Investieren in China
Lynn Carpenter in Investors Daily zum Thema Global Anlegen
vom 19. November 2003 18:00 Uhr
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Von den 38 Chinafonds, die in Hongkong gelistet sind, hat es nur das beste Drittel in den letzten drei Jahren geschafft, überhaupt in die schwarzen Zahlen zu kommen. Der Rest waren Verlierer (Quelle: Far Eastern Economic Review). Und das trotz Fondsmanagern, die direkt vor Ort sind.
Aber das ist nicht die gleiche Story, die wir dieses Jahr gesehen haben. Dieses Jahr haben einige chinesische Internet-Aktien Gewinne im vierstelligen Prozentbereich hingelegt. Und immer dann, wenn so etwas passiert ist, denken breite Anlegerschichten darüber nach, solche Aktien zu kaufen.
Aber Vorsicht: Jetzt sehen wir hier eine Spekulationsblase! Wenn Sie Spekulieren wollen und hohe Risiken eingehen wollen, mit ein bisschen Spielgeld – dann seien Sie mein Gast. Solche Aktien jetzt zu kaufen, ist nicht schlimmer als Roulette zu spielen. Aber auch nicht besser. Niemand weiß, wieviel Zeit noch vergehen wird, bis diese Spekulationsblase platzen wird. Diese aktuelle chinesische Spekulationsblase könnte im Dezember, Anfang nächsten Jahres oder erst in zwei Jahren platzen. Aber als Investment sind die bereits sehr gut gelaufenen chinesischen Internet-Aktien jetzt sehr, sehr riskant. Die besten Möglichkeiten bieten sich woanders.
Wenn wir über China sprechen, dann müssen wir über das oft genannte Währungs-"Problem" reden. Ich habe schon Leute gesehen, die zumindest den Amerikanern versprochen haben, dass sie mit chinesischen Aktien schnell ein Vermögen machen würden, alleine wegen der Wechselkursentwicklung.
Was hat es damit auf sich? Nun, das Investieren in chinesischen Aktien wird US-Anlegern einen Währungsvorteil geben. Denn die chinesische Währung ist derzeit fest an den Dollar gebunden. Wenn sie freigegeben wird, dann wird sie voraussichtlich gegenüber dem Dollar stark steigen. Aber auch hier sollte man wieder einmal vorsichtig sein mit diesen Theorien. Man muss verstehen, was gut für China ist – und nicht gut für die USA –, um zu verstehen, wann die Chinesen ihren Wechselkurs freigeben werden.
Die Amerikaner tendieren dazu, sich keine Sorgen darüber zu machen, wenn sie ausländische Aktien kaufen und wenig über das Land wissen. Nun, wahrscheinlich macht es auch keinen großen Unterschied, ob man weiß, welche Regierung Norwegen gerade hat, wenn man Aktien von Norsk Hydro kauft. Aber es ist wichtig, welche Regierung es in China gibt.
Chinas Währung ist der Reminbi oder der Yuan. Man kann beide Wörter benutzen. Vergleichbar mit der britischen Währung, dem "Pfund Sterling".
Diejenigen, die überall auf der Welt Big Macs essen, sind sich sicher, dass die chinesische Währung unterbewertet is. Seit der letzten Abwertung 1994 hat China seine Währung im Verhältnis 8,28 an den Dollar gebunden. 8,28 Yuan sind ein Dollar. Dieser Zug hat der chinesischen Währung und Wirtschaft große Stabilität gebraucht ... und auch dem Rest Asiens. Das war ein Faktor, der für die rapide Erholung Asiens wirkte, nachdem der thailändische Baht und andere Währungen 1997 eingebrochen waren.
Aber zuletzt ist die chinesische Währung wegen des fallenden Dollars (an den diese Währung ja fest gebunden ist) auf den Weltmärkten eine billige Währung geworden. Eine billige Währung in einem Land mit boomenden Exporten und beeindruckenden Wachstumsraten. Diese Bedingungen führen normalerweise zu einer stärkeren Währung. Und diese Aufwertung der Währung würde die Exporte normalerweise wieder teurer machen ... und die Exporte der anderen Länder würden dadurch billiger. So würde sich z.B. ein Ungleichgewicht im internationalen Handel wieder einrenken.
Aber das geht eben nicht, weil der chinesische Wechselkurs nicht schwankt – und deshalb gegenüber dem Dollar nicht aufwertet. China hat den fixen Wechselkurs nicht geändert, während sein Handel und sein BIP stark gewachsen sind. Viele Länder schreiben "Foul!" Besonders die USA haben das laut mitgeteilt. Der US-Finanzminister John Snow war im September in China, um die dortige Regierung zur Neubewertung des chinesischen Wechselkurses zu bewegen. Und die europäischen Wirtschaftsminister hatten das schon früher, im Juli, erbeten.
