Investieren in nachhaltige Holz-Plantagen?
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 10. Januar 2012, 12:00 Uhr
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Trader´s Daily-Leserin Cornelia H. schrieb mir:
Ich habe "ein Angebot von ShareWood erhalten. Die bieten 1.080 Teakbäume (gepflanzt 2008 auf 1 ha gepachtetem Land) zu ca. 35.000 CHF an. Ausforstungen von Bäumen, also erste Erlöse, entstehen im 4. Jahr (also 2012), im 7.,10.,14. Die restlichen Bäume werden im 20. Jahr geschlagen. Für Pflege usw. sind 15 % vom Bruttoerlös fällig. Selbst bei 0 % Wertsteigerung von Teak-Holz käme man angeblich auf 6 % Gewinn p.a.. Was halten Sie davon? Mir stellt sich da die Frage, warum behält diese Gesellschaft nicht alles selbst in Bewirtschaftung oder gibt es doch noch vielerlei nicht bekannte Risiken? Danke für Ihre Meinung hierzu."
Meine Antwort:
Habe mich selber mit "Holz-Investments" beschäftigt. Zu ShareWood kann ich allerdings nicht mehr sagen als das, was ich aus öffentlich zugänglichen Informationen entnehmen konnte. Das Unternehmen betreibt eigenen Angaben zufolge eine nachhaltig wirtschaftende Teakholz-Plantage in Brasilien, auf insgesamt 29.591 Hektar Fläche. Diese sollen nun peu a peu an Investoren verkauft werden, so werden Mittel für weitere Projekte generiert.
Klingt soweit alles gut und nachhaltige Holzproduktion finde ich natürlich famos. Die Zahlen überzeugen - wenn denn alles so stimmt und so kommen wird.
Doch da es bei Forst-Projekten auch schon Scharlatane gab, welche mit dem für Aufforstungsprojekte in Mittelamerika bestimmten Mitteln etwas ganz anderes taten, bin ich hier - wie überhaupt in der Finanzwelt - zunächst einmal vorsichtig.
Was mir als Laien auffällt: 1.080 Teakbäume pro Hektar, das entspricht ungefähr demselben Pflanz-Abstand wie auf der afrikanischen Jatropha-Plantage, welche Trader´s Daily-Leser und meine Wenigkeit zusammen in Namibia auf die Beine stellen. (Im Januar sollen weitere 10.000 Setzlinge ausgepflanzt werden, ich plane, vor Ort mitzuhelfen und zu überwachen.)
Und ich hätte gedacht, dass ein Teakbaum mehr Platz benötigt als ein Jatropha-Busch. Aber dies ist nur die Einschätzung eines absoluten Laien.
Wenn es um größere Anlagebeträge geht, kann ich nur raten: Selber hinfahren, anschauen! Auch die Jatropha-Plantage habe ich erst nach Recherchen vor Ort und auf den Philippinen (wo solche Anlagen betrieben werden) in Angriff genommen.
Wenn die Reisekosten in keinem angemessenen Verhältnis zum Kapital stehen, welches Sie einsetzen möchten, dann würde ich im Fall der "Holz-Anlage" zumindest mir das Management einmal anschauen. In diesem Fall ist der Firmensitz Zürich.
Ich habe durchaus die Erfahrung (bzw. subjektive Illusion?) gemacht: Einen ehrlichen und fähigen Manager zu erkennen - geht nicht mit Sicherheit. Ein unseriöser kann sich durchaus glaubwürdig verstellen. Klar.
Doch was wir können: Einen sich unseriös gebenden Manager erkennen. Wer sich schon mies gibt, ist es meiner Erfahrung nach auch. Mit "mies" meine ich großspurig, arrogant, einen-mit-Phrasen-zutextend...etc. pp. Sie wissen, was ich meine. Gibt es mehr als genug, gehen Sie nur mal bei der Anlgermessen "INVEST" zum Stand der Rohstoff-Explorer.
Dies wäre auch in diesem Fall mein Rat, zumindest nach Zürich fahren. Denn gerade bei solchen Projekten kommt es durchaus auf Qualität und Seriosität des Managements an. Die Zahlen "an sich" sind schön, wären für mich alleine aber noch kein Kaufgrund.
Bleiben Sie wachsam!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Martin Caflisch (10.01. 2012 12:32 Uhr):
Guten Tag Sharewood ruft mich seit mehreren Jahren immer wieder an,hab auch die Unterlagen bestellt. Man kann auch nur 1-5000 chf oder euro anlegen mit der Option das Holz Selber zu bekommen(z.B als Schreinertunternehmen).jedes jahr zins wurde glaub ich auch nicht erwähnt. Zertifiziertes Tropenholz ist auf jeden fall sinnvoll.(Teak und Balsaholz). Da die Firma schon mehrere Jahre existiert und fortwährend expandiert macht Sie auf mich einen seriösen Eindruck.Auch die Gespräche am Telefon waren sehr lehrreich. Mfg M Caflisch
Antworten - Kommentar von Ralph (10.01. 2012 14:17 Uhr):
Guten Tag zusammen, das Thema Holz als Anlageklasse finde ich auch attraktiv. Selbst kenne ich das Sharewood-Angebot nicht, frage mich allerdings, warum in die Ferne schweifen (und warum Tropenholz), wenn doch auch grundsolide Mischwald-Angebote in Osteuropa existieren. Die Abwicklung erfolgt selbstverständlich über ein lang existierendes und seriöses Management hier in Deutschland. Ausserdem ist mir wohler, wenn man als Kunde nicht nur Holzeigentümer ist, sondern auch fest beteiligt am Grund+Boden (und eben dieser nicht nur gepachtet ist). Das hat dann den handfesten Sachwertcharakter. Und: die Investition erfolgt definitv in Euros...VG, Ralph
Antworten - Kommentar von georg r voelker (12.01. 2012 01:56 Uhr):
Guten Tag ebenfalls. Moechte eigentlich den Hinweis zur Vorsicht von Herrn Vaupel nur bekraeftigen. Ich selbst lebe seit geraumer Zeit in Sued Ost Asien. Was bei Investitionen in solchen Laendern alles verschleiert wird, laesst sich per Telediagnose garnicht rekonstruieren. Das kann von illegalem Holzschlag bis hin zu Waldbraenden, ploetzlicher Uebernahme von anderen Interessensvertretungen die keinerlei Verantwortung uebernehmen, alles beinhalten. Eine Investition, die man auch aus geographischer Sicht ab und an mal "besuchen" kann halte ich fuer unverhaeltnismaessig sinnvoller. MfG Georg
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