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Investors Daily
vom 08. Dezember 2004 18:00 Uhr
ENL5454
*** Noch ein Artikel in der "International Herald Tribune" verdient Aufmerksamkeit:
"Es wird schwierig sein, für Greenspan einen Nachfolger zu finden", so ein Artikel.
Wer könnte jemals in die Fußstapfen des Fed-Vorsitzenden treten, fragt der Artikel, denn die "grandiose Geldpolitik" von Greenspan sei "hoch intuitiv und mehr eine Kunst als eine Wissenschaft".
Ich widerspreche da nicht. Greenspan ist ein Künstler. Kein Grafiker. Auch kein Maler. Auch kein Musiker. Und er wird auch für seine Poesie keine Auszeichnungen erhalten. Aber er ist ein sehr guter Schauspieler. Er hat die Rolle gefunden, die ihm steht. Er spielt die Rolle von jemandem, der weiß, was er tut.
Sie mögen es vielleicht nicht realisiert haben, liebe(r) Leser(in), aber die Fed handelt nach einem sehr dünnen Drehbuch. So ist zum Beispiel die Idee, dass die Wirtschaftswissenschaft den genauen Zinssatz bestimmen kann, den die Welt zu einem bestimmten Zeitpunkt braucht, reines Theater.
Die beeindruckende schauspielerische Leistung von Alan Greenspan – für die er einen Oskar verdient hätte – ist die, dass er so tut, als würde er den perfekten Zinssatz nicht durch wissenschaftliche Analyse finden, sondern durch Intuition! Hier begeben wir uns ins Surreale ... oder vielleicht auch ins Absurde.
Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, ... applaudieren oder faule Tomaten werfen, ... vorzeitig gehen oder das Ende abwarten. Wenn Mr. Greenspan wirklich den perfekten Zinssatz bestimmen kann, vielleicht könnte er dann auch den perfekten Stand des Dow Jones festsetzen? Warum all der Trubel an der New Yorker Börse?
Ja, ich werde bleiben und sehen, wie die Show enden wird.
*** Und hier ist ein kleiner Beitrag, den ich irgendwo gelesen habe. Leider weiß ich nicht mehr wo:
"1913, auf dem Höhepunkt des britischen Imperiums, war Großbritannien der größte Gläubiger der Welt. Innerhalb von vierzig Jahren, nach zwei teuren Weltkriegen und wirtschaftspolitischen Fehlern, wurde es zum Netto-Schuldner, und der Dollar übernahm die Rolle des britischen Pfunds. Das Vom-Thron-Stürzen einer vorherrschenden Währung kann Jahre dauern. Das Pfund Sterling behielt seine herrschende Rolle noch zumindest ein halbes Jahrhundert, nachdem das Bruttoinlandsprodukt der USA das von Großbritannien zu Ende des 19. Jahrhunderts überholt hatte. Aber schließlich verlor das britische Pfund seinen Status."