Interview zum Thema "strategische Metalle"
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Strategische Metalle
vom 19. Oktober 2011, 12:00 Uhr
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*** Ich habe vor kurzem ein Interview zum Thema "strategische Metalle für Investoren" gegeben, welches ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Zwei Teile, der erste heute, der zweite morgen. Los geht´s:
*** „Strategische Metalle für Investoren" - das ist ein doch eher sperriger Begriff. Was genau verbirgt sich dahinter?
M.V.: Finden Sie? Ich finde, der Titel bringt es auf den Punkt. Es geht nicht um Industriemetalle wie Kupfer oder Aluminium, sozusagen die Masse. Es geht um die Klasse. Metalle, bei denen die Jahresproduktion bei teilweise nur wenigen Hundert Tonnen pro Jahr liegt, weltweit. Inklusive Recycling. Zum Vergleich: Bei Kupfer sind es 15,8 Mio. Tonnen Jahresproduktion. Gleichzeitig sind die strategischen Metalle notwendig bei der Produktion neuer Technologien. Displays, LEDs, Laser, Dünnschicht-Solarmodule, Windparks - überall sind Metalle wie Gallium, Indium oder Germanium notwendig. Oft nur wenige Gramm pro Produkt, aber ohne sie geht es eben beim derzeitigen Stand der Technik nicht. Deshalb das Wort "strategisch". Ich habe mich auf die Metalle konzentriert, welche für Investoren kauf- und lagerbar sind. Lithium ist z.B. wegen der Nachfrage der Lithium-Ionen Akkus zwar sehr interessant - aber die Gefahren bei der physischen Lagerung sind zu hoch.
Warum eigentlich „strategisch"? Was ist an Gold oder Silber „unstrategisch"?
M.V.: "Strategisch" deswegen, weil es zum derzeitigen Stand der Technik keinen Ersatz für den Einsatz der strategischen Metalle in Hochtechnologie-Anwendungen gibt. Meiner Ansicht nach sollte deshalb die EU ein besonderes Interesse an diesen strategischen Metallen haben und z.B. ähnlich wie China strategische Lager anlegen. Gold hingegen ist zwar ein Edelmetall, aber im Bereich der Zukunftstechnologien kein entscheidender Input. Silber wiederum findet zwar Verwendung in Zukunftstechnologien, hier macht die zusätzliche Nachfrage aus diesem Bereich aber keinen so großen Anteil aus wie bei den von mir favorisierten "strategischen Metallen".
Sind strategische Metalle für jeden Anleger geeignet oder benötigt man spezielle Fachkenntnisse?
M.V.: Grundlegende Kenntnisse sollten Sie als Anleger schon besitzen. Denn für die Anlage in diesen Metallen kommen meiner Ansicht nach nur solche in Frage, die a) genug "Wert-Dichte" besitzen und b) problemlos lagerbar sind. Mit "Wert-Dichte" meine ich, dass Sie z.B. für den Einsatz von 5.000 Euro nicht eine ganze Garage leer räumen müssen. Beispiel Silizium: Für einige Tausend Euro bekommen Sie direkt einige "big bags" von jeweils einer Tonne. Das ist nicht praktikabel. Lithium wiederum ist explosiv - das möchte man auch nicht im Keller haben. Und dann wiederum gibt es Metalle wie Zirkonium, bei denen aufgrund des möglichen Einsatzes in Atomkraftwerken gesetzliche Bestimmungen zu beachten sind...
Muss/Sollte man direkt investieren oder gibt es auch Möglichkeiten via Fonds oder Zertifikate?
M.V.: Meiner Ansicht nach ist die ehrlichste Form des Investments im Bereich "strategische Metalle": Physisch erwerben! Die Lagerung durchaus bei einem professionellen Anbieter - doch die Metalle sollten zu 100% Ihnen gehören. Es gibt so gut wie keine Aktien, welche ausschließlich auf "strategische Metalle" setzen. Ganz einfach deshalb, weil es z.B. keine reinen Indium-Minen gibt - es fällt meistens als Nebenmetall bei der Förderung großer (Edel-)Metalle an.
Quelle: Aktuelle Printausgabe "Der Aktionär"
Fortsetzung morgen.
Mit herzlichem Gruß!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hellmut Lempp (19.10. 2011 13:50 Uhr):
Kurz und bündig, klar verständlich und interessant, Herr Vaupel. Freue mich schon auf die morgige Fortsetzung. Anfang der sechziger Jahre arbeitete ich vorübergehend als 'operator' in der Germanium-Anlage einer Kupfermine der 'Anglo-American Corp.' in Namibia - Germanium wurde dort als Nebenprodukt gewonnen und m.W. hauptsächlich für Transistoren verwendet. Hätte ich damals schon etwas über diese Dinge gewußt, wäre es vermutlich einfacher und billiger gewesen, etwas von dem Zeugs zu horten, als jetzt. Mit herzl. Grüßen, Hellmut Lempp
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