Insolvenzwelle rollt weiter ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 08. August 2005 18:00 Uhr
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In der ersten Augustwoche konnten die deutschen Aktien nicht weiter zulegen. Im Wochenvergleich musste der Leitindex Dax einen Verlust von gut einem Prozent hinnehmen.
Sicherlich, die starke Aufwärtsbewegung brachte die deutschen Standardwerte bis auf 4930 Punkte. Die psychologisch wichtige 5000-Punkte-Marke kommt bzw. kam in unmittelbare Reichweite. Dies hätte auch einen gewissen Charme gehabt, zumal die Massenmedien dann sicherlich mit Schlagzeilen wie "Aktien-Euphorie" mehr Privatanleger in den Markt gelockt hätten. Aber, vorerst ist dem halt nicht so, oder noch nicht.
Nun wird es also sehr spannend, ob der Markt nur eine Konsolidierung innerhalb des starken Aufwärtstrends vollzieht oder ob diese Korrektur mehr ist als ein bloßes Bestätigen der Rally. Insofern stellt die "range" um 4600-4700 Punkte eine Unterstützungszone dar, welche nicht signifikant unterschritten werden sollte.
Wie auch immer, kurzfristig positiv und stützend wirkt, dass die Zahl der Aktienmarkt-Optimisten gegenwärtig wieder fast genauso hoch ist wie die der Bären. Vor dem Hintergrund dessen ist es also gut vorstellbar, dass die aktuelle Verschnaufpause relativ kurz ist und im Anschluss dann die besagten 5000 tatsächlich erreicht werden. In einer Vor-Wahl-Rally wäre dann – natürlich mit Hilfe von Geldern der Privatanleger – gar noch ein Schuss mehr drin.
Indes geht aber die ABKOPPLUNG der Finanzmärkte von der REAL-Welt breiter Schichten unvermindert weiter. Extremst interessant ist die Frage, inwiefern und wie lang sich solche Phänomene halten können. Noch scheint die Börsenwelt völlig heil und äußerst resistent zu sein.
In der harten Welt der Realität siecht die deutsche Binnenkonjunktur aber weiter vor sich hin, die Einkommens- und Vermögensverteilung verschiebt sich immer stärker. Mit anderen Worten, die Schere öffnet sich immer weiter. Dass eine solche Entwicklung langfristig (und dies belegt auch immer wieder die Historie) zu größeren Verwerfungen führen muss, sei nur am Rande erwähnt.
Folglich ist es auch kein Wunder, dass immer mehr Verbraucher angesichts fehlender Reallohnzuwächse und steigender Preise bei überlebensnotwendigen Gütern kapitulieren müssen. Die Pleitewelle rollt immer heftiger, in den ersten fünf Monaten 2005 stieg die Zahl der Verbraucherinsolvenzen im Vorjahresvergleich um 41,8 Prozent an. Und ein Ende der Fahnenstange dürfte bei weitem noch nicht erreicht sein, zumal Real-Lohnsteigerungen vor dem Hintergrund eines immer schneller globalisierenden Arbeitsmarktes absolut utopisch sind und gleichzeitig die MEGA-Hausse der Energie- bzw. Rohstoffpreise noch lange nicht am Ende ist. Der kommende Herbst bzw. Winter könnte also für viele Verbraucher ziemlich hart werden.
Jenseits des Atlantiks betreiben die Konsumenten ihr "Verschuldungsspielchen" munter weiter, im Juni diesen Jahres gab es bei den Verbraucherkrediten ein annualisiertes Wachstum von drei Prozent. Ein neues "all time high" wurde erreicht.
Aber, noch scheint die Konsum- und Verschuldungsparty der US-Verbraucher kein Ende finden zu wollen, obwohl immer mehr Ampeln auf "gelbrot" umschalten bzw. bereits umgeschaltet haben. So gingen zum Beispiel im Juli (trotz eines offiziell relativ guten Arbeitsmarktberichts) im verarbeitenden Gewerbe weiterhin gutbezahlte Stellen verloren.
Wie auch immer, auch geopolitisch scheinen einige Herbst-Stürme aufzuziehen. So tritt der Iran-Atomkonflikt immer mehr ins Rampenlicht.
Von einer Zuspitzung dürfte auch das Krisenmetall Gold profitieren. Ohnehin sprechen sowohl Saisonalität als auch Charttechnik klar für das gelbe Edelmetall. Im weiteren Jahresverlauf hat Gold sowohl gegenüber dem Euro als auch gegenüber dem US-Dollar deutliches Aufwärtspotenzial.