bekämpfen, andererseits gibt es die südlichen EU-Staaten und besonders Frankreich unter seinem Präsidenten Sarkozy, welches sich gerne mehr "Wachstumspolitik" seitens der Notenbank wünscht.
Ein weiterer, kritischer Punkt ist aus meiner Sicht die Frage, was passieren wird, wenn die Eurozone als ganze betrachtet beginnen wird, stark negative Leistungsbilanz - und Handelsüberschüsse zu bringen, d.h. der Euro, in seinem Herzen zum Großteil getragen durch Deutschland (wenn man Hankel folgt), nicht mehr stark genug ist. Dies könnte z.B. durch "Übererweiterung" der EU erfolgen oder aber auch durch eine globale Krise.
Gerade in Osteuropa haben wir etwa in Ungarn (EU-Mitgliedsstaat, jedoch nicht im Euro) einen Fast-Staatsbankrott erleben dürfen. Aber auch in einigen Euro-Ländern, wie etwa Spanien, Portugal, Italien oder Griechenland sieht die Lage nicht allzu gut aus.
Besonders interessant ist es in diesem Zusammenhang auf die Renditedifferenzen (der jeweiligen Staatsanleihen) zu deutschen Staatsanleihen zu achten. Die Zinsaufschläge werden hierbei oft als Spread bezeichnet und geben einen interessanten Hinweis, wie die Akteure am Markt die Risiken der einzelnen Länder in Relation zueinander betrachten.
Im Zusammenhang mit Staatsanleihen empfiehlt es sich auch, als Risikobeobachtung darauf zu achten, ob Auktionen von Staatsanleihen scheitern, also niemand diese frisch emittierten Anleihen haben möchte. Dies wird meist als gefährliches Warnzeichen gesehen und kann zu Abverkäufen der entsprechenden Anleihen führen, was wiederum stark negative Konsequenzen auf die jeweilige Landeswährung (vgl. etwa der Fall in Island) haben kann.
Zwar wird immer wieder gerne argumentiert, dass der Euro politisch gewollt sei (was ja auch korrekt ist) und deshalb nicht auseinanderbrechen könne. Wenn aber die Not in den einzelnen Ländern wirklich hoch wird, welcher Politiker wird dann unter dem Druck der Massen im eigenen Land nach wie vor im währungspolitischen Korsett des Euros verbleiben?
Ich betrachte den Euro stets mit einer gewissen Portion Skepsis und vertraue dieser Konstruktion nicht nachhaltig. Mögliche Szenarien eines Euro-Bruchs mögen zwar aktuell kaum vorstellbar anmuten, aber theoretisch sind sie m.E. durchaus möglich, wenn die Situation sich weltweit weiterhin stark verschlimmern wird.
Beste Grüße
Alexander Hahn
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Hinweise und Fußnoten:
(1) siehe z.B. die Äußerungen des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Richard v. Weizsäcker in "Die Woche" vom 19.09.1997 oder die Memoiren von Brigitte Sauzay, der damaligen Dolmetscherin des ehemaligen französischen Präsidenten Mitterand, welche noch deutlicher wird: Mitterand habe seine Zustimmung zur Wiedervereinigung "nur um den Preis gegeben, dass der deutsche Kanzler (Helmut Kohl) die Mark dem Euro opfere" (siehe auch Spiegel Special 02/1998). Die deutsche Mark war zu der Zeit in Europa längst zur "Ankerwährung" geworden, an deren (relativer) Stabilität sich die anderen Mitglieder, natürlich einschließlich Frankreichs, orientieren mussten, wenn sie nicht in der Konkurrenz der Währungen hoffnungslos abgehängt werden wollten. Außerdem fürchtete Frankreich eine Neuorientierung des durch die Wiedervereinigung wieder erstarkten Deutschland, das nach der Meinung der französischen Politik die europäische Union "zu einer großen, von der D-Mark beherrschten Freihandelszone von Brest bis Brest-Litowsk" hätte machen können (siehe u.a. FAZ vom 01.06.1996)
(2) Wilhelm Hankel