Insiderhandel
Alexander Wissel (US-Korrespondent) in Investoren Wissen zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 2. Juni 2009, 16:00 Uhr
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Insiderkäufe: Das beste Kauf-Signal, das Sie erhalten können
Liebe Leser,
haben Sie die perfekte Insider-Kauf-Gelegenheit verpasst? Vielleicht...
Im Laufe der letzten zwei Monate sind Aktien um fast 40% gestiegen. Nach dem Erreichen historischer Tiefstände - und einer völlig überverkauften Marktlage - haben die Märkte sich wieder nach oben gearbeitet, Woche für Woche.
Und sogar mit den durch die Veröffentlichung der Banken-Stress-Tests letzte Woche verursachten Hässlichkeiten sieht es nicht danach aus, dass wir die Werte abstürzen sehen werden. Es gibt einfach zu viel Geld, das am sprichwörtlichen Spielfeldrand sitzt, und langsam ins Spiel zurück kriecht.
Seit 1987 führt die American Association of Individual Investors (amerikanische Vereinigung privater Kapitalanleger, AAII) einen Monatsüberblick darüber, wie die Amerikaner ihr Geld zwischen Aktien, Anleihen und Cash aufteilen. Und gemäß der neuesten Übersicht ist der Anteil direkter Investitionen in einzelne Aktientitel auf einem Allzeit-Tiefststand von 17%, fast der Hälfte des historischen Durchschnitts von 31%.
Somit verbleibt ein Berg flüssiger Mittel am Spielfeldrand. Wenn nur ein Viertel dieser Mittel zum Markt zurückkehrt - und ich erwarte, dass mehr dies tun wird - könnten wir realistischerweise weitere 15% bis 20% höher als jetzt marschieren.
Kapitalanleger, die auf den vollkommenen Einstiegszeitpunkt gewartet haben, könnten sehr enttäuscht sein, wenn sie erfahren, dass wir diesen nicht bekommen werden. Wir werden keinen zweiten Boden oder diesen "vollkommenen Einstiegszeitpunkt" sehen, den jeder erwartet.
Selbst wenn es einen kleinen Rückschlag gibt, werden wir nicht die Preisniveaus vom 6. März wieder sehen - realistischerweise niemals mehr zu unseren Lebenszeiten.
Nun, was sollte ein vorsichtiger Kapitalanleger tun? Das ist leicht. Den altbewährten Schritten folgen, die wir nutzen, um unterbewertete Gesellschaften auf jedem Markt herauszupicken - einschließlich diesem. Der bewährteste unter diesen sind Insiderkäufe...
Insiderkäufe - das beste Kauf-Signal für Investoren
Ganz einfach, das beste einzelne Kauf-Signal, das Kapitalanleger bekommen können, sind starke Insiderkäufe. Heftige Insidergeschäfte sind der sicherste Weg, herauszufinden, ob das Management glaubt, dass ihre Gesellschaft unterbewertet ist.
- Insider sind die leitenden Angestellten, die eine Gesellschaft führen, die Direktoren, die den leitenden Angestellten übergeordnet sind, und Investoren, die 10% der Aktien und mehr besitzen, von denen man annimmt, dass sie mehr als normalerweise über die Geschäfte und Zukunftsaussichten der Gesellschaft umfassend in Kenntnis gesetzt werden.
- Insider wissen eigentlich alles, was man über die Gesellschaft wissen kann, die sie führen. Sie kennen das Umsatztempo täglich. Sie wissen von neuen Produkten in der Entwicklung. Sie wissen, ob die Gesellschaft ein Übernahmekandidat ist oder bereits unangefordert Angebote bekommt.
- Sie wissen alles, was vernünftigerweise über die Geschäftsaussichten ihrer Gesellschaft, ihre Angestellte, Kunden, Lieferanten und Mitbewerber bekannt sein kann ...
Kurz gesagt, Insider haben einen unfairen Vorteil, wenn sie in den Markt eintreten, um die Aktien ihrer eigenen Gesellschaft zu handeln. Immerhin kennen sie nicht nur die ganzen öffentlichen Informationen über ihre Gesellschaft, sondern eine gehörige Portion nicht öffentlicher Informationen ebenso.
Deshalb verlangt die amerikanische Regierung, dass alle Insider ihre Transaktionen bei der Börsenaufsichtsbehörde (SEC) bis zum zehnten Tag des Monats nach dem Monat, in dem sie ihre Firmenaktienaktien kaufen oder verkaufen, melden.
Damit hilft "Uncle Sam", das Spielfeld für kleinere Kapitalanleger zu ebnen. Es öffnet ein Fenster mit Blick darauf, was die Insider mit ihrem Geld tun. Es verschafft uns auch einen Insidervorteil bei der Entscheidung, ob ein Aktienwert wirklich unterbewertet ist.
Warum es unsicher ist, Ihre Anlageentscheidungen auf Insidergeschäfte zu stützen
Es ist wichtig, beim Stützen Ihrer Entscheidungen auf die Bewegungen des Insiderhandels vorsichtig zu sein. Diese können Ihnen leicht uneinheitliche Signale geben. Und während Insiderkäufe das klarste Signal sind, das Sie bekommen können, sind Insiderverkäufe in etwa das undurchsichtigste.
