Investieren Sie in Rohstoffe – und behalten Sie ihr letztes Hemd – Teil 2
Jim Rogers in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom 29. November 2006 12:00 Uhr
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Wenn Angebot und Nachfrage bei Rohmaterialen gründlich durcheinander geraten, dann führt das Auftauchen neuer Technologien nicht zwangsläufig dazu, dass die Balance schnell wieder hergestellt wird. Die technologischen Veränderungen haben natürlich auch dazu beigetragen, dass die Wirtschaft weniger von Öl abhängig ist. Aber wir verbrauchen immer noch eine ganze Menge davon und immer wenn es nicht genug gibt, dann steigen die Preise. Computer und Roboter leisten ganz beachtliche Dinge, aber sie können nicht nach Kupfer oder Öl suchen, wo es keins gibt oder Zucker, Baumwolle, Kaffee und Vieh schneller wachsen lassen als die Natur zulässt. Wir können den lieben langen Tag Bestellungen für Blei eingeben, doch die gesamte Internettechnologie ist vergebens, wenn es keine neuen Bleiminen gibt. Diese Technologie kann uns weder ernähren noch wärmen und die Nachfrage nach Rohstoffen wird niemals verschwinden.
„Aber sind es nicht ausschließlich die Spekulation und der günstige Dollar, die dazu führen, dass die Preise steigen?“
Natürlich können Spekulanten, die immer wieder an den Markt gehen und dann wieder aussteigen, die Preise nach oben treiben. Und auch der Dollar ist nur noch ein bleicher Schatten seiner selbst – im Vergleich zum Dollar zwischen Anfang 2002 bis Anfang 2004 und auf dem geringsten Wert verglichen mit dem japanischen Yen seit drei Jahren. Da die Rohstoffe in Dollar gehandelt werden, lässt ein schwacher Dollar die Preise höher erscheinen. Rohöl ist in Dollar innerhalb dieser zwei Jahre um 64% gestiegen, in Euro jedoch nur um 16%.
Doch der Dollar wurde im Frühjahr 2004 wieder stärker und etwas seltsames passierte: Die Rohstoffpreise stiegen dennoch weiter. Die weltweite Erholung, ganz besonders in Asien, war echt. Heute beobachten wir einen grundlegenden Strukturwandel am Rohstoffmarkt und der heißt „Nachfrage“ und „China“, eine Nation, die in den folgenden Jahren außerordentliche Mengen an Rohstoffen aller Art verbrauchen wird. Ich werde den Grund dafür später detailliert erklären. Bis dahin soll es reichen, wenn ich sage: schrumpfendes Angebot und steigende Nachfrage.
Und der Dollar hat mit beidem nichts zu tun. Ich will Sie auch an die Siebziger erinnern, als die Inflation in den USA bei ungefähr 10 Prozent im Jahr lag und der Dollar nicht mehr annähernd das kaufen konnte, was einst üblich war. Die Wirtschaft befand sich in einer anständigen Rezession – doch die Rohstoffpreise stiegen weiter. Heute sprechen wir über einen weiteren langfristigen Bullenmarkt bei Rohstoffen und weder die Spekulanten noch der schwache Dollar können das erklären. Spekulanten haben nur kurzfristige Auswirkungen. Wenn sie beispielsweise die Preise für Öl künstlich nach oben treiben, dann werden die Ölproduzenten, die überschüssige Vorräte haben, diese fröhlich auf den Markt werfen, bis sie die Preise so wieder nach unten getrieben haben. Sowohl der Dollar als auch die Spekulation haben nur einen marginalen Effekt, doch der Markt selbst ist größer als beide.
„Aber mein Aktienbroker hat gesagt, dass es riskant ist, in Rohstoffe zu investieren.“
Wie war das noch mal mit all den Cisco Aktien, die Sie 2000 besaßen? Oder JDS Uniphase oder Global Crossing? So viele dieser riskanten Aktien haben den Jahrtausendwechsel für den einen oder anderen, der zusehen musste, wie sich das Portfolio in Luft auflöste, nicht so glücklich aussehen lassen.
Wenn Sie Ihre Hausaufgaben machen und vernünftig und verantwortungsbewusst bleiben, dann können Sie vermutlich mit geringerem Risiko in Rohstoffe investieren als wenn Sie am Aktienmarkt spielten. Ich brauche wohl nicht zu betonen, dass das Investieren immer mit Risiken verbunden ist. Aber ich will Sie auf etwas hinweisen, was Ihnen vielleicht bislang noch nicht aufgefallen ist: Der Nasdaq zeigte in den vergangenen Jahren mehr Volatilität als irgendeiner der Rohstoffindizes. Cisco, Yahoo! und sogar Microsoft waren deutlich volatiler als Sojabohnen, Zucker oder Metalle. Verglichen mit den Risken der meisten Technologieaktien, wirken Rohstoffe sicher genug, um eine Rolle in den „Witwen- und Waisenfonds“ einer jeden Organisation zu spielen.
Laut einer Studie der Universität Yale mit dem Titel „Tatsachen und Phantasien über die Rohstoff-Futures“ passen die „hohen Risiken“ des Investierens in Rohstoffe nicht mit den Tatsachen zusammen. Verglichen mit den Gewinnen für Aktien, Rohstoffe und Anleihen zwischen 1959 und 2004 stellten die Autoren fest, dass die durchschnittlichen jährlichen Gewinne ihrer Rohstoffindizes „mit den Gewinnen des S&P500 vergleichbar“ waren. Die Gewinne aus den Rohstoffen und dem S&P500 schlagen die aus den Unternehmensanleihen während der gleichen Zeit. Sie stellten fest, dass die Volatilität der Rohstoff-Futures, die sie analysierten, leicht unter denen der Aktien im S&P500 lagen. Sie fanden zudem Beweise, dass „Wertpapiere im Vergleich zu Rohstoffen ein höheres Risiko des Kursrückgangs aufweisen.“
Und wie sieht es damit aus, Anteile bei den Rohstoff produzierenden Unternehmen zu kaufen, anstelle der Rohstoffe selbst? Das markiert ungefähr die Grenze dessen, wie weit die Finanzberater bereit sind zu gehen, wenn es um Rohstoffe geht. Doch Geld in diese Unternehmen zu investieren, kann sich schnell als noch riskantere Wette erweisen, als die Rohstoffe gleich selbst zu kaufen. Angebot und Nachfrage bewegen beispielsweise den Kupferpreis, während der Aktienpreis von Phelps Dodge, dem größten öffentliche getradeten Kupferunternehmen von deutlich weniger vorhersehbaren Faktoren abhängen kann, wie z.B. den allgemeinen Bedingungen des Aktienmarktes, dem Bilanzbogen des Unternehmens, den Geschäftsführern, Arbeitsproblemen, Umweltthemen und so weiter. Der Ölpreis ist in den 1970er Jahren in den Himmel geschossen, doch einigen Ölfirmen ging es nicht so gut. Die Studie aus Yale stellte fest, dass das Investieren in Rohstoffunternehmen nicht unbedingt ein Ersatz für Rohstofffutures ist. Den Autoren fiel auf, dass zwischen 1962 und 2003, „die allgemeinen Leistungen der Futures dreimal so hoch lagen, wie die allgemeinen Leistungen der ‚dazu gehörenden’ Wertpapiere.“
Und dann möchte ich Sie noch an einen der wichtigsten Unterschiede zwischen Rohstoffen und Aktien erinnern: Rohstoffe können nicht wertlos werden, während Aktien von Enron es können (und auch taten).
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