Investieren in China
Lynn Carpenter in Baltimore in Traders Daily zum Thema Global Anlegen
vom 23. August 2005 12:00 Uhr
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Von den 38 Chinafonds, die in Hongkong gelistet sind, hat es nur das beste Drittel in den letzten fünf Jahren geschafft, überhaupt in die schwarzen Zahlen zu kommen. Der Rest waren Verlierer (Quelle: Far Eastern Economic Review). Und das trotz Fondsmanagern, die direkt vor Ort sind.
Aber das ist nicht die gleiche Story, die wir dieses Jahr gesehen haben. Dieses Jahr haben einige chinesische Internet-Aktien Gewinne im vierstelligen Prozentbereich hingelegt. Und immer dann, wenn so etwas passiert ist, denken breite Anlegerschichten darüber nach, solche Aktien zu kaufen.
Aber Vorsicht: Jetzt sehen wir hier eine Spekulationsblase! Wenn Sie spekulieren wollen und hohe Risiken eingehen wollen, mit ein bisschen Spielgeld – dann seien Sie mein Gast. Solche Aktien jetzt zu kaufen, ist nicht schlimmer als Roulette zu spielen. Aber auch nicht besser. Niemand weiß, wieviel Zeit noch vergehen wird, bis diese Spekulationsblase platzen wird. Diese aktuelle chinesische Spekulationsblase könnte im Dezember, Anfang nächsten Jahres oder erst in zwei Jahren platzen. Aber als Investment sind die bereits sehr gut gelaufenen chinesischen Internet-Aktien jetzt sehr, sehr riskant. Die besten Möglichkeiten bieten sich woanders.
Wenn wir über China sprechen, dann müssen wir über das oft genannte Währungs-"Problem" reden. Ich habe schon Leute gesehen, die zumindest den Amerikanern versprochen haben, dass sie mit chinesischen Aktien schnell ein Vermögen machen würden, alleine wegen der Wechselkursentwicklung.
Was hat es damit auf sich? Nun, das Investieren in chinesischen Aktien wird US-Anlegern einen Währungsvorteil geben. Denn die chinesische Währung ist derzeit auch nach der Mini-Aufwertung noch relativ fest an den Dollar gebunden. Wenn sie freigegeben wird, dann wird sie voraussichtlich gegenüber dem Dollar stark steigen. Aber auch hier sollte man wieder einmal vorsichtig sein mit diesen Theorien. Man muss verstehen, was gut für China ist – und nicht gut für die USA –, um zu verstehen, wann die Chinesen ihren Wechselkurs freigeben werden.
Die Amerikaner tendieren dazu, sich keine Sorgen darüber zu machen, wenn sie ausländische Aktien kaufen und wenig über das Land wissen. Nun, wahrscheinlich macht es auch keinen großen Unterschied, ob man weiß, welche Regierung Norwegen gerade hat, wenn man Aktien von Norsk Hydro kauft. Aber es ist wichtig, welche Regierung es in China gibt.
Chinas Währung ist der Reminbi oder der Yuan. Man kann beide Wörter benutzen. Vergleichbar mit der britischen Währung, dem "Pfund Sterling".
Diejenigen, die überall auf der Welt Big Macs essen, sind sich sicher, dass die chinesische Währung unterbewertet is. Die Dollarbindung des Yuan seit 1994 hat der chinesischen Währung und Wirtschaft große Stabilität gebraucht ... und auch dem Rest Asiens. Das war ein Faktor, der für die rapide Erholung Asiens wirkte, nachdem der thailändische Baht und andere Währungen 1997 eingebrochen waren.
Aber zuletzt ist die chinesische Währung wegen des fallenden Dollars auf den Weltmärkten eine billige Währung geworden – daran hat auch die Mini-Aufwertung von 2 % kaum etwas geändert. Eine billige Währung in einem Land mit boomenden Exporten und beeindruckenden Wachstumsraten. Diese Bedingungen führen normalerweise zu einer stärkeren Währung. Und diese Aufwertung der Währung würde die Exporte normalerweise wieder teurer machen ... und die Exporte der anderen Länder würden dadurch billiger. So würde sich z.B. ein Ungleichgewicht im internationalen Handel wieder einrenken.
Aber das geht eben nicht, weil der chinesische Wechselkurs so gut wie gar nicht schwankt – und deshalb gegenüber dem Dollar nicht aufwertet. China hat den fixen Wechselkurs jahrelang nicht geändert, während sein Handel und sein BIP stark gewachsen sind. Viele Länder schreiben "Foul!" Besonders die USA haben das laut mitgeteilt.
Die Chinesen erklärten, nein danke, ein frei floatender Yuan würde China ruinieren. Ihre Botschaft war die: Eine deutliche Neubewertung wird irgendwann kommen, aber den Zeitplan wird China bestimmen. Währenddessen ist der Rest der Welt davon überzeugt, dass der Yuan 40 % unter seinem wirklichen Wert notiert und dass China deshalb Jobs und Handel "stiehlt" – weil es den Wettbewerbsvorteil einer künstlich niedrigen Währung hat. China erzielt im Handel mit den USA einen Überschuss von 103 Milliarden Dollar pro Jahr. In den USA gehen immer noch Arbeitsplätze verloren. Daran wird sich so schnell nichts ändern – solange der Yuan nicht drastisch aufgewertet bzw. freigegeben wird.
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