IPIX Gewinne, Gold, und ungeschehene Geschichte
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 04. Juni 2004 12:00 Uhr
ENL5454
Nachdem mein Kollege Ian Cooper im April Gewinne von 246 %, 107 % und 144 % in weniger als 3 Wochen an einer einzelnen Aktienposition vom Tisch nahm, sprang sein Extreme Volatility Speculator (EVS) Team heute erneut in Aktion.
Ian wirkte recht zufrieden mit sich. Er hatte auch guten Grund dazu. Denn heute, fünf Wochen nach der IPIX-"Trifecta", nahm er erneut einen 50 %igen Gewinn, indem er die Hälfte seiner am 26.5. bezogenen IPIX Position verkaufte. Besonders befriedigend war natürlich, dass TheStreet.com, das Sprachrohr des sagenumwobenen Jim Kramer, am Tag des Kaufs diese Aktie nebst drei anderen Sicherheits-Werten noch als "unattraktiv" abgetan hatte.
Manchmal muss man halt gegen den Strom der Massenmeinung schwimmen ... auch wenn sowas in Europa nicht sehr populär zu sein scheint: Heute morgen nannte kein geringerer als Homeland Security-Chef Tom Ridge IPIX als eine der hervorragenden Beiträger zum US Grenzschutz. Das reichte bereits, um die vom EVS-eigenen analytischen System berechnete Reaktionskette auszulösen.
(Ian denkt, für die übrigen 50 % seiner IPIX-Position gibt es noch ein dreistelliges Zugewinnpotential.)
*** Der Dollar sank am Donnerstag milde gegen den Euro und stieg etwas energischer gegen den Yen als die Europäische Zentralbank weiterhin darauf bestand, den letzten Krieg weiterzukämpfen und Zinssätze nicht zu senken. Interessant auch die massiven Verkäufe von Australischen und Neuseeländischen Dollars für Euros, über die Herr Vaupel ja vielleicht mal kurz reden könnte ...
Gold schlappte wieder ab und endete den New Yorker Handelstag bei unter US$ 388 pro Feinunze ... 10 Dollar unter dem Hochpreis vom Montag. Ist die Bear Rally für Gold vorbei? Ich bat Adam Lass und seine Kollegin Ann Sosnowski, mir morgen die neuesten Charts für den XAU verständlich zu machen ... was ich gerne nach Deutschland weitergebe.
*** Mein Londondonaufenthalt letzten Monat brachte mich in den Besitz eines Buchs, das ich wärmstens empfehlen kann: Andrew Roberts' "What Might Have Been: Imaginary History from Twelve Leading Historians" (Weidenfeld & Nicholson, 2004).
(Seitdem ich 1983/84 an der FU Alte Geschichte bei Prof. Alexander Demandt belegte (der zur selben Zeit ein Buch namens "Ungeschehene Geschichte" veröffentlichte), bin ich an hypothetischer Alternativgeschichte sehr interresiert.)
Mein Lieblingskapitel bei Roberts war nun Adam Zamoyski's "Napoleon Triumphs in Russia", in welchem Zamoyski die Wahrscheinlichkit einer rechtlichen und wirtschaftlichen Integration Europas unter dem Code Napoleon entwickelt. Diese resultiert in einer biedermeierlichen EU und eliminiert das Aufkommen des Nationalismus und der deutschen Einigung. Durch Fehlen nationalistischer Feuerbrände und grimmiger Emigranten bleibt auch der Sozialismus ein intellektuelles Phänomen ohne praktische politische Schlagkraft.
Die wuchernde Bürokratie jedoch hat ihre Folgen: "Weil Politik wenig mehr bedeutete als ein bürokratisches Tauziehen um die unterschiedlichen Ansätze, der großen Mehrheit das Leben leichtzumachen, vermieden Menschen mit Initiative und Ideen das öffentliche Leben. Und als die Regulationswut es zunehmend schwerer machte, Geld zu verdienen, verließen die meisten jungen Menschen mit Unternehmergeist Europa auf der Suche nach einem weniger reglementierten Leben. Staaten wie die USA, das Kaiserreich Brasilien und eine Anzahl kleinerer Länder im Süden Afrikas und in Fernen Osten profitierten immens davon und entwickelten sich zu dominanten Wirtschafts- und Kulturzentren."
Könnte "Ungeschehene Geschichte" eng verwandt mit Futurologie sein ...?
Mit schönem Gruß, leider nicht von den sinkenden Malediven,
Ihr
J. Christoph Amberger, Executive Publisher, The Taipan Group