Intermarketanalyse (2.Teil) Dollar und Rohstoffe

Jürgen Nowacki in Investor Gurus zum Thema Devisen
vom


In den letzten Tagen habe ich Ihnen die Intermarketanalyse für den fallenden Aussi-Dollar und seine Auswirkungen auf den DAX erläutert, und so wie es aussieht, scheint sich dieser Zusammenhang wieder einmal zu bewahrheiten.


Heute zeige ich Ihnen eine negative Intermarketkorrelation, die Sie bestimmt kennen. Allerdings sollte solch eine Korrelation auch immer wieder auf ihren Bestand hin überprüft werden. Und das werden wir heute gemeinsam machen. Zuvor aber möchte ich noch einmal auf den Begriff positive und negative Korrelation zurückkommen.

Gibt es Zusammenhänge zwischen Finanzmärkten und wenn ja, welche?

Die Korrelationsanalyse untersucht Zusammenhänge zwischen Zufallsvariablen anhand einer Stichprobe. Eine Maßzahl für die Stärke und Richtung eines linearen Zusammenhanges ist der Korrelationskoeffizient.

Also angenommen Sie bekommen die Information, dass der chinesische Exportüberschuss gegenüber Europa krisenbedingt auf Null zusammengeschmolzen ist. Ihre Schlussfolgerung daraus: Die Devisenreserven Chinas bilden sich zurück. Weitere Annahme: China importiert weniger Rohstoffe, was den Ölpreis fallen lässt, aber auch die Weltmarktpreise für Kupfer und Eisenerze. Das ist Ihre Theorie, lieber Leser. Anstatt jetzt, wie in der Definition eingangs erwähnt, selbst Stichproben vorzunehmen, schauen Sie sich einfach im Langfristchart (Wochen- oder Monatschart) an, ob es während der unterschiedlichen Konjunkturzyklen, zwischen Wirtschaftsaufschwung und -abschwung positive, gleichlaufende Marktentwicklungen oder gegenläufige, negative Zusammenhänge (Korrelationen) gab.

Im folgenden Chart, den Sie sich auf StockCharts.com stets aktuell herunterladen können, sehen wir eine negative Korrelation. Der CRB Index (Commodity Research Bureau) deckt die Entwicklung der wichtigsten, auf US-Dollar notierten Rohstoffpreise ab. Der Dollarindex repräsentiert den US-Dollar gegenüber den wichtigsten Handelswährungen. Negative Korrelation heißt, dass sich beide Kursentwicklungen gegensätzlich verhalten. Zwar schwankt die Intensität dieses Zusammenhangs - anders ausgedrückt, der Korrelationskoeffizient (r) ist nicht stabil -, aber das stört uns im Moment nicht weiter, denn ich möchte Ihnen den Trend aufzeigen. Eine Untersuchung des Korrelationskoeffizienten wäre wichtig, wenn eine Depotstruktur auf mathematisch nachvollziehbare Art und Weise optimiert werden soll.  

Die aktuelle Chartbesprechung

Gehen Sie bitte im Chart auf das Jahr 2002 zurück (1. brauner Pfeil). Der Dollarindex ist stark, sehr stark sogar bei 120 Punkten (grüner Pfeil), abzulesen an der rechten Seite des Charts. Der CRB-Rohstoffindex liegt am Boden (Skala linke Seite) bei 180 Punkten. Die nachfolgende Entwicklung des Dollars - der Dollarindex beginnt ab 2003 zu fallen (grüne Kurve) - lässt den CRB-Rohstoffindex innerhalb von 5 Jahren auf 450 Punkte, also um mehr als 150 Prozent ansteigen.       

US Dollar Index gegen CRB Rohstoffindex

Wie aber geht es weiter?

Offensichtlich bildet der Dollar-Index einen Boden aus, von dem die weitere Entwicklung eher nach oben verlaufen dürfte, richtig? Das würde allerdings den CRB-Rohstoffindex und die Aktienmärkte negativ beeinflussen. Abschlussfrage: Was passiert, wenn die Rohstoffe billiger werden? Richtig: Es droht uns ein weltweiter konjunktureller Schrumpfungsprozess (Rezession). Die Nationen mit dem bislang größten Appetit auf Rohstoffe halten sich an den Weltmärkten mit Käufen zurück, was sich auch negativ auf Luxusgüter (PKWs) auswirken dürfte, die beispielsweise Deutschland mit großem Erfolg vor allem nach China exportiert hat. Dabei ist es nicht ausschlagebend, wie die absoluten Konjunkturdaten aussehen, also ob China nun 8 oder 8,2 Prozent Wachstum aufweisen kann, sondern es kommt darauf an, wie sich die Fondsmanager der internationalen Aktienfonds auf Anzeichen der Schwäche einstellen. Entsprechend fällt das gehandelte Aktienvolumen zurück und die Anfälligkeit für Gerüchte und schlechte Konjunkturnachrichten in DAX und Dow Jones beginnt zu steigen.

Behalten Sie, liebe Leser, das Bild im Kopf und beobachten Sie, wie sich die Nachrichten in den nächsten Wochen und Monaten verändern. Rechnen Sie damit, dass zunächst alles auf Griechenland und seine Schulden abgeschoben wird. Aber die Gründe für eine mögliche Aktienbaisse liegen, wie Sie jetzt erfahren haben, sehr viel tiefer.  

Viel Erfolg am Markt wünscht Ihnen

Jürgen Nowacki,

Chefredakteur Target Trader

 

 

Zum zweiten Teil von: Die aktuelle Chartbesprechnung

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