Intel: Gewinn mehr als verdoppelt
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 15. Oktober 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Die wichtigste und kursbeeinflussenste Nachricht des Tages kam gestern nachbörslich von Intel. Intel konnte im dritten Quartal seinen Nettogewinn von zuvor 686 Mio. Dollar oder 10 Cent je Aktie auf 1,7 Mrd. Dollar oder 25 Cent je Aktie mehr als verdoppeln. Damit wurden die Analystenschätzungen, die bereits von optimistischen 23 Cent ausgegangen waren, um 2 Cent übertroffen. Auch der Umsatz konnte deutlich zulegen, von zuvor 6,5 Mrd. Dollar auf 7,8 Mrd. Dollar. Beachtliche Zahlen.
Doch Intel sieht trotz dieser Zahlen noch keine nachhaltige Erholung bei der Technologie-Nachfrage. Insbesondere die Unternehmen halten sich noch mit Investitionen in diesem Bereich zurück. So ist insbesondere in den Boommärkten, China, Russland und Indien die Nachfrage deutlich gestiegen und das hat das Eregbnis geprägt.
Aber auch in Europa wurden gute Ergebnisse erzielt. Hier stieg der Umsatz von zuvor 1,5 Mrd. Dollar auf nunmehr 1,7 Mrd. Dollar. Besonders das Notebookgeschäft hatte zulegen können.
Im vierten Quartal erwartet Intel ein weiteres Umsatzwachstum auf 8,1 Mrd. bis sogar 8,7 Mrd. Dollar.
Die Umsatzzahlen von Intel werden gemeinhin als Indikator für die Entwicklung der Branche gesehen. Aber das Ganze hat auf den zweiten Blick einen "Pferdefuß" – nicht speziell für Intel, sondern mehr für die amerikanische Wirtschaft.
Die besten Ergebnissteigerungen wurden in ausländischen Wachstumsmärkten erzielt, besonders auch, da die Produktion in diese Länder verlagert wurde. Mit anderen Worten, Intel kann wieder Gewinn erzielen, in dem es in Amerika Arbeitsplätze abbaut und in anderen Ländern neue Produktionsstandorte und Arbeitsplätze schafft. Bill Bonner hat auf diese Misere bereits mehrfach hingewiesen. Nur die amerikanische Wirtschaft kann nicht allein durch den Export von Know How am Leben erhalten werden. Sie braucht mehr als jedes andere Land den inländischen Konsum.
Ich hatte schon einmal darauf hingewiesen, dass die Börsen im Moment das Problem haben, dass sie nur auf die Großen der Branche schauen. Einerseits können die Marktführer auch deswegen ihre Umsätze steigern, weil kleiner Firmen unbemerkt vom großen Börsenspektakel untergehen oder auf Kosten von weiteren Arbeitsplätzen in größere Firmen "integriert" werden. Anderseits können die großen Firmen ihre Produktion in die Wachstumsmärkte auslagern und dort durch niedrige Lohnkosten auf den Märkten konkurrieren. Kleinere und mittelständische Firmen haben diese Möglichkeit nicht. Doch was macht Amerika, ohne Jobs? Wer soll dann noch konsumieren? So schön diese Zahlen sind, sie zeigen gleichzeitig eine gefährliche Entwicklung auf.
Vielleicht rutschte auch deshalb der Dow kurz nach der Eröffnung wieder leicht ins Minus, trotz der guten Zahlen von Intel und General Motors (dazu unten mehr). Aber wir kennen ja die Amerikaner, sie brauchen immer ein paar Stunden, um solche Nachrichten zu verarbeiten und dann die wirkliche Marktrichtung einzuschlagen. Zudem wird heute Abend das Beige Book veröffentlicht. Zuvor wird der Markt sicherlich etwas nevös bleiben.
Zu einem anderen Thema: Manchmal gestaltet sich Recherche zeitaufwendig und schwierig. Heute morgen wollte ich herausfinden, wie viel Prozent der deutschen Exporte in Euro abgewickelt werden und wie viel Prozent in Dollar. Ein Leser hatte zu Recht darauf hingewiesen, dass auch Währungseffekte dazu geführt haben, dass Deutschland seinen ersten Platz unter den Exporteuren wiedererlangt hat(s. ID vom 15.10.2003). Mich interessierte, in welchem Maße dies der Fall gewesen ist.
Große Zeitungen, wie die FTD und der Spiegel wiesen ebenfalls auf den Effekt der Lohnzurückhaltung und den verbesserten Ausfuhren in ost- und mitteleuropäische Länder hin. Allerdings war auch zu lesen (FTD), dass die Aufwertung des Euros den Aufwärtstrend verstärkt. Was auch immer das genau bedeuten mag. Zumindest schrieb die FTD: "Die Erfolge drängen eine Neubewertung der akuten deutschen Wirtschaftskrise auf." Doch keine Währungseffekte? Diese Aussagen reichten mir nicht aus.
Ich habe mich also mit dem Bundeswirtschaftsministerium, der Bundesagentur für Außenwirtschaft und dem statistischen Bundesamt in Verbindung gesetzt und dabei einige wirklich interessante Gespräche geführt, diskutiert und gefachsimpelt.
Leider kann ich Ihnen trotzdem keine genaueren Zahlen oder Anhaltspunkte zu dieser Frage liefern. Wahrscheinlich hätte es noch ein paar weitere Stunden intensiver Recherche erfordert, aber dann hätten Sie den heutigen Investor's Daily nicht erhalten. Folglich konnte ich nicht klären, in welchem Verhältnis Währungseffekte, eine Verbesserung der Exporte im Vergleich zu den anderen Ländern oder die in der Presse angeführten Lohnkosteneffekte diesen ersten Platz verursachten.
Das statistische Bundesamt teilte mir jedoch mit, dass im Jahr 2000 ca. 55 % der Exporte in die EU gegangen sind und nur 45 % in Drittländer. Mit anderen Worten, mehr als die Hälfte aller Exporte werden in Euro abgerechnet. Natürlich tauchen dann auch noch einige andere Schwierigkeiten auf, zum Beispiel, wie, zu welchem Zeitpunkt, welche Wechselkurse zur Berechnung herangezogen werden etc. Aber lassen wir das.
Es bleibt also die unbefriedigender Antwort: Natürlich hat auch der starke Euro, wahrscheinlich doch sehr maßgeblich, dazu beigetragen, dass Deutschland wieder Exportweltmeister ist.