Irgendetwas Schlechtes passiert
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 29. März 2004 18:00 Uhr
ENL5454
"Bush ist nicht besonders intelligent, weil er sein Wirtschaftsprogramm in Ohio vorgestellt hat. ER hätte dahin gehen sollen, wo sein Plan wirklich zu mehr Beschäftigung geführt hat. Indien, Thailand oder China ..."
- Jay Leno
Letzte Woche habe ich meine Recherchen zur nächsten großen Investment-Story fortgesetzt: Ich war zum Abendessen in einem indischen Restaurant.
Die freundliche Kellnerin erklärte mir, dass sie aus der Kerala-Provinz im Süden Indiens stamme.
"Und ich gehe dahin zurück", sagte sie mir. "Indien boomt ..."
Sie servierte mir viele scharfe Spezialitäten; sie waren essbar, wirklich pikant ... und führten dazu, dass ich an diesem Abend die ganze Zeit über in meinem Bett hin und her warf und Visionen hatte. Von Millionen und Abermillionen schwarzhaariger, dunkelhäutiger Arbeiter ... die Tag und Nacht arbeiten ... die die Periodentafeln der Chemie auswendig lernen ... Computer abholen und die neu zusammensetzen ... Codes schreiben ...
Alan "Spekulationsblasen" Greenspan und George W. Bush und all die großen Positiv-Denker versichern uns, dass wir nichts fürchten müssen. Mein Lieblings-Kolumnist (über seine abstrusen Gedanken kann ich immer wieder herzhaft lachen), Thomas L. Friedman von der New York Times, erklärte, dass "der nächste große Trend immer aus Amerika kommt ... (weil) ... Amerika es ermöglicht, die eigenen Gedanken zu erforschen." Friedmans Ansicht basiert auf ein paar Schlüssel-Illusionen. Er glaub, dass die Welt ein besserer Platz wäre, wenn Amerika aggressiver vorgehen würde beim "Aufbau von Demokratien" und der "Verbesserung der Lage der Frauen". Er denkt auch, dass technische Innovationen Amerika einen permanenten Vorteil geben werden. Die Amerikaner erfinden alles, sie haben sogar das "Outsourcing" erfunden, sagt Friedman:
"Sicherlich hat Bangalore (im südlichen Indien) viele Ingenieurs-Schulen, aber die lokale Regierung ist sehr korrupt; in der Hälfte der Stadt gibt es keine Bürgersteige; es gibt regelmäßige Stromausfälle; die Flüsse sind total verschmutzt; das öffentliche Schulsystem funktioniert nicht; im Straßenverkehr laufen Bettler herum, die von den Fahrern Geld erbeten ..." und so weiter.
Ich würde diesen Platz wahrscheinlich mögen – bis auf die Ingenieurs-Schulen erinnert mich diese Beschreibung an meine Heimatstadt Baltimore.
Innovationen sollen zur Gründung von neuen Geschäften führen, zu neuen Technologien, neuen Industriezweigen ... und neuen Jobs. Aber was ich vom US-Arbeitsmarkt höre, das ist nicht gerade ermutigend.
Aber das macht den republikanischen Ökonomen keine Sorgen. Wie alte Kleidung und alte Schulbusse, so werden auch die Jobs von gestern in arme Länder exportiert ... während die neuen, glänzenden Jobs in Amerika geschaffen werden. Aber was für neue Jobs? Ich weiß es nicht, aber die versichern uns, dass Amerika so innovativ sei, so dass Amerika da schon was einfallen wird. Das war schon immer so, wie Greenspan vor kurzem vor dem US-Kongress erklärte.
"Diesmal könnte es anders sein ..." sagte mein Kollege Dan Denning letzte Woche dazu. "Niemals zuvor seit dem Beginn der industriellen Revolution ( ...) gab es so viele Leute außerhalb der westlichen Welt, die so wettbewerbsfähig- und willig zu uns (den USA) waren. Niemals zuvor hatten die soviel Geld. Während die Amerikaner all ihr Geld ausgeben – und mehr als das ... spart der durchschnittliche chinesische Arbeiter mehr als 20 % von allem, was er verdient."
Es gibt mehr Ingenieure in Indien als in den USA. Sie arbeiten gut ... und billig, denn sie verdienen im Jahr durchschnittlich nur ca. 6.000 Dollar. Und sie scheinen so innovativ wie ihre amerikanischen Gegenstücke zu sein. Die Software für DVDs wurde in Bangalore entwickelt, und nicht im amerikanischen Silicon Valley, so die französische Zeitung Libération. Das Philips Forschungszentrum in Bangalore hat in den 7 kurzen Jahren seit seiner Gründung schon 1.500 neue Erfindungen hervorgebracht.
Diese Trends mögen den Demokraten nicht mehr Sorgen bereiten als den Republikanern ... aber es ist ein Wahljahr, und deshalb werden die Wähler beschwindelt. Die Demokraten bieten an, "etwas zu tun", um "die amerikanischen Jobs zu schützen". Was sie tun würden, das wäre entweder vergeblich oder schädlich, aber das ist das, was man erwarten kann.
Es gibt eine Menge Dinge, die zu den Wählern gesagt werden, wenn die Kameras an sind. Aber niemand wird dem amerikanischen Arbeiter direkt ins Gesicht sehen und ihm sagen, dass er für das, was er tut, zuviel verdient. Ein Politiker könnte genauso gut Benzin über seinen Kopf schütten und dann ein Feuerzeug anmachen; die Medien würden ihn innerhalb von Minuten zerschmettern ... seine Karriere in der Politik wäre zerstört ... und er müsste sich einen ehrlichen Job suchen.
Ich mag es nicht, meine Leser(innen) zu enttäuschen. Und wenn ich durch irgendein Unglück in ein öffentliches Amt gewählt würde ... dann würde ich sofort zugeben, dass ich die Nacht mit einer Prostituierten verbracht hätte ... und dann eine Nachwahl verlangen. Ich schreibe lieber für den Investor's Daily. Denn hier kann ich ohne großes Risiko schreiben ... ich habe nichts außer meinem Ruf zu verlieren. Mit anderen Worten: Ich habe wenig zu verlieren.
Jahrelang hatten die Amerikaner am internationalen Arbeitsmarkt leichtes Spiel. Das Spielfeld war zu ihrem Vorteil angelegt, dank den Fähigkeiten, des Kapitals, der Infrastruktur und der Institutionen und Gewohnheiten, die sich in vielen Generationen aufgebaut hatten. Die Amerikaner werden noch für viele Jahre einen Vorteil haben ... aber ihre Vorteile bauen sich jeden Tag weiter ab.