Irren ist menschlich
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 20. Dezember 2007 07:30 Uhr
ENL5454
(Basierend auf einer Rede die ich vor einer Gruppe meiner geschätzten Leser in Melbourne, Australien gehalten habe… und dazu einige Dinge, von denen ich wünschte, ich hätte dran gedacht.)
Fehler werden immer wieder gemacht. In einer anständig funktionierenden Wirtschaft, werden diese Fehler gemacht... und korrigiert. Die Leute machen Konkurs. Anlagen scheitern. Projekte werden gekündigt... fallen gelassen… abgelehnt.
Aber im letzten Vierteljahrhundert sind die Zinssätze ganz allgemein gefallen. Es war eine sehr nachsichtige Wirtschaft. Die Fehler wurden trotzdem gemacht.
Doch die Kosten dafür, daneben zu liegen, sind gefallen.
Man konnte mehr für ein Haus bezahlen, als man hätte bezahlen können... doch kein Problem, man konnte mit geringeren Zinssätzen refinanzieren. Und dann würden die Preise steigen – und das Problem war gelöst.
Oder man konnte für eine Aktie zu viel bezahlen. Auch hier haben die zurückgehenden Zinssätze die Aktienpreise ganz allgemein nach oben getrieben – man konnte fast nicht verlieren. Und dann, in den fünf Jahren von Sommer 02 bis Sommer 07, sind die Fehler praktisch verschwunden.
Die Leute hätten den Konkurs wollen können – aber die Kreditindustrie hätte sie nicht gelassen. Zentralbanken und Kreditgeber tauchten immer wieder mit noch mehr Geld auf! Oder man konnte ein Haus kaufen... oder ein strukturiertes Anlageinstrument, und ganz egal wie dumm man war, man würde durch das leichte Geld und die steigenden Preise bei den Anlagewerten gerettet werden. Man konnte dabei sogar wie ein Genie wirken.
Sieht man sich die Wirtschaft selbst an, sind die Fehler, als die Flut des Geldes hereinschwappte, unter der Oberfläche verschwunden. Üblicherweise gab es in den Vereinigten Staaten ungefähr ein Quartal Korrektur – mit negativen Wachstum – auf jeweils vier bis fünf Quartale Expansion. Doch in jüngster Zeit ist das Verhältnis von Korrekturen zu Wachstum auf lediglich ein Quartal von 19 Quartalen zurückgegangen. Nähern wir uns der Perfektionierung der menschlichen Rasse und es gibt einfach weniger Fehler als je zuvor... oder gibt es deutlich mehr Fehler, die eine Korrektur nötig haben?
Wir werden sie nicht auf den Stuhlkanten sitzen lassen. Eine unbeantwortete Frage ist wie eine nicht vollzogene Ehe, man hat die Last ohne den Lohn. Also hier ist die Antwort:
Die Investoren machten in den letzten sechs Jahren nicht weniger Fehler, Investoren machten mehr Fehler.
Wir lernen nicht aus den Erfolgen, sondern aus den Fehlern. Also sind wir der Sowjetunion dankbar. Sie zeigte, was man mit Zentralplanung und Preiskontrollen erreichen kann. Zuerst glaubten die prominenten Wirtschaftler im Westen die Zahlen aus Moskau. Und dann stellten sie fest, dass die Zahlen etwas fragwürdig waren.
Und als schließlich die Sowjetwirtschaft am Rande des Zusammenbruchs stand, stellten sie fest, dass man sie für dumm verkauft hatte. Den Sowjets war es gelungen, eine wertschrumpfende Wirtschaft hervorzubringen.
Sie nahmen die Rohmaterialien aus der Rede… fügten Arbeitszeit, Organisation, Fähigkeiten und Kapital hinzu… und verwandelten sie in fertige Produkte – die weniger wert waren als die Rohmaterialien selbst. Je härter sie arbeiteten, desto ärmer sind sie geworden.
Sie waren nicht die ersten, die unter Beweis stellten, dass Preiskontrollen nicht funktionieren. Jedes Mal, wenn jemand es mit Preiskontrollen versuchte – egal ob der Kaiser Diokletian, oder Richard Nixon oder Robert Mugabe – die Ergebnisse waren eine Katastrophe.
