Warum sogenannte „Director Dealings“ bares Geld wert sein können

Kennen Sie die Beteiligungsgesellschaft Ventus Venture oder die Kötlitzer Ledertuch- und Wachstuch-Werke? Nein? Dann machen Sie sich doch mal die Mühe und schauen, wer hier unter anderem Anteilseigner ist. Zugegebenermaßen ist es nicht ganz leicht herauszufinden. Auch ich musste einige Anläufe beim Recherchieren unternehmen. Aber die Suche lohnt.

An der Ventus Venture ist zum Beispiel Familie Klatten beteiligt. Daneben finden sich in deren Familiendepots auch wesentliche Unternehmensanteile von BMW, Altana, SGL Carbon oder auch Nordex. Eben erwähnte Ventus Venture Beteiligungsgesellschaft hat in den vergangenen 4 Wochen Stück für Stück ihren Anteil an Nordex, einem Hersteller von Windkraftanlagen, aufgestockt. Mindestens 345.762 Aktien wurden zu einem Durchschnittskurs von 7,06 Euro eingesammelt.

Warum ich das alles so genau weiß und warum ich das alles so spannend finde

Frau Klatten gilt als die reichste Frau Deutschland. Und wenn Familie Klatten oder sonst eine größere Unternehmerfamilie Aktien kauft oder verkauft, dann hat das doch mindestens Signalwirkung, oder? Das Nordex-Engagement der Familie Klatten hat über 2,4 Mio. Euro gekostet. Sind Sie nicht auch der Meinung, dass diese Summe Kurse bewegen kann? Übrigens: die Nordex-Aktie steht aktuell bei ca. 7,20 Euro.

Das Wertpapierhandelsgesetz macht es möglich, dass Transaktionen mit Signalwirkung öffentlich gemacht werden müssen. § 15a I WpHG besagt, dass „Director´s Dealings“ sowohl dem Emittenten als auch der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) innerhalb von 5 Werktagen mitgeteilt werden müssen.

„Directors“ sind in diesem Fall sowohl Personen, die in dem betreffenden börsennotierten Unternehmen Führungsverantwortung übernehmen als auch Personen, die diesen Managern nahe stehen (z.B. Ehe- oder Lebenspartner, Kinder und andere Verwandte etc.). Auf der Seite der BaFin finden Sie eine Recherchemöglichkeit zu den aktuellen „Directors Dealings“ : http://ww2.bafin.de/database/DealingsInfo/

Als Aufsichtsrat bei Nordex hat Familie Klatten eine Insiderposition inne und verfügt über Firmenwissen, das den Analysten und Banken in dieser Form nicht zur Verfügung steht. Sie als Anleger können also von der Offenlegungspflicht der „Director Dealings“ nur profitieren.

Falls Sie nicht selber recherchieren wollen oder keine Zeit für die Informationssuche haben…

… der Turnaround-Brief veröffentlicht zum Beispiel regelmäßig die größten Insidertransaktionen der vergangenen zwei Wochen. Auch die Nordex-Transaktion finden Sie dort aufgelistet. Und trotzdem rät Redakteur Marcus Neugebauer, die Aktie momentan eher zu beobachten: „Die Aktie von Nordex schiebt sich langsam an das bisherige Jahreshoch bei 8,38 Euro heran. Gelingt der Sprung darüber, ist die Bodenbildung beendet. Dann sind rasch zweistellige Notierungen möglich“

Im Zweifel ist es eben doch besser, Insider-Informationen zu haben aber (noch) nicht zu nutzen, als entgangenen Chancen hinterher zu trauern!

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Börsenwoche!

Ihre
Sandra Witscher

Sandra Witscher
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