Interview mit Rohstoffguru JIM ROGERS
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 14. November 2008, 20:00 Uhr
ENL5454
Kürzlich gab Jim Rogers wieder einmal ein sehr umfassendes Interview in der Zeitschrift Märkte und Zertifikate" vom November 2008. Da diese Publikation in der Schweizer Auflage erschien bin ich mir sicher, dass die meisten Leser ihn noch nicht gesehen haben.
Lesen Sie am besten das gesamte Interview, denn so ausführlich gibt Jim Rogers sonst niemals Auskunft:
Hier die meiner Ansicht nach interessantesten Aussagen aus einem mehrseitigen Interview, welches Sie aber in einer ruhigen Minute unbedingt komplett lesen sollten.
Zum Aktienmarkt:
Ich glaube, wir haben zwar EINEN Tiefpunkt, aber wir haben noch nicht DEN Tiefpunkt gesehen. Natürlich kann es sein, dass die Märkte nun wieder steigen. Und das kann
bis ins nächste Jahr hinein dauern. Falls wir aber bereits in den nächsten Wochen einen Verkaufshöhepunkt erleben, wird es vom jetzigen Niveau nochmals mindestens um
20 Prozent runtergehen. Das könnte dann genug sein, damit die Märkte aufgeräumt" sind."
Zu Rohstoffen:
Hier sind für Rogers nach wie vor die Agrarrohstoffe von wichtiger Bedeutung. Die fundamentalen Dinge liegen auf der Hand: Es gibt immer mehr Menschen auf dem Planet, wir verbrennen Agrarrohstoffe als Kraftstoff in unseren Autos und weil das Angebot nicht nachkommt mit dem produzieren, sind die Lagerbestände so tief wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Deshalb investieren die Leute in Agrarrohstoffe. Und es ist gut, dass sie es tun. Denn wenn Sie es tun, werden in Zukunft noch viel mehr Menschen verhungern. Denn bei den jetzigen Preisen werden auch kommende Generationen nicht Bauer werden wollen. Oder wollen Sie hart arbeiten, um anschliessend ihre Produkte praktisch verschenken zu müssen? Selbst die FAO sagt, dass höhere Preise wünschenswert sind, damit künftig mehr Agrarrohstoffe produziert werden."
Wo ist Geld sicher:
Der einzige Ort, den ich kenne, sind Rohstoffe. Es gab Zeiten in der Geschichte, wo Bauern reiche Leute gewesen sind. Wenn ich richtig liege mit meiner Beurteilung, kommen diese Zeiten nun zurück. In den vergangenen Jahren haben wir in Grossstädten wie London und New York viele 29-jährige Investmentbanker gesehen, wie sie mit ihren Maseratis in den Strassen herumgefahren sind. Diese Tage sind vorbei. Alle diese Leute müssen in Zukunft lernen, Taxi zu fahren. Wenn sie schlau sind, lernen sie Traktor zu fahren. So finden sie dann in den nächsten 10 bis 15 Jahren einen Job. Dann werden wir nicht mehr die 29-jährigen Banker in Maseratis sehen, sondern die 29-jährigen Bauern. Und die vormaligen Banker werden für diese arbeiten. Wir stehen vor einem gewaltigen Wandel. Die reichen Leute von morgen produzieren echte Dinge. Alle MBA-Inhaber, die Papier produzieren oder Papier herumschweben, werden in der Welt von morgen nicht mehr reich sein.
Zu Gold:
Ich besitze Gold und ich werde weiter Gold kaufen. Ich kaufe mehr Gold, wenn der Preis fällt. Ich kaufe aber auch weiter Gold, wenn der Goldpreis steigt. Gold wird in diesem Commodity-Bullenmarkt sicherlich weiter steigen. Steigt der Goldpreis auf sein infl ationsbereinigtes Allzeithöchst, steigt die Feinunze Gold auf über 2000 Dollar. Wahrscheinlich ist aber, dass Gold zuerst auf 500 Dollar fällt. Denn wir erleben derzeit Zwangsverkäufe von Fonds etc. von allen Assetklassen. Ich hoffe, ich bin bei 500 Dollar intelligent genug, um noch mehr Gold zu kaufen.
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