Warum? Weil die kontrollierten Preise Lügner sind. Sie sagen einem, was immer man hören möchte, sie führen die Investoren, die Geschäftsleute und die Verbraucher in die Irre.
Einst war ich, vor fast drei Jahrezehnten, im Flugzeug auf dem Weg von Moskau nach Minsk in Weißrussland. Neben mir saß eine junge Frau, die einen Toilettendeckel auf ihrem Schoß hielt. „Was haben Sie mit dem Toilettendeckel vor”, fragte ich sie verwundert. „Ach, ich konnte in Minsk keinen finden. Deswegen bin ich nach Moskau geflogen, um einen zu besorgen.“
Weiteres Nachfragen brachte zu Tage, dass die Preiskontrollen dazu geführt hatten, dass Toilettendeckel in Minsk vom Markt verschwunden waren… gleichzeitig war der Preis eines Flugtickets nach Minsk auf ungefähr 10 Dollar reduziert worden. Die junge Frau hat genau das getan, was unter diesen Umständen vernünftig gewesen ist. Das gleiche hat auch die Wirtschaft der Sowjets getan – sie hat sich einige Jahre später selbst zerstört.
Westliche Wirtschaftler erzählen gerne solche Geschichten. Sie führen dazu, dass sie sich überlegen fühlen.
Aber nur wenigen fällt auf, dass ihre eigenen Banken den wichtigsten Preis von allen kontrollieren – den Preis von Krediten.
Ihnen fällt auch nicht auf, dass ein künstlich gering gehaltener Kreditpreis dazu führt, dass ganze Generationen von Amerikanern – und dazu auch Engländern – Fehler machen. Sie leihen sich zu viel Geld und geben zu viel Geld aus. Diese Fehler sind so groß, dass ihre gesamten Ökonomien anfangen, rückwärts zu laufen – und das Vermögen des einfachen Mannes zerstören, Wert von amerikanischen Häusern… Löhnen und anderen Vermögenswerten abziehen.
Ja, es stimmt. Der durchschnittliche amerikanische Bürger ist heute ärmer als vor fünf Jahren… und vielleicht sogar noch ärmer als vor 30 Jahren.
Wie ich schon of auf diesen Seiten erwähnt habe, ist er heute stärker verschuldet… hat höhere Ausgaben (die Preise für Lebensmittel und Treibstoff steigen)… doch er hat immer noch mehr oder weniger das gleiche Einkommen.
Wie ist es in einer boomenden Wirtschaft möglich, dass sie dazu führt, dass die Leute ärmer werden?
Nun, darum geht es doch nur bei den Fehlern.
Weil sie die Preise für Kredite zu gering setzte, hat die Regierung verursacht, dass eine ganze Generation von Amerikanern falsch einschätzte, wie reich sie ist.
Sie taten das, was Leute tun, die denken, dass sie reicher sind, als sie in Wirklichkeit sind – sie haben zu viel Geld ausgegeben. Sie haben zu viel Geld geliehen. Sie haben sich zu sehr fremdverschuldet. Und um es kurz zu machen:
Sie haben es übertrieben.
Und selbst wenn sie erkannten, dass sie nicht wirklich reicher waren… glaubten Sie an die Versprechen des modernen Zoo-Kapitalismus. Seit den Revolutionen von Reagan und Thatcher, glauben die Leute an diese neue Form des Kapitalismus – bei dem die wilden Tiere hinter Zäunen blieben.
Es war ein Kapitalismus ohne Angst... Wachstum ohne Rezession... Boom ohne Krise... Schöpfung ohne Zerstörung.
Es war ein Kapitalismus, dem die Zentralbanker vorsaßen – mit der Macht den Preis des Geldes, wann immer sie wollen, festzusetzen. Um die Defizite ging es nicht mehr, glaubten die Leute. Dick Cheney hatte das gesagt. Es war ein Kapitalismus ohne Fehler, wo man, ganz egal wie dumm man war... ganz egal wie hoch man griff... ganz egal in welche bekloppte Geschichte man sich stürzte... immer in Honig landete.
Es war fast zu wunderbar.
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