Ist der Euro in Gefahr?
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 10. Mai 2010, 13:00 Uhr
ENL5462
während ich am Freitag morgen auf den Finanzportalen keine Erklärung für den Kursrutsch an den Börsen finden konnte, war zumindest web.de vermeintlich ein Schritt voraus. Hier wurde berichtet, dass ein bedeutender Händler eine fehlerhafte Transaktion in den Markt gegeben hatte. Innerhalb einer halben Stunde verlor der Dow Jones 800 Punkte. Anschließend benötigte der Index nur gut eine Viertelstunde, um wieder um 600 Punkte zuzulegen. Begünstigt werden solche Bewegungen natürlich durch die aktuelle Unsicherheit nach den eh schon beeindruckenden Kursverlusten der letzten Tage.
Die NRW-Wahl ist vorbei, das Ergebnis steht fest. Aber auch nach der Wahl wird weiterhin versucht, die Bürger in die Irre zu führen. Neustes Thema sind die zukünftigen Steuereinnahmen. Da wird von fast 39 Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen geredet, die Bund, Ländern und Gemeinden bis 2013 weniger zur Verfügung stehen, so das Ergebnis der Steuerschätzer. Steuersenkungen wären gerade vor diesem Hintergrund Irrsinn.
Was hierbei jedoch wieder falsch dargestellt wird: Es sind 39 Milliarden weniger, ALS ZUVOR ANGENOMMEN. Das diese Schätzungen regelmäßig weit daneben liegen, wird verschwiegen. Fakt ist, dass dennoch, dass 2013 mit Rekordeinnahmen von 560 Milliarden Euro zu rechnen ist. Die Steuereinnahmen STEIGEN also weiterhin, nur eben nicht in dem Ausmaß wie erwartet. Ich bleibe daher bei der Aussage: Wir haben kein Einnahme-, sondern ein Ausgabeproblem. (Der Spruch stammt zwar von der FDP, ich stimme dem jedoch absolut zu.) Steuersenkungen oder zumindest Steuervereinfachungen dürfen also kein Tabu sein.
Sie erinnern sich sicher noch an den Euro-Stabilitätspakt. Im Rahmen der Wirtschafts- und Währungsunion sollte dieser Pakt für einen stabilen Euro sorgen. Das Regelwerk soll insbesondere verhindern, dass durch ein übermäßiges Verschuldungsverhalten der Euroländer die Inflation steigt und Unsicherheit entsteht. Die EZB verfolgt ebenfalls als primäres Ziel Geldwertstabilität, da aus einer übermäßigen Inflation negative soziale und wirtschaftliche Folgen resultieren.
Im Maastricht-Vertrag von 1992 einigten sich die EG-Mitgliedstaaten auf Konvergenzkriterien, die Staaten erfüllen müssen, die den Euro einführen wollen. Zwei dieser Kriterien sind:
•- Neuverschuldung maximal drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts
•- Schuldenstand maximal 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts
Diese Schuldenbremse wurde vereinbart, da Mitgliedstaaten mit hohem Defizit eine Niedrigzinspolitik anstreben, um eine inflationsbedingte Verringerung ihrer Verbindlichkeiten zu erzielen. Denn niedrige Zinsen fördern unter bestimmten Voraussetzungen die Inflation. Diese Niedrigzinspolitik widerspricht jedoch dem Stabilitätspakt.
Und nun schauen Sie sich folgende Grafiken an:

(Quelle: Spiegel Online, EU-Kommission)

(Quelle: Spiegel Online, EU-Kommission)
Falls die Neuverschuldung eines Staats drei Prozent des Bruttoinlandsprodukt (BIP) überschreitet, startet die Europäische Kommission ein „Verfahren wegen übermäßigen Defizits". Ausnahmen sieht der Stabilitätspakt nur vor, wenn ein außergewöhnliches Ereignis auftritt (z. B. eine Naturkatastrophe) oder sich das betroffene Land in einer schweren Wirtschaftskrise befindet, was der Stabilitätspakt als ein Zurückgehen des BIP um mindestens 0,75 % definiert. Aufgrund der aktuellen Sparmaßnahmen dürfte Griechenland diese Voraussetzung sicher bald erfüllen. Für alle anderen Staaten ist jedoch aktuell eher mit einem BIP-Wachstum zu rechnen.
Infolge der weltweiten Finanzkrise hatten zuletzt 20 der 27 EU-Mitgliedsstaaten die Kriterien des Stabilitäts- und Wachstumspaktes nicht mehr erfüllt. Als besondere Wackelkandidaten, die ebenfalls in eine Situation wie Griechenland geraten könnten, werden derzeit die folgenden gehandelt.

(Quelle: Spiegel Online, EU-Kommission)
Sollten sich hier die Entwicklungen ebenfalls zuspitzen, und davon gehe ich langfristig absolut aus, würden wir die aktuellen Kurse im Euro für einen langen, sehr langen Zeitraum nicht mehr sehen.
Entnommen habe ich diese Grafiken aus einer recht anschaulichen Fotostrecke bei Spiegel-Online, die Sie unter folgendem Link vollständig betrachten können: http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-54361.html
Hier finden Sie insgesamt 10 wirklich aufschlussreiche Grafiken.
Und nun werfen wir einen Blick auf den Euro:
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Taubert (10.05. 2010 14:25 Uhr):
Ist Großbritannien nicht Mitglied der EU? Oder habe ich es in den Tabellen überlesen? Vielen Dank für Ihre Antwort. Hans Taubert
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus (11.05. 2010 09:15 Uhr):
Guten Tag ! Großbritannien ist Mitglied der EU, gehört jedoch nicht zu den Euro-Staaten, als den Ländern, die den Euro als Währung haben. Mit freundlichen Grüßen Sven Weisenhaus
- Antwort von Sven Weisenhaus (11.05. 2010 09:15 Uhr):
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