Ist der Dax überhitzt?
Jochen Steffens in Investors Daily zum Thema Dax 30
vom 17. April 2007 18:00 Uhr
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Seltsam, alle mit denen ich zurzeit rede, empfinden den DAX als überhitzt. Ich erhielt heute zudem mehrere Mails mit der Frage, ob man seine Position nun nicht verkaufen solle.
Dax steigt 14 % in 23 Handelstagen
Natürlich ist es heftig, wenn der DAX vom Tief bei 6444 Punkten mal eben ohne nennenswerte Konsolidierung um über 14 % auf 7352 Punkte ansteigt. Das sind 908 Punkte in 23 Handelstagen. Ebenso natürlich steigt die Gefahr einer Konsolidierung mit jedem weiteren Aufwärtspunkt, den der Dax macht, keine Frage! Und der DAX ist wahrscheinlich auch überhitzt - aber niemand weiß, wie lange so einer Überhitzung weiter gehen kann.
Zudem wird der Takt der Börsenmusik wird nach wie vor in den USA vorgegeben. Und aus diesem Grund müssen wir uns die aktuellen US-Charts anschauen, um die Frage ob es weiter gehen kann oder nicht, zu beantworten. Zudem finde ich es fast schon verdächtig, dass wirklich jeder von einer Überhitzung/Übertreibung redet. Sie wissen, die Masse liegt schließlich immer falsch.
Der Nasdaq100 wieder einmal an der 1850er Marke
Der Nasdaq100 steht wieder an der wichtigen 1850 Punktemarke, der alten oberen Begrenzungslinie seines Seitwärtstrends, von dem ich schon seit Anfang des Jahres rede.
Sollte er diese überwinden, dann wäre der Weg für weitere 120 Punkte frei. Was dann der DAX macht, können Sie sich vorstellen. Aber Sie kennen auch meine alte Regel:
Eine Seitwärtsbewegung ist eine Seitwärtsbewegung ist eine Seitwärtsbewegung!
Das heißt, wir müssen insofern davon ausgehen, dass der Nasdaq 100 den Ausbruch nicht schafft. Es sei denn, es gäbe triftige Gründe, die für einen solchen Ausbruch sprechen würden. Ein Grund ist, dass der Nasdaq100 zuvor nach unten einen Fehlausbruch versucht hat. Oft, kommt es nach einem falschen Ausbruch nach unten, zu einem nachhaltigen Ausbruch nach oben. Doch das alleine reicht nicht als Kriterium. Wie immer muss man hierfür auch auf andere Charts zurückgreifen:
Der S&P500 ist schon ausgebrochen!
Da gestern das Contentmanagementsystem netterweise den S&P500-Chart nicht mitgeliefert hat, zeige ich Ihnen diesen Chart dafür heute:
Sie sehen, der S&P hat sein letztes Hoch, das er vor der Konsolidierung erreichte, überwinden können. Damit ist der Weg frei zum nächsten Widerstand, der bei 1530 Punkten liegt. Allerdings ist dann auch das Allzeithoch bei 1552 Punkten nicht mehr weit. Ist also dieser Ausbruch des S&P 500 ein Zeichen dafür, dass auch der Nasdaq 100 nach oben ausbrechen wird?
Wie gesagt, wenn Kurse in die Nähe von Allzeithochs kommen, dann werden sie geradezu magisch angezogen. Der S&P500 muss nur noch 5,58% ansteigen, um sein Allzeithoch zu erreichen, der DAX etwas mehr als 10%.
Aber auch der Ausbruch im S&P500 alleine reicht als Hinweis nicht aus. Also müssen wir uns auch noch den Dow Jones ansehen.
Der Dow Jones steht an seinem letzten Hoch
Der Dow Jones hat sein letztes Hoch gerade wieder erreichen können. Also auch hier besteht die Gefahr, dass er am Februar-Widerstand bei 12.795 Punkten abprallt. Eigentlich ist es ganz einfach: der DAX und der S&P500 sind schon ausgebrochen. Wenn jetzt also noch der Dow Jones folgt, dann müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn nicht auch der Nasdaq100 folgt! Dann kann auch der DAX einfach immer weiterlaufen, sogar ohne die von allen Seiten erwartete Konsolidierung. Wenn der Dow Jones abprallt, wäre Vorsicht angesagt.
Performancedruck
Alle diejenigen, die zurzeit nicht einsteigen, weil sie denken, es sei alles schon übertrieben, würden beim einem Ausbruch des Nasdaq100 das Nachsehen haben. Das ist die Gefahr, die zur Zeit von den Märkten ausgeht. Der Dax kann denjenigen, die nicht an eine weitere Rallye geglaubt haben, einfach davonlaufen. Die Schmerzen der meisten Marktteilnehmer, die dann einer explosiven Rallye zusehen müssten, ohne gut positioniert zu sein, wären sehr groß.
Ganz besonders schlimm wird es für die Institutionellen sein. Denn hier wird der Performancedruck sowieso schon immer größer. Wenn diese aktuell unterinvestiert sind, dann haben sie nur zwei Möglichkeiten: Sie hoffen auf eine Korrektur, um doch noch einzusteigen oder aber Sie springen auf den fahrenden Zug auf, müssen aber dann höhere Einstandskurse akzeptieren. Natürlich ist das mit der Gefahr verbunden, genau am Hoch gekauft zu haben.
Und wieder einmal wäre die Börse den Weg des größten Schmerzes für die meisten Börsianer gegangen, denn ich höre von vielen Seiten, dass sie massiv unterinvestiert sind. Natürlich hat der letzte Einbruch und die damalige Massenpanik diese geringe Investitionsquote verursacht.
Alles tricky
Alles ist möglich, eine Konsolidierung oder ein massiver Ausbruch. Gerade die Seitwärtsbewegung im Nasdaq100 ist kritisch. Aber die nächsten Tage werden Aufschluss über den weiteren Verlauf geben.
Erfreulich ist, dass die Berichtssaison in den USA gut zu laufen scheint. Heute schlugen Coca-Cola und Johnson&Johnson die Erwartungen, gestern präsentierte Citigroup gute Zahlen. Ich bin gespannt, ob das dem Nasdaq100 helfen kann, die wichtige Widerstandsmarke bei 1850 Punkten zu überwinden.
Wir haben jetzt schon April und sind eigentlich immer noch beim alten Thema vom Anfang des Jahres: Schafft der Nasdaq100 die 1850?
Viele Grüße
Ihr
Jochen Steffens