Sehen Sie sich die meisten öffentlich an der Börse geführten Aktien an, und Sie könnten darüber überrascht sein, wie viele Verkäufe registriert werden. Jeden Tag verkaufen Manager und Angestellte Aktien ihrer Firma. Aber anders als bei Käufen gibt es mehrere Gründe dafür.
Es könnte sein, dass diese Angestellten einen großen Teil ihres Gehaltes in Form von Aktien erhalten haben. Viele Manager erhalten Gehälter von $1 und der Rest ihrer Vergütungspakete von vielen Millionen Dollar wird mit Aktien gezahlt. Der einzige Weg für sie, an dieses Geld zu kommen, ist durch regelmäßige Aktienverkäufe.
Es könnte sein, dass diese Personen durch eine scheußliche Scheidung hindurchgehen, Kinder auf die Universität schicken, ein neues Haus bauen, ein Familienmitglied unterstützen oder sogar eine Spielleidenschaft haben.
So oder so, der Punkt ist klar: Insideraktienverkäufe sind kein eindeutiges Signal zu verkaufen.
Bill Gates war seit Jahrzehnten ein regelmäßiger Verkäufer von Microsoft gewesen. Ebenso Larry Ellison von Oracle. Und doch, wenn Sie diese Aktien über die letzten 20 Jahren gehalten hätten, hätten Sie nicht schlecht abgeschnitten. In der Tat hätten Sie ein wirklich Vielfaches Ihrer ursprünglichen Investition verdient.
Sogar im Fall von Enron, wo Firmenmanager Milliarden von Aktien en masse abwarfen, lässt sich nicht garantieren, dass es keine anderen Motivationen neben der Firmenleistung gab.
Andererseits gibt es nur einen Grund, dass ein Insider eine Aktie kauft: Sie glauben, dass sie unterbewertet ist. Deshalb sind Insiderkäufe das beste Kauf-Signal, das Sie bei dem Versuch, unterbewertete Gesellschaften zu finden, bekommen können.
Drei Insider-Kauf-Auslöser, nach denen man Ausschau halten sollte
Hier sind drei "Insider-Kauf-Auslöser", nach denen Sie Ausschau halten sollten:
- Käufe bei Preis-Schwellen. Achten Sie auf die Führungsebene wie Manager und Direktoren, die beständig große Beträge ihrer Aktien um eine spezifische Preisschwelle kaufen. Sie werden anfangen zu merken, dass diese Insider unterhalb eines bestimmten Preisniveaus bleiben.
- Insiderkäufe in Relation zum bereits vorhandenen Vermögen. Ein Direktor, der eine Million Aktien besitzt und weitere 10.000 kauft, ist nicht so interessant wie derjenige, der noch zwei Millionen Aktien kauft. Kaufen die Insider größere Beträge als sie bereits halten?
- Gehalts-Niveau von Insidern. Ein Direktor mit 40 Millionen US-$ Verdienst, der $30.000 riskiert, ist nicht so interessant wie ein Manager der mittleren Ebene, der einen Großteil seines Jahresgehaltes bei dem gleichen $30.000-Kauf riskiert. Die Größe ihrer Käufe in Relation zu ihren Gehältern lässt Sie wissen, wie sicher die Insider bei ihrer Investition sind.
Dies sind einige der größten Tipps, die die Insider uns dahingehend geben, dass die Märkte eine spezielle Aktie unterbewerten. Wenn wir diese einfachen Hinweise aufnehmen, können wir ihre Insiderkenntnisse zu unserem Vorteil verwenden.
Den Insidern zu folgen ist einer der leichtesten und gewinnbringendsten Wege, um die Märkte Jahr für Jahr zu schlagen.
Erfolgreiches Anlegen,
Alexander Wissel
KOMMENTAR ZUM ARTIKEL VON HERR WISSEL:
Da der obige Artikel, wie bereits in der Einleitung zur heutigen Ausgabe von Investoren Wissen erwähnt, bereits zwei Wochen alt ist, ist die Markteinschätzung, die zu Beginn steht, natürlich nicht mehr aktuell (für eine aktuelle Markteinschätzung verweise ich auf den täglichen Finanzmarktkompass hier im Daily).
Viel mehr habe ich diesen Artikel gewählt, da er m.E. das Thema "Insiderkäufe und -verkäufe" etwas differenzierter darstellt und auch ein paar praktische Methoden liefert, die jeder Anleger selbst umsetzen kann.
Mir ist bewusst, dass wir über das Thema "Insiderhandel" bei Investoren Wissen bereits in der Vergangenheit etwas diskutiert haben. Im Zuge dieser Diskussion hatten wir natürlich auch darüber gesprochen, dass Insiderhandel alleine niemals ein Kaufsignal oder ein Verkaufssignal sein sollte und auch Insider falsch liegen können (wie sich etwa in der jetzigen Wirtschaftskrise immer wieder gezeigt hat). Dennoch handelt es sich beim "Insiderhandel" um einen ganz nützlichen, zusätzlichen Baustein im gesamten Analyseprozess von Aktien, den ich auch immer wieder für mich selbst nutze und Ihnen nur empfehlen kann.
Beste Grüße
Alexander Hahn
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