Irak-Krieg – ein zweites Vietnam? / Nokia schockt die Märkte
Jochen Steffens in Investors Daily zum Thema Global Anlegen
vom 06. April 2004 18:00 Uhr
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Erneut 60 Tote bei Unruhen im Irak, das kommt gerade über die Ticker. Der Irak destabilisiert sich weiter. Für Bush wird es eng, denn eine Destabilisierung im Irak könnte ihn die Wiederwahl kosten. Deswegen ist anzunehmen, dass die Amerikaner genau das Falsche tun und hart, sehr hart durchgreifen. Das könnte zu einer kurzfristigen Beruhigung führen, wird aber den wachsenden Antiamerikanismus in der Region weiter antreiben.
Nein, die Amis werden es sehr schwer haben, im Irak zu bleiben. Sie haben sich grundlegend verschätzt, eigentlich in allem was den Irak und den Krieg anbetrifft. Sie haben mit mehr Gegenwehr von Saddams Armee gerechnet, mit mehr Unterstützung ihrer Alliierten, mit mehr Unterstützung durch das irakische Volk, mit mehr Öl in kürzerer Zeit, mit mehr Demokratiebereitschaft, mit weniger Kosten, mit weniger toten US-Soldaten, mit weniger moslemischem Fundamentalismus und später mit weniger Widerstand – allgemein.
Auffällig ist, dass in den Medien immer häufiger der Irakkrieg mit dem Vietnamkrieg verglichen wird. Wird der Irak-Einsatz ein ähnliches Ende nehmen, wie damals der Vietnamkrieg? Welche Folgen eine Besetzung "gegen den Willen der Bevölkerung" für das besetzte Land und auch für den Besatzer hat, zeigt uns immer wieder die Geschichte.
Man fühlt sich erinnert – an Russland in Afghanistan und welche Folgen dieser Einmarsch für das Volk hatte, bis hin zum Taliban-Regime. Für Russland war Afghanistan vielleicht ähnlich traumatisierend wie der Vietnamkrieg für die USA. Die hohen Verluste an Menschenleben, die ausufernden Kriegslasten, welche die wirtschaftliche Situation in den UDSSR weiter verschlechterten und der Protest der zurückkehrenden Kriegsveteranen schufen in der UdSSR ein beachtliches Krisenpotential, durch das zusätzlich der Druck auf die Führung erhöht wurde, Reformen durchzuführen. Die Folgen sind bekannt.
Es gibt unzählige andere Beispiele, auch in der jüngeren Geschichte, von letzten Endes gescheiterten Besatzungen (z.B. auch Osttimor). Welche negative Folgen der Irak-Krieg für die USA wirklich haben wird, ist zurzeit reine Spekulation. Angesichts der geschichtlichen Erfahrung sollte man diese jedoch nicht unterschätzen.
Am 30. Juni soll die Macht an das "irakische Volk" übergeben werden. Ich bin gespannt, ob es dazu kommt und was dann passiert. Im US-Kongress werden jedoch Zweifel laut, ob dieser Termin eingehalten werden kann.
Eine Eskalation im Irak wird den Ölpreis belasten und sehr wahrscheinlich auch die amerikanischen Börsen. Immerhin hoffen viele amerikanische Unternehmen darauf, von der Erschließung, dem Wiederaufbau und der Vermarktung der irakischen Erdölfelder zu profitieren.
Nach Deutschland:
Heute wurden die neusten Arbeitsmarktdaten veröffentlicht, eine Enttäuschung. Die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl ist um 44.000 auf 4,344 Millionen gestiegen. Erwartet wurde ein weitaus geringerer Anstieg um die 11.000.
(Achtung Satire:)
Aber ich habe DIE Lösung für Deutschland. Machen wir es wie die Amerikaner: Der deutsche Staat sollte sich mehr verschulden. 4 Mio. Arbeitslose, die zusätzlich zu Ihrem Arbeitslosengeld/hilfe noch 1000 Euro jeden Monat dazu bekommen. Das sind nur 4 Mrd. Euro jeden Monat, im Jahr 48 Mrd. Euro. Vollbeschäftigung für 48 Mrd. Euro! Also ungefähr etwas mehr als das Doppelte, was aktuell bereits an Arbeitslosengeld/-hilfe bezahlt wird. Wo ist das Problem? Zusammen sind das also ca. 88 Mrd. Euro jedes Jahr. Das sind doch nur ca. 20 % der gesamten Steuereinnahmen 2003 (441,79 Mrd. Euro).
Natürlich müsste der Staat Jobs schaffen, damit das Geld nicht so offensichtlich verschenkt wird – wie wäre es mit einer neuen Antiterrorschutzbehörde. Wenn 4 Mio. Menschen in der Antiterrorschutzbehörde arbeiten, wäre Deutschland natürlich sicher – wofür noch Privatsphäre? Wenn man sich vorstellt, was diese ganzen neuen Terrorschutzbeauftragten konsumieren ... Ich schätze, Deutschland würde kurzfristig ein beachtliches Wirtschaftswachstum erreichen.
Ein genialer Plan – um die explosionsartig steigenden Zinsen zu bezahlen, verschulden wir uns noch etwas weiter, später drucken wir einfach mehr Geld, damit wir die Zinseszinsen der immer weiter ausufernden Schulden auch noch bezahlen können, wenn dann das ganze Geldsystem zusammenbricht und eine Inflation das ganze Kapital der Sparer und die Bezüge der Rentner und die Sozialleistungen und die Jobs und die Unternehmen auffrisst ... vielleicht sind wir dann ja schon alle tot. Machen wir es, wie die Amerikaner ...
Zum Nasdaq100:
Achten Sie auf das Gap (Kurslücke) bei 1460 Punkten, dieses wird wahrscheinlich in den nächsten beiden Wochen noch geschlossen ... Ansonsten: Wichtige US-Konjunkturdaten sind heute nicht zu erwarten.
Auf jeden Fall fängt die Berichtssaison zum ersten Quartal bereits vielversprechend an. Nokia hat heute im Vorfeld bereits für ein wenig "Stimmung" gesorgt: