Investieren mit Optionsscheinen I
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 14. Mai 2008 08:30 Uhr
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Liebe Leser,
ich begrüße sie herzlich zu Teil der neuen Reihe „Investieren mit Optionsscheinen“. Nachdem wir uns in den letzten Wochen in insgesamt 11 Teilen ausschließlich und umfänglich mit der Volatilität beschäftigt haben, ist es mir nun – anhand dieser Reihe – ein Anliegen zunächst völlig Grundsätzliches zu Optionsscheinen zu vermitteln.
Denn die Investition mittels Optionsschein gehört mir Sicherheit zu den interessantesten Möglichkeiten die ein Anleger hat. Mitunter kann sie aber auch zu großen Enttäuschungen führen. Und das nicht einmal weil der Anleger die Marktsituation falsch eingeschätzt hätte, sondern weil eine Reihe anderer Faktoren zu plötzlichen und bisweilen unverständlichen Veränderungen des Optionsscheinpreises führen.
Einer der wichtigsten Faktoren ist in diesem Zusammenhang die von mir in den vergangenen Wochen beschriebene Volatilität.
Womit wir schon beim Thema sind: es ist eine Sache eine Aktie zu kaufen, aber eine ganz andere einen Optionsschein zu kaufen. Und dies nicht nur aufgrund der Volatilität.
Doch im Gegensatz zu einem Aktieninvestment, bei dem es genügen kann das „richtige Marktgespür“ zu haben, kommt man bei einer Investition mit Optionsscheinen nicht umhin sich sehr tief in die Materie einzugraben, wenn man eben nicht plötzlich und unliebsam überrascht werden will. Gleiches gilt auch wenn Sie nicht über einen Broker FX-Produkte handeln wollen, sondern Währungspaare mittels Optionsscheinen. Zudem haben Sie über einen Broker aber eben auch die Möglichkeit Devisenoptionen zu handeln. Diese beziehen sich im Übrigen auf OTC-Optionen (over-the-counter). Zu all dem kommen wir aber noch.
Somit werden wir uns im Rahmen dieser Devisen-Monitor- Reihe im Laufe der nächsten Wochen immer tiefer in die Materie eingraben, mit dem Ziel am Ende in der Lage zu sein Optionsscheine vollumfänglich zu verstehen. Denn hier ist Wissen wirklich Macht und der einzige Garantiefaktor für künftige Gewinne.
Gut fangen wir an:
Zu Beginn möchte ich mich zunächst der grundlegenden Unterscheidung zwischen Optionen und Optionsscheinen widmen
Ja, Optionen und Optionsscheine haben zwar grundsätzliche Gemeinsamkeiten, sind aber absolut nicht gleich zu setzen.
Gemeinsamkeiten:
Sowohl bei dem Kauf einer Option, als auch beim Kauf eines Optionsscheines erhalten Sie als Inhaber das Recht, nicht aber – und das ist wichtig – die Pflicht einen bestimmten Basiswert zu kaufen (dies nennt man eine Call-Option ) oder zu verkaufen (dies nennt man eine Put-Option ). Wichtig ist, dass es sich nicht um eine Verpflichtung handelt. Sie können also als Inhaber auch jederzeit darauf verzichten ihr Recht auszuüben und stattdessen die Option oder den Optionsschein wieder verkaufen. Meist ist dies die favorisierte Vorgehensweise. Nur die wenigsten Optionen/Optionsscheine werden auch ausgeübt.
Sie merken sicher schon, worum es hier eigentlich geht! Im Grunde sind sowohl Optionen, als auch Optionsscheine nichts weiter als eine Wette. Eine Wette auf die Kursentwicklung des Basiswertes.
Unterschiede:
Optionen
Optionen werden an Terminbörsen wie der Eurex gehandelt und sind damit standardisiert in Beug auf Kontraktgröße, Basispreis und Laufzeit. Im Devisenmarkt werden Optionen OTC gehandelt, also praktisch als Kassa-Optionen.
Hier bestimmen also Angebot und Nachfrage den Preis der Option. Doch nicht nur! Auch der Preis einer Option hängt von den vielen Einflussgrößen ab, mit denen ich mich noch im Laufe dieser Reihe beschäftigen werde, wie der Volatilität, der Griechen, Restlaufzeit, Ausübungspreis usw.
Der Käufer einer Option wird als Inhaber bezeichnet, die Gegenpartei, also der Verkäufer als Stillhalter.
Beim Optionshandel sind Leerverkäufe und Stillhaltergeschäfte möglich.
Optionsscheine
Optionsscheine dagegen sind Wertpapiere mit einer WKN, die im Grunde ähnlich wie Optionen konstruiert sind. Optionsscheine können in kleineren Losgrößen gehandelt werden und benötigen keinen Zugang zu einer Terminbörse.
Stattdessen werden sie von Emittenten, also Banken und Finanzdienstleistern herausgegeben, die allerdings relativ frei sind, bezüglich ihrer Konditionen und Preise.
Die Optionsscheine sehen in der Regel keine Lieferung des Basiswertes vor bei Ausübung – im Gegensatz zu Optionen -, dafür aber einen Barausgleich.
Leerverkäufe und Stillhaltergeschäfte sind nicht möglich.
Im Vorliegenden habe ich bewusst nur über Optionsscheine geschrieben, denn ich gehe davon aus, dass ein Einsteiger sich zunächst mit Optionsscheinen, ähnlich wie mit Zertifikaten wohler fühlen wird. Einen Optionsschein können sie sich einfach mal in ihr Depot einbuchen lassen und damit die ganze Optionsgeschichte erst einmal ausprobieren. Zwar liegt hier der Risikofaktor in der bisweilen als untransparent empfundenen Preisstellung durch die Emittenten, doch auch hier muss man lediglich sein angeeignetes Wissen anwenden um herauszufinden welcher Optionsschein sich tatsächlich für einen Kauf anbietet. (siehe Devisen-Monitor-Reihe „Wissenswertes zu Volatilität“)
Wenn Sie sich sicher genug fühlen können Sie natürlich auch die Basisfakten die wir im Laufe der kommenden Wochen zusammen erarbeiten werden auch gleich auf ein Options-Investment anwenden. Denn gerade dann sollten Sie wissen, wer die Griechen sind und wie sich eine Vola-Änderung auswirkt.
Somit genug für heute und bis Freitag
Ihre Miriam Kraus
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