Interessante Anekdoten
unserem Korrespondenten Eric Fry an der Wall Street in Investors Daily
vom 10. Februar 2003 18:00 Uhr
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"Der amerikanische Konsument hat Wasser in seinen Lungen", so Greg Weldon, Herausgeber von "Weldon's Money Monitor", und er zitiert das Verhältnis von Vermögen zu Schulden der amerikanischen Privathaushalte. In den 1950ern betrug das Vermögen der US-Haushalte laut Weldon 155 % ihrer Schulden. Heute ist es umgekehrt: Ihr Vermögen liegt bei gerade einmal 60 % ihrer Schulden – ein Wert, den wir seit Dekaden nicht mehr gesehen haben. Das Verhältnis verschlechtert sich weiter, weil die Leute ihre Ausgaben nicht so schnell zurückfahren, wie es die Klugheit diktieren würde.
Natürlich ist die derzeitige Wirtschaftslage auch an der Wall Street zu spüren. Das habe ich gestern Nachmittag gemerkt, als ich eine kleine Pause machte, um im nächsten Starbucks auf der Broad Street einen doppelten Espresso zu trinken. Während ich anstand, hörte ich mir das Gespräch zwischen zwei gerade arbeitslos gewordenen Männern ab, die zwischen 20 und 30 Jahren alt gewesen sein mochten:
Der Erste sagte: "Weißt Du, seit ich arbeitslos geworden bin, will ich meine Ausgaben zurückfahren. Aber ich habe noch keinen großen Fortschritt darin gemacht."
Der Zweite. "Ja, das ist nicht einfach."
Der Erste: "Ich sollte meinen TV-Kabelanschluss kündigen, aber jetzt kommen die NBY playoffs, und ich kann das nicht tun ... gestern habe ich meine Stromrechnung und die Rechnung fürs Kabelfernsehen bekommen, und ich sagte, dass ich die Rechnung fürs Kabelfernsehen bezahlen werde – der Strom kann warten."
Der Zweite: "Nun, entlassen zu werden, war ja wegen der wegfallenden Arbeit auch eine Verbesserung des Lebensstils. Man will doch seinen Lebensstil nicht direkt beschneiden."
Der Erste: "Ich bin froh, dass Du das auch so siehst."
Sie lachten und kippten ihre Cappuccinos zu je 5 Dollar hinunter ...
Trotz der langsam abflauenden Konsumwut der Amerikaner sind die Konsumenten wegen der auf Rekordhöhe stehenden Zahl der Hypotheken-Refinanzierungen weiter flüssig geblieben. Aber die "Refinanzierungs-Schimmweste" ist etwas undicht geworden, und bis jetzt sind noch keine neuen Rettungsringe ins Wasser geworfen worden. Und Beschäftigungswachstum ist noch nicht am Horizont sichtbar geworden. Wenn der Konsument in seinen Schulden fast ertrinkt, dann müssten die Regierungen der US-Bundesstaaten schon mit dem Kopf nach unten in den Fluten treiben. Ein aktueller Artikel (Associated Press) listet Bundesstaat für Bundesstaat die fiskalischen Probleme der US-Bundesstaaten auf (eine Ausnahme gibt es: Wyoming hat gute Finanzen, da dort die Produktion von Naturgas boomt).
"Ich lebe seit 27 Jahren in Iowa, aber solche fiskalischen Herausforderung wie letztes Jahr haben wir noch nie gehabt", so Gouverneur Tom Vilsack. In South Carolina soll das Budget 2004 ein Volumen von 5,4 Milliarden Dollar haben – davon 1 Milliarden durch Neuverschuldung finanziert. In Maryland versucht der Gouverneur Robert Ehrlich, eine Haushaltslücke von 1,2 Milliarden Dollar durch Mehreinnahmen (Steuern für Kasinos) zu schließen. Hm ... das kommt mir wie ein Spiel vor.
Es ist interessant, dass einige Bundesstaaten sich schon in einer Krise sehen, obwohl die Steuereinnahmen nur relativ moderat verringert haben. Der Gouverneur von Utah z.B. warnt davor, dass das Defizit von 117 Millionen Dollar "den Staat dazu zwingen könnte, Gefangene früher zu entlassen", um Kosten zu sparen. Sind 117 Millionen Dollar wirklich ein so großes Problem? Ist das nicht genauso viel, wie während der Zeit der Spekulationsblase am Aktienmarkt jeder durchschnittliche amerikanische Vorstandsvorsitzende in einem Jahr verbrannte?
Noch eine interessante Anekdote zum Thema "Die wirtschaftliche Lage nach dem Platzen der Spekulationsblase":
Ich besuchte einen Wertpapierhändler, und er saß während der Mittagspause vor einem Fernseher und sah CNBC. Dort lief gerade eine Show, in der Leute anrufen konnten, um Fragen zu stellen. Neben dem Moderator gab es einen "Rechtsexperten". Das Thema der Show schien zu sein: "Wie Sie Ihre Verluste des Bärenmarktes durch die Gerichte wieder reinholen können." Manchmal passten die Fragen nicht ganz zum Thema, z.B. als ein Anrufer meinte: "Hey, mein Dach ist nicht dicht. Wen kann ich verklagen?"
Aber die meiste Zeit fragten die Investoren ernsthaft, wen sie für die Konsequenzen ihrer eigenen Gier und Dummheit verantwortlich machen könnten. Die meisten Kläger könnten die Frage nach dem wirklich Schuldigen dadurch lösen, indem sie einen kleinen Handspiegel kaufen und hineinschauen würden.