Investieren Sie in Rohstoffe – und behalten Sie ihr letztes Hemd – Teil 1
Jim Rogers in Traders Daily
vom 28. November 2006 12:00 Uhr
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Kürzlich erwähnte ich bei einer Party in New York, dass ich vor verschiedenen Gruppen in den USA und in Europa über die Möglichkeiten gesprochen habe in Rohstoffe zu investieren. Noch ehe ich ein Wort herausgebracht hatte, wurde ich von einer Frau unterbrochen. „Rohstoffe“, rief sie aus, mit einer Ungläubigkeit, die die Leute aus New York eigentlich den Menschen vorbehalten, die nach Los Angeles ziehen. „Mein Bruder hat in Schweinebäuche investiert und sein letztes Hemd verloren. Und er ist ein Wirtschaftler.“
Jeder scheint irgendwo einen Verwandten zu haben, der am Rohstoffmarkt Schläge einstecken musste und allein diese Tatsache (oder dieses Märchen) soll als Grund hinreichen, dass kein Mensch bei Verstand jemals wieder riskieren würde, sich auf derart gefährliche Dinge einzulassen. Und dass in diesem besonderen Fall das Opfer auch noch ein Wirtschaftler war, macht die ganze Warnung noch verhängnisvoller. Ich konnte jedoch nicht anders und musste lachen.
Milliarden von Dollar werden täglich in Rohstoffe investiert. Ohne den Futuresmarkt der Rohstoffe wären viele Dinge, die Sie täglich brauchen, entweder knapp oder nicht existent – aber mit Sicherheit deutlich teurer. Dazu gehört die erste Tasse Kaffee am Morgen genauso wie das Aluminium in den Sturmtüren und die Wolle Ihres neuen Anzuges.
Es ist natürlich klar, dass jede Investition Risiken birgt. Viele, die einen Doktorgrad in Wirtschaft haben, haben Geld im Dot-com Debakel verloren. (Am Neujahrstag des Jahres 2002 veröffentlichte das Wall Street Journal seine jährliche Umfrage unter Wirtschaftswissenschaftler für das kommende Jahr. Obwohl die Wirtschaft seit fast einem Jahr hinterherhinkte, dachte nicht einer der 55 befragten Wissenschaftler, dass ein ernster Rückgang bevorstünde. Hundert Prozent der Wissenschaftler lagen falsch – und haben so bewiesen, dass Doktoren der Wirtschaftswissenschaften ebenso anfällig für die Massenpsychologie sind wie der Rest von uns.)
Es kursieren verschiedene Binsenwahrheiten, warum „einfache Leute“ nicht in Rohstoffe investieren sollten und ich würde diese Mythen gerne ein für alle mal begraben, so dass wir uns interessanteren Themen zuwenden können, z.B. der Frage, wie Sie anfangen können etwas Geld zu investieren, indem Sie in die Vermögenswertklassen der nächsten Generation investieren.
Und was diesen „Verwandten von Ihnen, den es das letzte Hemd gekostet hat“ angeht – er hatte keine Erfahrung. Sie können jedoch noch etwas lernen. Wahrscheinlich hat er mit nur wenig Eigenkapital und stattdessen stark auf Kredit gekauft, und als sich der Markt dann gegen ihn gewendet hat, da hat er im großen Stile sein Geld verloren.
Anders als bei Aktien, bei denen man per Gesetz verpflichtet ist, mindestens 50% des Aktienpreises einzulegen, können die Margins bei Rohstoffen sogar noch unter 5% liegen. Man kann Sojabohnen im Wert von 100 Dollar für 5 Dollar kaufen. Wenn die Sojabohnen auf 105 Dollar steigen, dann haben Sie ihr Geld verdoppelt. Schön. Aber wenn sie um 5 Dollar fallen, dann haben Sie alles verloren. Und das ist nicht so schön.
Erfahrene und kluge Spekulanten können Tonnen von Geld machen, indem sie auf Margin kaufen. Sie wissen aber auch, dass sie Tonnen von Geld verlieren können. Sie können es sich nur normalerweise auch leisten. Ihr Verwandter hat sich jedoch vollständig verausgabt. Wenn er die Sojabohnen im Wert von 100 Dollar in der gleichen Weise gekauft hätte wie er IBM kauft – für 100 Dollar oder wegen mir auch nur für 50 Dollar) – dann wäre er auch glücklich gewesen, wenn die Bohnen um 5 Dollar gestiegen wären, aber deutlich weniger traurig, als sie um 5 Dollar fielen.
„Doch wie steht es mit der Technologie?“
Immer dann, wenn ich Rohstoffe in der Öffentlichkeit erwähne, weist immer irgendwer darauf hin, dass wir heute in einer High-Tech Wirtschaft leben, in der die natürlichen Ressourcen nie wieder so viel wert sein werden, wie zu den Zeiten, als wir noch die veraltete Schwerindustrie hatten. Aber wenn Sie Geschichtsbücher lesen, dann werden Sie feststellen, dass die technologischen Fortschritte genauso alt sind wie die Geschichte selbst: Die Einführung der schnellen und schönen Klipper hat der Welt Mitte des 19. Jahrhunderts den Atem geraubt, wenn sie mit Fracht beladenen die Handelswege mit 20 Knoten und mehr entlang segelten und damit im Schnitt in der Lage waren, 400 Meilen in 24 Stunden zurückzulegen und es in 80 Tagen schafften, von den amerikanischen Häfen in der Nähe von Kap Horn nach Hongkong zu reisen. Innerhalb eines Jahrzehnts waren die Klipper von den Dampfschiffen abgelöst, die zwar nicht schneller, aber weniger abhängig von der Windkraft fuhren. Und ehe man sich versah, hatte schon das nächste Transportmittel das Ruder übernommen. Die Eisenbahn, die natürlich die Vorlage des Internets darstellt – und dennoch sind die Preise für Rohstoffe auch weiterhin gestiegen.
Das 20. Jahrhundert brachte die Elektrizität, das Telefon und das Radio (drei weitere Entsprechungen für das Internet heutzutage) und dann das Fernsehen (ein viertes Internet). Und dann noch das Auto, das Flugzeug, die Halbleiter – und inmitten dieser wirklich revolutionären technologischen Durchbrüche kamen periodische, mehrjährige Bullenmärkte für Rohstoffe.
Selbst ein revolutionärer technologischer Durchbruch in einem bestimmten, Rohstoff-bezogenen Industriezweig senkt nicht notwendigerweise die Preise. Jahrzehntelang war es quasi unmöglich, tiefer als 1.500 Meter oder vor der Küste nach Öl zu bohren. Dann wurde in den 1960 der Diamantbohrer von Hughes erfunden und eine Explosion der technologischen Fortschritte im Bereich der Ölförderung folgte. Es wurde eine Effizienz des Bohrens – und der Öllagerung – erreicht, die vor diesen Durchbrüchen undenkbar gewesen wäre. Schon bald gab es Quellen, die 8000 Meter tief bohrten und auch die Ölplattformen vor der Küste vermehrten sich überall auf der Welt. Dennoch sind die Ölpreise in den Jahren zwischen 1965 und 1980 um mehr als 1.000% in die Höhe geschossen.
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