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Immer weniger Anleger interessieren sich für die Aktienanlage!

DAX = 14,6 Prozent, Dow Jones = 9,4 Prozent, S&P 500 = knapp 11 Prozent, Nasdaq = 17,5 Prozent. Was Ihnen diese „Wasserstände“ sagen sollen? Ganz einfach: 2010 könnte man - betrachten Sie die jeweilige Jahresperformance der Indizes - durchaus als ein erfolgreiches Jahr bezeichnen, wenn Sie denn in diesen Märkten investiert waren.

 

Und doch hat der Glanz der vielen positiven Vorzeichen offenbar nicht viel genutzt. Denn deutsche Anleger haben sich auch im vergangenen Jahr zunehmend weniger für die Aktienanlage interessiert. Einer Studie des deutschen Aktieninstituts DAI zufolge ist die Zahl der Aktionäre und Besitzer von Aktienfondsanteilen im zweiten Halbjahr 2010 um fast eine Million gesunken. Insgesamt waren nur noch 8,2 Mio. Anleger in Deutschland direkt oder indirekt in Aktien investiert. Zum Vergleich: In der Spitze hatten wir 12,8 Mio. Anleger. Das war 2001 zu Hochzeiten der „New Economy“. Seitdem bröckeln die Zahlen sukzessive ab.

 

Aktien sind ein wichtiger Bestandteil einer vernünftigen Altersvorsorge

Ich kann dem DAI nur beipflichten, wenn das Institut die Aktie „als Baustein der privaten Vermögensbildung, insbesondere der ergänzenden Altersvorsorge „ für unverzichtbar hält. Ich weiß, die Aktie hat bei vielen Anlegern nicht den besten Stand. Schaue ich mir die Jahre 2002 und 2008 an, dann verlor der DAX in diesen Jahren jeweils über 40 Prozent seines Wertes. Diverse Krisen wie zum Beispiel die geplatzte „Dotcom-Blase“ in 2000 oder auch die weltweite Finanzkrise in 2008 sind hausgemacht und hinterlassen ein schales Gefühl bei den Aktionären. Dies sind alles keine Ereignisse, die das Vertrauen der Anleger stärken. Aber so wie Sie es bei der Lebensversicherung sehen, sollten Sie es auch mit der Aktienanlage halten: Betrachten Sie Aktieninvestments als langfristiges Engagement.

 

Erst vor einigen Wochen waren zum Beispiel die Zeitungen voll von der Meldung, dass die Lebensversicherungen Ihre Überschussbeteiligungen senken. Wie ich gehört habe, plant der Finanzminister ab Mitte des Jahres, den Garantiezins für neue Lebensversicherungen von aktuell 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent abzusenken. Das hört sich vielleicht im ersten Moment nicht viel an, aber wenn Sie dies auf 30 Jahre hochrechnen, ist dies schon keine Kleinigkeit mehr. Rechnen Sie dann noch die Verwaltungskosten der Versicherer sowie die Provisionen der Vermittler hinzu, dann kann es für Sie im schlimmsten Fall ein Verlustgeschäft werden.


Langfristig gesehen machen Sie mit Aktien nichts falsch!

Sie wissen, ich bin ein Befürworter von Aktien, gerade im Hinblick auf einen langfristigen Vermögensaufbau. Betrachten Sie einen Zeitraum von 30 Jahren - dieser Zeitraum ist durchaus auch realistisch für Lebensversicherungen - hätten Sie aus heutiger Sicht mit dem DAX eine durchschnittliche Jahresrendite von 9,3 Prozent erwirtschaftet. Aber Vorsicht, nicht jedes Jahr ist der Index um knapp 10 Prozent gestiegen. Ich habe hier einen Durchschnittswert berechnet. Die Lebensversicherer zahlen Ihren Kunden aktuell übrigens eine Überschussbeteiligung von 4 Prozent.

 

Schauen Sie nicht auf die zwischenzeitlichen Rücksetzer des DAX! Die Langzeitentwicklung ist wichtig!

Abgeltungssteuer trägt nicht dazu bei, dass sich die Akzeptanz einer Aktienanlage erhöht!

Die Einführung der Abgeltungssteuer Anfang 2009 ist nicht gerade ein Argument für eine Aktienanlage. 25 Prozent der Erträge werden sofort an das Finanzamt weitergeführt, egal ob Sie zum Beispiel eine Aktie 3 Monate oder 10 Jahre halten. Dies trägt mitnichten zu einer ausgeprägten Aktienkultur in Deutschland bei. Ich pflichte dem DAI bei, wenn er als vom Staat die Abschaffung der „steuerlichen Diskriminierung von Eigenkapitaltiteln“ fordert.

Eine Aktienanlage als ein Baustein zum Vermögensaufbau stellt keine Zockerei dar, sondern ist aus meiner Sicht ein absolutes Muss für jeden Einzelnen, schon allein im Hinblick auf eine anständige Altersvorsorge. Aber ich will ehrlich sein: Solange unsere Politiker nicht die „finanzwirtschaftliche Bildung“ der Bevölkerung vorantreiben, solange wird auch die Akzeptanz gegenüber Aktien und Co. nicht wachsen können. Aber das ist ein anderes Thema!

Ich wünsche Ihnen eine gute Börsenwoche!

Ihre
Sandra Witscher