Irland
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 19. November 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
die Anzeichen für eine finanzielle Unterstützung Irlands verdichten sich immer mehr. Nachdem das Land diese Unterstützungen bisher stets abgelehnt hatte, weil damit unangenehme Auflagen (Sparmaßnahmen, Steuererhöhungen – das Niedrigsteuerland ist vor allem für Unternehmen interessant) verbunden sind, ist nun ein zweistelliger Milliarden-Kredit von EU und IWF zur Lösung der Schuldenprobleme im dortigen Bankensektor im Gespräch.
Irland hat bisher rund 35 Milliarden Euro in das Bankensystem gepumpt, um den Kollaps zu verhindern, was nicht ausreichte. Die Ratingagentur Standard & Poors fürchtet, dass schlimmstenfalls sogar 90 Milliarden Euro nötig sein könnten. Nun, der europäische Rettungsschirm ist ja groß genug. Allerdings kommt damit langsam das Grundproblem zum Tragen: Wurde nicht bei Verabschiedung dieses Rettungsschirmes versprochen, dass dieser nur eine Garantie darstelle, die niemals in Anspruch genommen werden würde? Momentan sieht das jedenfalls anders aus. Wie Sie wissen, steht Deutschland zu einem erheblichen Teil für die Mittel aus diesem Rettungsfond ein.
Wegen der Finanzspritzen für die Geldhäuser wird das irische Haushaltsdefizit in diesem Jahr auf 32 Prozent steigen. Die Gesamtverschuldung liegt bei rund 100 Prozent des Bruttoinlandsproduktes von rund 160 Milliarden Euro. An den Kapitalmärkten wurde die Entwicklung gestern mit Entspannung begrüßt. Der Euro konnte sich von den jüngsten Kursverlusten erholen, ebenso die Aktienmärkte. Da sich in der Sache etwas bewegt, dürfte nun wieder zur Tagesordnung übergegangen werden. Und die lautet vermutlich: Jahresendrally auf Teufel komm raus. Risiken oder Bewertungen scheinen momentan niemanden zu interessieren. Bis vielleicht wieder ein lichter Moment kommt. Wie etwa im Januar dieses Jahres. Auf Vernunft an Finanzmärkten würde ich allerdings nicht wetten. Nicht mehr.
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