Die Chinesen erklärten, nein danke, das würde China ruinieren. Ihre Botschaft war die: Eine Neubewertung würde irgendwann kommen, aber den Zeitplan würde China bestimmen. Währenddessen ist der Rest der Welt davon überzeugt, dass der Yuan 40 % unter seinem wirklichen Wert notiert und dass China deshalb Jobs und Handel "stiehlt" – weil es den Wettbewerbsvorteil einer künstlich niedrigen Währung hat. China erzielt im Handel mit den USA einen Überschuss von 103 Milliarden Dollar pro Jahr. In den USA gehen immer noch Arbeitsplätze verloren. Das ist in einem Wahljahr nicht gut.
Ein paar Fakten: China "muss" nicht irgendetwas tun, das die USA oder Europa wollen. Es hat Devisenreserven in Höhe von 300 Milliarden Dollar. Die kann es nutzen, um den Yuan da zu halten, wo es will – für ziemlich lange. Und der große Handelsüberschuss, den China im Handel mit den USA erzielt, steht geringeren Überschüssen im Handel mit anderen Ländern gegenüber. China gewinnt Marktanteile, auf Kosten anderer Entwicklungsländer. Es sind Länder wie Mexiko oder Korea, die wirklich großen Grund hätten, sich über Chinas billige Währung Sorgen zu machen.
Aber was wäre, wenn China seine Währung aufwerten würde, so dass sie im Verhältnis zum Dollar teurer würde?
Dann würden zwei Dinge passieren. Zunächst einmal würde kein einziger Job aus China in die USA zurückwandern. Sie könnten nach Lateinamerika, Indien oder sonst wohin in Asien gehen. Aber nicht zurück in die USA. Die Levi's Fabrik in San Antonio, die vor kurzem geschlossen worden war, würde dadurch nicht wieder eröffnet. Und auch nicht die General Motors Fabrik in Flint.
Zweitens: Vielen amerikanischen Unternehmen würde es mit einem stärkeren Yuan schlechter gehen. Darunter wären Hunderte von multinationalen Unternehmen mit Sitz in den USA, die Fabriken in China haben. Und auch die meisten Einzelhändler, die ihre Waren aus China beziehen, wären negativ betroffen.
Die Leute wollen billige Güter. Und billige Güter bekommt man aus Ländern mit billigen Arbeitskräften. Wenn nicht aus China, dann von woanders. Wal-Mart importiert mehr aus China als Großbritannien, und die US-Konsumenten kaufen offensichtlich sehr gerne bei Wal-Mart ein.
Das ist wie mit dem Drogenhandel. Man kann den Bauern in Kolumbien vorwerfen, dass sie Opium anbauen – aber wenn es keine Abhängigen geben würde, die das Zeug kaufen, dann würde auch keins angebaut. Fairerweise kann sich kein Amerikaner darüber beschweren, dass Amerika Jobs verliert, während er gleichzeitig zu Wal-Mart fährt, um billige Güter "made in China" zu kaufen. Es heißt: "Buy cheap or buy American – Kaufe billig oder kaufe amerikanisch." Das sind die Auswahlmöglichkeiten.
Aber bei all diesem Gerangel darüber, wer Jobs stiehlt, wird die wichtigste Entwicklung der chinesischen Währung nicht berücksichtigt ...
Die chinesische Währung wird eine wirklich frei austauschbare harte Währung, wie jetzt Dollar, Euro und Yen. Noch nicht, und nicht über Nacht – aber sie geht Schritt für Schritt in diese Richtung. Die Märkte werden das berücksichtigen. dadurch wird der Yuan im Wert steigen – das ist ein langfristiger Pluspunkt für einen Investor, der chinesische Aktien kaufen will.
Das passiert still und heimlich. Der Yuan soll nur in China benutzt werden. Chinesen, die ins Ausland reisen, sollen ihre Yuans zu Hause lassen. Aber mehr und mehr Chinesen tun das nicht. Der Yuan ist bereits jetzt so etwas wie eine regionale Währung. In Hongkong kann man damit normal bezahlen, und er ist in einem großen Teil Südostasiens akzeptiert.
Der Yuan ist wahrscheinlich noch 10 Jahre davon entfernt, eine weltweit akzeptierte globale Währung zu sein, aber diese unoffiziellen Bewegungen sind die Testballons der Chinesen, wenn es um eine Änderung ihrer Wirtschaftspolitik geht. Das ist die interessante Entwicklung, die man beobachten sollte.
Also was ist jetzt mit der chinesischen Währung? Sie bekommen einen Bonus, wenn Sie in chinesische Aktien investieren. Die beste Schätzung von chinesischen Geschäftsleuten, denen mein Mann und ich zustimmen konnten, ist ein 40 %iger Anstieg des Yuan in den nächsten vier Jahren. Eine langsame Neubewertung, kein Boom. Angesichts der bisherigen Art und Weise, wie die chinesische Regierung ihre eigenen Ziele verfolgt, ist das eine sehr glaubhafte Schätzung.
Investieren Sie in China. Profitieren Sie vom Währungseffekt. Aber erwarten Sie nicht, dass Sie über Nacht einen großen Gewinn erzielen können. Es bieten sich neben Einzelaktien Index-Zertifikate und China Bonus-Zertifikate an, wie sie z.B. Michael Vaupel vom Börsenbrief "Optionsschein-Profits" empfiehlt. Mehr zum Thema China demnächst im Investor's Daily.
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